DRUCKEN
Läufer hält Hände an die Wade vor Schmerz

PAVK – Effektive Hilfe, wenn jeder Schritt schmerzt

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz als PAVK oder auch als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet, ist eine Störung der arteriellen Durchblutung hauptsächlich der Beine. Sie kann aber auch Arme betreffen. Die Erkrankung verursacht eine Reihe von Symptomen – von starken Schmerzen bis hin zu einer Schädigung des Gewebes. 

Die PAVK entsteht durch Verengung oder Verschluss der Arterien, die Arme und Beine versorgen – seltener ist die Hauptschlagader betroffen. In etwa neunzig Prozent der Fälle leiden dabei die unteren Extremitäten. Die Krankheit wird beinahe ausschließlich durch eine Arteriosklerose, die sogenannte Arterienverkalkung, verursacht. 

up

Symptome der PAVK 

„Die ersten Beschwerden sind meist Belastungsschmerzen in den Beinen, die sich vorwiegend beim Gehen bemerkbar machen und die Betroffenen zum häufigen Stehenbleiben zwingen“, erklärt OA Dr. Rudolf Puschmann, Chirurg an der Abteilung für Herz‐, Gefäß‐ und Thoraxchirurgie des Klinikums Wels‐Grieskirchen. „Im weiteren Verlauf schmerzen die Beine auch im Ruhezustand. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Gewebsschädigung. In der letzten Konsequenz kann es sein, dass die Extremität amputiert werden muss.“ 

up

Wer gefährdet ist 

„Das Risiko, eine PAVK zu entwickeln, korreliert häufig mit der Nikotinquantität im Leben“, hält Prim. Univ.‐Prof. Dr.Herbert Lugmayr, Leiter des Instituts für Radiologie I am Klinikum Wels‐Grieskirchen, fest. „Sprich: Wer aufhört zu rauchen, hat eine bessere Prognose!“ Weitere Risikofaktoren sind Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte. Je früher die PAVK diagnostiziert wird, umso besser sind die Behandlungsaussichten. „Die Primärdiagnostik der PAVK funktioniert über eine spezielle Blutdruckmessung am Bein mittels Dopplersonographie“, erklärt Puschmann. „Gemessen wird der Unterschied zwischen dem Blutdruck am Arm und am Bein.“ In weiterer Folge wird eine Angiographie vorgenommen, konventionell oder unterstützt durch eine Magnetresonanztomographie. „Die diagnostische Angiographie kann – optimal geplant – häufig gleich mit einer Therapie kombiniert werden.“ Eine neue Entwicklung in der PAVK‐Therapie stellen Stents dar, dieit Medikamenten beschichtet und langfristig wirksam sind. Bei Verschlüssen ist eine operative Behandlung mittels Bypass notwendig. 

up

Bypass im Bein 

Ist bei einer schwerwiegenden PAVK eine Bypass‐Operation notwendig, steht die Herzchirurgie in Kooperation mit den interventionellen Radiologen. „Primär körpereigene Venen und im Bedarfsfall verschiedene Grafts [Transplantat, Anm.] aus Kunststoff stehen als Bypass‐Material zur Verfügung", so Puschmann. „In Absprache mit den Radiologen und in Abhängigkeit von Begleiterkrankungen sowie des Verkalkungsgrades des Gefäßes wird entschieden, ob ein Stent gesetzt oder das Gefäß mit einem Ballon gedehnt wird beziehungsweise eine Bypass‐Operation erfolgen muss. Die Materialien sind heute besser, die Gefäße bleiben länger offen.“ 

up

Leben mit PAVK 

Die PAVK kann prinzipiell nicht geheilt werden, eine Stabilisierung der Erkrankung kann nur über die Kontrolle der Risikofaktoren gelingen. „Je später man die Erkrankung behandelt, umso schneller treten Verschlüsse wieder auf – die Bandbreite reicht hier von drei Monaten bis zu zehn Jahren“, so Lugmayr. „Auch die Wiederholbarkeit des Eingriffs ist für ein langfristig gutes Ergebnis entscheidend. Man kann öfter dehnen.“ Da die Bevölkerung heute immer älter wird, nimmt die Häufigkeit von Herz‐Kreislauf‐Erkrankungen und somit auch von PAVK zu. „Aber die Behandlungsmethoden werden immer besser und schonender, man kann auch sehr alte Menschen und Risikopatienten gut und effektiv behandeln.“ 

up

Schaufensterkrankheit: Woher der Name kommt 

Der Ausdruck beschreibt die Tatsache, dass Patienten mit Durchblutungsstörungen in den Beinen aufgrund der Schmerzen stehen bleiben und manchmal vor Schaufenstern scheinbar verweilen – aber tatsächlich nur ihren Muskeln die Gelegenheit geben, sich mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. 

up

TIPP 

Am 4. November erfahren Sie beim „Klinikum Wissensforum Fokus: Herz“ ab 10 Uhr mehr zu innovativen Therapien, Rehabilitation und Prävention von Herz‐Kreislauf‐Erkrankungen. Bei Impulsvorträgen, Expertentalk, Infoständen und Führungen können Sie sich umfassend über hochspezialisierte, schonende Behandlungsoptionen bei Herzklappen‐Erkrankungen, der koronaren Herzkrankheit (KHK) und der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK, „Schaufensterkrankheit“) informieren. Sportwissenschafter und Diätologen geben Tipps, wie man mit einem gesunden Lebensstil, geeigneter Bewegung und Ernährung Blutdruck und Cholesterinwerte positiv beeinflussen kann. Sie können Ihr Gefäßalter testen und eine virtuelle Reise durch das Herz unternehmen. Mehr zum Programm finden Sie hier und in der rechten Leiste auf dieser Seite.

 

Mag. Christian Boukal / Klinikum-WEGR

Oktober 2017


Bild: shutterstock


‌ Zuletzt aktualisiert am 30. Oktober 2017