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Qualle

Vorsicht: Quallen in Sicht

Mittel gegen Durchfall, Insektenstiche und Sonnenbrand sind für die Reiseapotheke selbstverständlich, aber dass eventuell auch Rasierschaum und Essig heilsame Dienste erweisen können, wissen nur die wenigsten. Schwimmen und Schnorcheln kann bei Quallenalarm zu einer schmerzlichen Begegnung führen.

Jedes Jahr verbringen mehr als 900.000 Österreicher einen Badeurlaub. Viele freuen sich auf das Schwimmen, Surfen und Tauchen. Unliebsame Kontakte mit Quallen und anderen Nesseltieren sowie Seeigeln sind im Mittelmeer nicht selten. In den allermeisten Fällen verlaufen Vernesselungen durch Quallen harmlos, in den seltensten Fällen sind sie bei bestimmten Quallenarten lebensbedrohlich.

„Am häufigsten sind vermutlich im Mittelmeer Seeigel-Stachelverletzungen, die – wenn überhaupt – nur geringe Giftwirkung haben. Auch Vernesselungen durch Quallen kommen häufig vor“, sagt Prof. DDr. Martin Haditsch, Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin, Reisemediziner und Leiter des Travel Med Centers in Linz-Leonding. 

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Vor exotischen Urlauben Beratung einholen 

Nicht allerorts kann man sorglos ins Wasser gehen. „Vor Abenteuerurlauben, Camping in den Tropen, Dschungelexpeditionen, Wüstensafari und Tauch- oder Schnorchelurlauben am besten eine reisemedizinische Beratung in einem Fachinstitut beanspruchen. So erfährt man, welche giftigen Meerestiere wo heimisch sind, wie man vorbeugt und welche Erste Hilfe-Maßnahmen man im Notfall setzen kann“, rät der Reisemediziner. 

In vielen Fällen rötet sich nach einem Quallenkontakt die Haut, die Stelle schwillt an, brennt und schmerzt. Als Regel für Fremdberührung mit giftigen Meerestieren im Wasser gilt: Panik vermeiden und sofort raus aus dem Wasser! An Land soll dann der betroffene Körperteil ruhig gestellt werden. 

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Bitte Abstand halten

Quallen existieren in 3.000 Arten, bestehen zu 99 Prozent aus Wasser und manche sind sehr giftig. Hitzewellen sorgen für erwärmte Gewässer, wodurch sich Quallen schneller entwickeln. Bei Berührung explodieren deren Nesselkapseln und dringen wie Harpunen in die Haut ein. Es gibt aber auch viele Arten, die gar nicht nesseln. Je nach Quallenart und persönlicher Anlage sind die Folgen harmlos bis gefährlich. Im Mittelmeerraum gibt es kaum lebensbedrohliche Quallen. Dennoch können sie, wenn sie zuhauf auftreten, die Lust am Schwimmen und somit den Urlaub verderben.

So mancher hat vielleicht schon selbst erlebt, dass Strände wegen Quallenalarms gesperrt wurden. In der Nord- und Ostsee, im Mittelmeer und im Roten Meer begegnet man häufig Feuerquallen. Die auch Leuchtquallen genannten Tiere gehören zu den wenigen europäischen Quallenarten, deren Nesselkapseln die Haut durchdringen können. Die Nesselzellen der Feuerquallen hinterlassen auf der Haut schmerzende Rötungen, Schwellungen und Blasen sowie ein Jucken. Es fühlt sich an, als ob man mit Brennnesseln Kontakt gehabt hätte. Die Beschwerden klingen meist rasch wieder ab. Wenn möglich soll man bei Blickkontakt mit Quallen zurück ans Ufer schwimmen. 

Vorsicht: Bei empfindlichen Personen und nach wiederholtem Kontakt können auch heftige allergische Reaktionen mit Herz-Kreislauf-Störungen bis zum Kollaps auftreten.

Auch die Feuerkoralle und Seeanemone gehören zu den Nesseltieren. Die Koralle lebt an Riffhängen des Indopazifiks und in der Karibik. Kommt ein Taucher wiederholt mit den Tieren in Kontakt, kann es zu allergischen Reaktionen bis zum Kreislaufkollaps kommen. Vorbeugend sollen auch Schnorchler in diesen Gegenden Neoprenanzüge tragen. Die Ordnung der Seeanemonen kennt viele Arten. Wer einer Seeanemone im Mittelmeer oder Schwarzen Meer zu nahe kommt, muss - ausgelöst durch Nesselfäden - ebenfalls mit Rötung, Brennen, punktförmigen Blutungen, eventuell Blasen und starkem Juckreiz rechnen. Die Vernesselung ist nicht bedrohlich. 

