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Frau wird der Bauch untersucht

Vorsorgliche Darmspiegelungen

Eine Darmspiegelung kann das Leben retten. Findet der Arzt bei dieser Untersuchung eine Vorstufe von Darmkrebs (Adenom), kann er diese sofort entfernen. Die Untersuchung wird flächendeckend angeboten und von den Krankenkassen ab dem 50. Lebensjahr bezahlt. 

Rund 5.000 Menschen erkranken in Österreich jährlich an Dickdarmkrebs, rund 2.500 sterben pro Jahr daran. „Sehr viele von ihnen könnten noch leben, wenn sie eine Koloskopie hätten durchführen lassen“, sagt Gastroenterologin Univ.-Prof. Dr. Monika Ferlitsch von der MedUni Wien. 

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Vorsorge ab 50 Jahren 

Ab dem 50 Lebensjahr wird in Österreich jedem Mann und jeder Frau von den Krankenkassen eine Vorsorge-Koloskopie bezahlt. Der Grund für diese Maßnahme: Anhand einer Koloskopie kann man nicht nur Darmkrebs in einem frühen Stadium entdecken, sondern es lässt sich sogar das Entstehen von Darmkrebs verhindern, indem man die Vorläufer (Polypen), die man bei der Spiegelung entdeckt, entfernt. „In 90 Prozent der Fälle geht das in einem Zug, das erspart den Patienten weitere Eingriffe“, so Ferlitsch. Das Entfernen von noch ungefährlichen – weil gutartigen – Polypen ist deshalb so wichtig, weil aus ihnen im Laufe der Jahre bösartige Karzinome, also Krebstumore, entstehen können.

Eine Vorsorge-Koloskopie vor dem 50. Lebensjahr wird nur jenen Menschen empfohlen, in deren Familien Fälle von Darmkrebs bereits aufgetreten sind. Ein Beispiel: Trat beim Vater der Darmkrebs im Alter von 55 Jahren auf, wird den Kindern eine vorsorgliche Koloskopie im Alter von 45 Jahren empfohlen, also zehn Jahre vor der Erkrankung des Vaters.

Das bloße Auftreten von Polypen im hohen Alter dagegen bedeutet kein erhöhtes Risiko. Ein Beispiel: War der Vater bereits in fortgeschrittenem Alter (70 Jahre oder älter), als bei ihm Polypen gefunden wurden, so bedeutet dies kein erhöhtes Risiko für die Kinder, da im fortgeschrittenen Alter das Auftreten von Polypen keine Besonderheit darstellt. Die erste Vorsorge-Koloskopie für die Kinder ist in diesen Fällen im Alter von 50 Jahren ausreichend. 

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Ablauf der Untersuchung 

Bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) untersucht ein Arzt den Dickdarm mit einem dünnen Schlauch, an dessen Ende eine kleine Kamera eingebaut ist. Entdeckt er einen Polypen, kann er diesen sofort mit einer kleinen Schlinge vollständig entfernen. Der Patient bekommt davon nichts mit, denn in der Regel lässt er sich vor der Untersuchung in eine Art Dämmerschlaf versetzen. Er spürt dadurch von der 20 bis 30 Minuten dauernden Prozedur kaum etwas. Dennoch ist die Untersuchung immer noch unbeliebt und zum Teil gefürchtet und nur ein Bruchteil der Bevölkerung macht bisher von der Möglichkeit der vorsorgenden Koloskopie Gebrauch. 

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Risiken 

Bei einer Darmspiegelung kann es zu Verletzungen im Darm kommen. Blutungen und sogar das Durchstoßen der Darmwand sind möglich, wenn auch sehr selten. Zudem werden nicht alle Polypen entdeckt und es besteht die Gefahr, dass sich der Patient in Sicherheit wiegt, obwohl ein Polyp unentdeckt weiterwächst. Ferlitsch schätzt die Risiken im Vergleich zum Nutzen als äußerst gering ein: „Die Koloskopie reduziert das Darmkrebsrisiko um 70 Prozent. Das Risiko, bei einer Koloskopie einen Schaden zu erleiden, liegt dagegen bei lediglich 1 zu 10.000, es passiert also extrem selten etwas“, so Ferlitsch. 

