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Mann hustet

Harmlos bis gefährlich

Ob trockener Reizhusten oder mit Auswurf verbunden, hartnäckig chronisch oder akut und vorüber-gehend – für Husten sind über 200 Krankheitsursachen bekannt, von der harmlosen Erkältung bis zur gefährlichen Lungenembolie, Lungenfibrose und zum Lungenkarzinom.

Der Hustenreflex ist komplex: Hustenrezeptoren, also spezielle Nervenenden in den Atemwegen, in Speiseröhre, Rippenfell, Zwerchfell und sogar im Herzbeutel – sie leiten den Hustenreiz an das Gehirn weiter. Das Zwerchfell sowie die Atemmuskulatur im Brustkorb, im Hals- und Rückenbereich sowie im Bauchraum werden aktiv: Luft wird eingeatmet, die Stimmbänder geschlossen, Druck aufgebaut, und schließlich entweicht die Atemluft mit bis zu halber Schallgeschwindigkeit. Die Flimmerhärchen auf der Schleimhautoberfläche helfen mit, Schleim, Flüssigkeit, Reizstoffe oder Krankheitserreger loszuwerden – oder auch einen Fremdkörper, der in die falsche Kehle geraten ist. Selbst Speichel, an dem man sich „verkutzt“, kann schon eine quälende Hustenattacke auslösen.

Plötzlicher trockener Reizhusten, sogenannter unproduktiver Husten, ist typischer Anfangsbegleiter einer Erkältung, der nach Tagen zu einem produktiven, mit Schleimbildung verbundenen Husten wird. Dieser meist durch eine Virusinfektion, manchmal auch bakteriell verursachte Husten sollte ohne weiteres Zutun innerhalb von zwei, längstens drei Wochen abklingen, betont Primar Dr. Josef Eckmayr, Vorstand der Abteilung für Lungenkrankheiten am Klinikum Wels-Grieskirchen. „Unter diesen Umständen ist eine Selbstbehandlung vertretbar.“

Den quälenden, oft den Schlaf raubenden trockenen Hustenreiz in den ersten Tagen einer Erkältung zu stillen, das ist durchaus erlaubt. Bei Reizhusten als möglichem Begleitsymptom schwerer Erkrankungen wie Lungenembolie oder Lungenriss ist eine Hustendämpfung oft sogar notwendig. Hustendämpfende Kodeinpräparate sind vorsichtig zu dosieren. Als Schutz- und Reinigungsmechanismus des Körpers darf Husten auch nicht mit allen Mitteln unterdrückt werden, vor allem nicht bei produktivem, also mit Schleimbildung einhergehendem Husten. Wenn viel Schleim in den Bronchien bleibt, statt abgehustet zu werden, kann das schlimmstenfalls zu einer Lungenentzündung führen.

Um einer Lungenentzündung zuvorzukommen, muss rechtzeitig ein Antibiotikum eingenommen werden. Antibiotika sind aber keineswegs das erste Mittel der Wahl gegen Husten. Bei Erwachsenen sind in der Winterzeit nämlich Viren an rund der Hälfte aller Erkältungsfälle schuld, bei Kindern sind sogar bis zu 90 Prozent derartiger Erkrankungen viral bedingt. Gegen Viren sind Antibiotika aber machtlos – sie werden nur auf Bakterien angesetzt. Bei einer viral bedingten Bronchitis werden nur die Symptome behandelt. Eitriger Auswurf ist jedoch meistens Zeichen einer bakteriellen Infektion.


Frau wird untersucht


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Hustenattacken 

Keuchhusten ist ein langwieriger bakterieller Infekt, der zu schwersten Hustenattacken bis hin zu Erstickungsanfällen führt. Wird die Erkrankung chronisch, kann der Betroffene zum Bakterienträger und so zur dauernden Ansteckungsgefahr werden. Primar Eckmayr: „Nur eine hohe Durchimpfungsrate bei Kindern und Erwachsenen kann die Infektionskette unterbrechen.“

Hustenmedikamente für Erwachsene sind nicht zwangsläufig auch für Kinder geeignet. Die noch unreifen kindlichen Organe einschließlich des zentralen Nervensystems sprechen stärker an, der Stoffwechsel erzeugt heftigere Nebenwirkungen. Bei zu starker Dämpfung des Hustenreflexes in verschleimten kindlichen Atemwegen drohen gefährliche Atemprobleme.

Spitzwegerichtee gilt als bewährter pflanzlicher Schleimlöser. Aus Honig oder Kandiszucker, in einen ausgehöhlten schwarzen Rettich gefüllt, entsteht der altbekannte Rettichsirup. Zwiebelsirup wird aus feingehackter Zwiebel mit Kandiszucker aufgekocht – beide Arzneien schmecken besser, als es klingt. Ein Brustwickel aus Erdäpfelbrei spendet Wärme und Feuchtigkeit in der Atemluft. Derartige Hausmittel sowie viel trinken und gut befeuchtete Raumluft – sie wirken fast genauso gut wie schleimlösende Medikamente, die in Österreich zu den meistverschriebenen Arzneien zählen.