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Gefährliche Arten

Gefährlichere Vernesselungen werden insbesondere aus Australien, dem Indischen Ozean, Südpazifik und Hawaii berichtet. Die Würfelqualle, die vor allem in Australien und Südostasien lebt, gilt als eines der giftigsten Tiere der Welt. „Wo sie häufig vorkommt, sind die Strände meist durch Netze gesichert. Auch werden Lycra-Schwimmanzüge, sogenannte ‚Stinger Suits‘, zum Baden in problematischen Gegenden empfohlen“, erklärt Prof. Haditsch. Der Kontakt mit den mehreren Meter langen Tentakeln der Würfelqualle kann lebensgefährlich sein. Es existiert ein Gegengift, das aber mit Vorsicht angewendet werden muss, da es zu einem allergischen Schock führen kann.

In Australien gibt es auch immer wieder schwere Verletzungen durch die nur erdnussgroße Carukia-barnesi Qualle (Irukandji), die durch die Quallennetze schlüpft und das Irukandji-Syndrom auslöst, was zu lokalem Schmerz, Blutdruckanstieg bis zum Lungenödem führen und lebensbedrohlich sein kann. Andere giftige Vertreter sind zum Beispiel die Kompassqualle (Pazifik, tropischer Atlantik) und die Portugiesische Galeere (tropische und subtropische Meere).

Erste Hilfe bei allen Vernesselungen:

  • Sofort aus dem Wasser, um der Gefahr des Ertrinkens vorzubeugen. Wenn nötig den Kreislauf stützen.
  • Die Wunde auf keinen Fall mit Süßwasser spülen, denn so werden die giftigen Nesselkapseln im anhaftenden Schleim aktiviert und platzen auf der Haut. Man kann die verbliebenen Nesselkapseln etwa mit Rasierschaum oder Essig, den man auf die Haut aufträgt, inaktivieren. Warten bis alles trocken ist und dann die Kruste etwa mit einer Plastikkarte abschaben und kühlen. Danach die Haut mit Essigkompressen und Eiswickel zur Schmerzlinderung kühlen und viel Wasser trinken. Eisbeutel nicht direkt auf die Haut geben, sondern Handtuch oder T-Shirt dazwischen legen. Lässt der Schmerz nach mehr als einer Stunde nicht nach, ein antiallergisches Medikament nehmen oder die Haut mit Brand- oder antihistaminhaltiger Salbe einreiben.
  • Treten Schwindel, Übelkeit oder Atemnot auf, sofort zum Arzt, um den Kreislauf zu stabilisieren.
  • Vorsicht: Auch tote, angespülte Tiere können noch Läsionen erzeugen.
  • Neueste Untersuchungen zeigen, dass die im Nesselgift enthaltenen Toxine hitzeempfindlich sind. Bei der Empfehlung, die vernesselte Extremität bis zu einer halben Stunde in maximal 42 Grad heißes Wasser zu tauchen, scheiden sich aber die Expertengeister. Auf jeden Fall kein heißeres Wasser verwenden, sonst drohen Verbrühungen.

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Vorbeugende Maßnahmen

  • Eventuell dünnen Neoprenanzug anziehen. Zusätzlich Schwimm- oder Taucherbrille tragen. T-Shirts oder lange Shorts sind kontraproduktiv, weil sich darin Quallen verhängen können.
  • Es gibt eine Kombination von Sonnenschutzmittel und einem Wirkstoff, der vor Quallenverbrennungen schützt. Das Kombinationspräparat muss auf die gesamte Haut aufgetragen werden, auch unter der Badehose oder dem Badeanzug.
  • Auch eine dicke Schicht Sonnencreme erschwert den Nesselzellen das Eindringen in die Haut.

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Augen auf, wo man hinsteigt

So mancher bringt auch eine schmerzliche Erinnerung und Stichverletzung durch Seeigel aus dem Mittelmeerurlaub mit nach Hause. In den wärmeren Meeren und Ozeanen leben etwa 950 Arten von Seeigeln, von denen die meisten für uns ungefährlich sind. Tritt man auf ein Tier, brechen die Stacheln ab und bleiben in der Haut stecken. Die Eintrittsstelle rötet sich, schwillt an und schmerzt. 

Eine der giftigen Arten ist der Diademseeigel aus dem Tropischen Indopazifik und Roten Meer. Er injiziert ein Gift, das zu schmerzhaften Entzündungen im Stichkanal führen kann. 

Erste Hilfe: Stacheln entfernen. Bleiben welche in der Wunde, können Infektionen auftreten, daher Wunde desinfizieren.

Vorbeugung: Badeschuhe tragen und nicht nachts schwimmen gehen, denn da kriechen Seeigel aus ihren Verstecken.

  

Mag. Christine Radmayr

Juli 2017


Bild: shutterstock 

‌ Zuletzt aktualisiert am 28. Juli 2017