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Folge-Koloskopien 

Nach der ersten Vorsorge-Koloskopie werden weitere Untersuchungen in mehrjährigem Abstand empfohlen. Zehn Jahre Abstand sind ausreichend bei Personen, bei denen keine oder ein bis zwei unbedeutende Polypen (tubuläre Adenome <10mm) gefunden wurden. Diese Folgeuntersuchung werden wiederum von den Kassen bezahlt. Der Abstand verringert sich in der Regel auf drei Jahre (in Ausnahmefällen auf ein Jahr), wenn große Polypen beziehungsweise fortgeschrittene Adenome gefunden und abgetragen wurden. Der konkrete Abstand der Folgeuntersuchungen richtet sich nach Anzahl und Größe der gefundenen Darmpolypen und deren histologischem Befund. Vorsorgekoloskopien werden bis zum 75. Lebensjahr empfohlen. 

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Qualität der Untersuchung 

Die Qualität einer Koloskopie ist wichtig für deren Erfolg. Gesicherte Qualität bedeutet:

  • Der Patient wird von Anfang bis Ende betreut.
  • Die Hygiene wird jährlich überprüft.
  • Es wird eine vollständige Koloskopie durchgeführt
  • Die Erfolgsraten (Entdeckung und Abtragung von Polypen) werden dokumentiert.
  • Der Patient bekommt eine Nachbesprechung mit Empfehlung weiterer Intervalle für Vorsorgekoloskopien.

„Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind knapp die Hälfte der Ärzte und Krankenhäuser, die in Österreich Koloskopien anbieten, qualitätsgesichert“, sagt Ferlitsch. Leiterin der Arbeitsgruppe Qualitätssicherung der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie. 

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Sanfte Koloskopie 

Die sogenannte „sanfte Koloskopie“ ist mittlerweile Standard. „Sanft“ bedeutet, dass dem Patienten ein Beruhigungsmittel gespritzt wird, das ihn in einen leichten Dämmerschlaf fallen lässt. „Sanfte Koloskopie ist Teil der Qualitätssicherung. 87 Prozent der Patienten nehmen diese Möglichkeit der Sedierung mittlerweile in Anspruch“, erklärt Ferlitsch. 

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Vorbereitung 

Eine Darmspiegelung kann nur bei entleertem Dickdarm durchgeführt werden, um dem Arzt eine gute Sicht auf die Darmschleimhaut zu gewährleisten. Damit der Darm bei der Untersuchung leer ist, darf der Patient in den Tagen davor nur bestimmte Speisen zu sich nehmen. Zur Vorbereitung muss man eine Lösung trinken, die für die restlose Darmreinigung sorgt. „Die Vorbereitung ist heute weniger belastend als früher. Man muss nicht mehr so viel von der Vorbereitungsflüssigkeit trinken, die Lösung schmeckt besser, eine Trinkmenge von insgesamt drei bis vier Liter Wasser, Tee, Himbeersaft oder klarer Suppe ist jedoch unumgänglich“, sagt Ferlitsch. 

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Mögliche Alternativen 

Stuhlproben: Die zweite Möglichkeit einer Vorsorge-Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs ist ein Test auf verstecktes, nicht sichtbares Blut im Stuhl (sogenannter FOBT oder Okkultbluttest). Er wird im Rahmen der allgemeinen Vorsorgeuntersuchung angeboten, die jedermann in Österreich kostenlos in Anspruch nehmen kann. Der Vorteil dieser Methode: Sie ist sehr einfach. Der Nachteil: Die Ergebnisse sind weniger sicher als bei einer Darmspiegelung. Tumore, die nicht bluten, werden bei der Untersuchung von Stuhlproben nicht erkannt.

Kleine Darmspiegelung: Bei einer sogenannten kleinen Darmspiegelung (Sigmoidoskopie) werden lediglich die letzten 30 bis 40 Zentimeter des Dickdarms untersucht. Zwei Drittel des Darms werden also nicht untersucht. Bei der kleinen Spiegelung ist keine vorbereitende Darmreinigung nötig, ein Einlauf reicht aus, um die Untersuchung durchführen zu können. „Diese Methode eignet sich nur für Spezialfälle, wenn zum Beispiel eine bekannte Proctitis ulcerosa vorliegt und eine Gewebsprobe entnommen werden soll. Im Regelfall sollte aber die normale Darmspiegelung, bei der der gesamte Dickdarm untersucht wird, gemacht werden, weil die Hälfte der Polypen im oberen Darmbereich gefunden wird und diese sonst nicht entdeckt werden können“, hält Ferlitsch fest.

 

Dr. Thomas Hartl

Dezember 2017


Foto: shutterstock


‌ Zuletzt aktualisiert am 04. Dezember 2017