Vorsicht bei Inhalation von ätherischen Ölen – vor allem bei Kleinkindern können fallweise Gegenreaktionen bis hin zum Kehlkopfkrampf auftreten. Eukalyptusöl wird als alternativmedizinische Behandlung beispielsweise in Form von Bonbons oder mittels Einatmen von Eukalyptusdämpfen im heißen Wasserbad angewendet. Teebaumöl weist ebenfalls eine antimikrobielle Wirkung auf, die häufig in Kosmetika genutzt wird. In höheren Konzentrationen oder bei schlechter Lagerung können Kontaktallergien ausgelöst werden, warnt Prim. Dr. Eckmayr.

Mit inhalierbaren Hustenmedikamenten etwa zur Bronchienerweiterung oder Antibiotika können höhere Konzentrationen gezielt verabreicht werden. Das kommt vor allem Kindern mit Zystischer Fibrose (Mukoviszidose) zugute, wo der Schleim dickflüssig zäh ist und die Atmung erschwert.

„Post-nasal-Drip“, also das Abfließen von Schleim in den Rachen und dadurch bedingtes ständiges Hüsteln und Räuspern, könnte auch Zeichen einer Nasen- oder Nasennebenhöhlenerkrankung sein. Hinter gelegentlichen Reizhustenattacken steckt manchmal eine Allergie oder auch eine Refluxerkrankung, die von Sodbrennen begleitet sein kann.

Morgendliches Verschleimtsein und Hustenreiz, für viele Raucher ein gewohntes Übel, ist nicht selten ein Symptom von COPD, einer chronischobstruktiven Bronchitis mit verengten Bronchien und Lungenschädigung. Raucher sind um ein Vielfaches anfälliger für Lungenkrebserkrankungen. Wenn sich ihre Hustencharakteristik ändert, müssen sie sofort zum Arzt.

Bluthusten ist besonders beängstigend. Eine Tumorerkrankung, eine Lungen-embolie oder eine Lungenentzündung zählen zu den gefährlichen Verursachern. Doch auch Bronchitis kann Bluthusten verursachen, vor allem bei Menschen, die Blutverdünner ein-nehmen. Sie leiden oft auch an einer Herzschwäche, die eine Lungenstauung bewirkt. Die Dehnung der Lunge beim Einatmen löst bei ihnen einen Hustenreiz aus. Husten ist auch ein Symptom der Lungenfibrose, wo das Lungengewebe fortschreitend durch Bindegewebs-wucherungen versteift. Eine Lungenembolie verrät sich mitunter mit Reizhusten. Bluthusten und Atemnot sind weitere Alarmsignale dieses heimtückischen Geschehens, das von einem aus den Beinvenen verschleppten Blutgerinnsel verursacht wird.

Husten, der vor allem zu bestimmten Tageszeiten auftritt, mag mit einer Nahrungsmittelallergie zusammenhängen. Bei älteren Menschen ist oft der Schluckmechanismus gestört, so dass Speiseteile in die Luftröhre gelangen. Manche Medikamente wie etwa die blutdrucksenkenden ACE-Hemmer lösen Hustenreiz aus, bei Frauen doppelt so oft wie bei Männern, und sollten dann lieber abgesetzt werden.

Länger als acht Wochen andauernder Husten gilt als chronisch. Bei unklarer Ursache ist eine gründliche fachärztliche Untersuchung samt Röntgen und Lungenfunktionstest aber ohnehin schon lange vorher angebracht.

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Zur Vorbeugung 

Kälte verschlechtert Durchblutung und Immunabwehr. Wärme wirkt durchblutungsfördernd, aber Vorsicht vor trockener Luft. Sie macht die Schleimhaut empfänglicher für Grippeviren & Co. Die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit von 40 auf 50 bis 60 Prozent halbiert die Ansteckungs-gefahr. Viel Schlaf, Vitamin C, das Spurenelement Zink sowie Ausdauersport, Sauna und viel Frischluft unterstützen die Vorbeugung.

 


Klaus Stecher

September 2017


Bilder: mauritius; privat


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Kommentar

Harmlos_bis_gefaehrlich_Kommentarbild_Eckmayr_Josef_150x150.png „Nach zwei Wochen Husten zum Hausarzt, nach vier zum Lungenfacharzt, nach acht Spezialuntersuchung der Atemwege.“

Prim. Dr. Josef Eckmayr

Vorstand der Abteilung für Lungenkrankheiten, Klinikum Wels-Grieskirchen



‌ Zuletzt aktualisiert am 25. September 2017