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Frau gibt Kontaktlinse ins Aug

Kontaktlinsen: Gut sehen ohne Brille

Kontaktlinsen gibt es verschiedenen Ausführungen. Fachgerechte Anpassung, korrekte Handhabung und regelmäßige Kontrollen sind notwendig, um ein optimales und problemloses Tragen zu gewährleisten. 

Nahezu jeder Brillenträger ist auch für Kontaktlinsen geeignet. Ob man sich für Brille oder Kontaktlinse entscheidet, richtet sich nach den persönlichen Vorlieben und in manchen Fällen auch nach medizinischen Kriterien. Auch eine Kombination aus Brille und Kontaktlinsen ist möglich. Beide Sehbehelfe werden von vielen Menschen abwechselnd getragen. 

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Verschiedene Ausführungen 

Kontaktlinsen gibt es in verschiedenen Ausführungen. Man unterscheidet vor allem nach zwei Kriterien: Tragedauer und Festigkeit. Es gibt Tages-, Wochen-, Zweiwochen-, Monats- und Jahres-Kontaktlinsen. Viele dieser Linsen gibt es in einer weichen und einer harten (formstabilen) Ausführung.  

Für harte Linsen benötigt man eine gewisse Eingewöhnungszeit. Sie werden vor allem Vielträgern empfohlen, also Menschen, die sie den ganzen Tag über verwenden. Sie gewährleisten einen hohen Sauerstofftransport zum Auge, da harte Kontaktlinsen weniger Hornhautfläche bedecken als weiche Linsen. Sie haben eine lange Lebensdauer und sind daher im Vergleich zu weichen Kontaktlinsen kostengünstiger. 

Weiche Linsen werden bevorzugt, wenn man die Linsen nur fallweise benützt und diese abwechselnd mit der Brille trägt; sie werden vor allem beim Ausgehen oder beim Sport getragen. Der Vorteil: Man spürt sie fast nicht, es bedarf kaum einer Eingewöhnung. Jahreslinsen sind am besten auf das individuelle Auge anpassbar. „Je länger der Zeitraum, für den eine Linse gedacht ist, desto besser lassen sich die Linsen auf die individuellen Schwächen der konkreten Augen einstellen“, sagt Dr. Bernhard Wienerroither, Augenfacharzt in Linz. 

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Kontaktlinsen für Ältere 

Ab einem Alter von 40 bis 50 Jahren beginnen sich die Augen umzustellen und die sogenannte Altersweitsichtigkeit stellt sich ein. Das bedeutet, dass die Augen Nähe und Ferne nicht mehr gleichermaßen scharf sehen. Linsenträger haben drei verschiedene Möglichkeiten, darauf zu reagieren: 

  • Sie bleiben bei ihren normalen Linsen und nehmen für nahe Distanzen eine Lesebrille, um etwa eine Speisekarte zu lesen.
  • Sie steigen auf eine Bifokal-Linse um, die Nah- und Fernlinse in einem ist. Sie beinhaltet mehrere Sehzonen. Im oberen Teil der Linse wird das Sehen in die Ferne verbessert, im unteren Teil das Sehen in die Nähe. Dazwischen liegt eine Übergangszone. „Die Umgewöhnung geht meist rasch und ohne Probleme. Rund 20 Prozent sind aber mit den neuen Linsen nicht zufrieden und steigen wieder auf ihre herkömmlichen Linsen um. Bifokal-Linsen sind zwar gewöhnungsbedürftig, es kommen aber immer bessere Modelle auf den Markt, die immer besser angenommen werden“, sagt Dr. Wienerroither.
  • Monovision: Jeder Mensch hat ein dominantes und ein schwächeres Auge. Monovision bedeutet, dass man das Führungsauge auf die Fernsicht einstellt und das schwächere Auge auf Nahsicht und es zum Leseauge macht. Im Kopf vereinen sich die Bilder, ohne dass der Träger dieser Linsen etwas von diesem Vorgang bemerkt. Vor allem bei beginnender Altersweitsichtigkeit ist Monovision eine gute Lösung.  
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Kinder und Linsen 

Ab einem Alter von zirka zehn Jahren ist das Tragen von Linsen in der Regel problemlos möglich. Das Kind muss sich die Kontaktlinsen selbst einsetzen und herausnehmen können und es muss in der Lage sein, die Hygieneanforderungen zu erfüllen. In noch jüngerem Alter werden Linsen nur dann empfohlen, wenn die Fehlsichtigkeit sehr groß ist oder sie sich sehr rasch verschlechtert. 

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Sport mit Kontaktlinsen 

Man kann sowohl mit weichen als auch mit harten Linsen Sport ausüben. Lediglich beim Wassersport sollte man weiche Linsen tragen. Normales Schwimmen dagegen ist auch mit harten Linsen kein Problem. Da beim Wassersport die Gefahr besteht, die Linsen zu verlieren, sollte man Tageslinsen verwenden, da der finanzielle Verlust dabei am geringsten ist. 

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Häufige Fehler 

Um die Haltbarkeit der Kontaktlinsen zu garantieren und um die Augen vor gesundheitlichen Schaden zu bewahren, sollten folgende Fehler vermieden werden: 

  • Mangelnde Pflege. Vor allem die nötige Pflege von harten Kontaktlinsen wird häufig vernachlässigt, wodurch Ablagerungen auf der Linse entstehen.
  • Die von Augenfachärzten empfohlenen regelmäßigen Kontrollen werden vernachlässigt.
  • Linsen werden oft zu lange getragen. Zum Beispiel werden Tageslinsen oft mehrere Tage verwendet und nicht nach einem Tag entsorgt.
  • Linsen werden zum Schlafen nicht immer von den Augen genommen. „Man sollte Linsen aber nicht Tag und Nacht tragen, sondern den Augen auch Pausen gönnen, in denen Sauerstoff auf die Augen kommt und Tränenflüssigkeit die Augen benetzen kann“, sagt Dr. Wienerroither.

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Brille oder Kontaktlinse 

Vorteile von Linsen:

  • Linsen können verschieden starkes Sehvermögen von linkem und rechtem Auge besser ausgleichen als Brillen. Brillen schaffen nur einen Ausgleich bis zu einer Differenz von drei Dioptrien.
  • Bestimmte Sehfehler lassen sich mit Linsen besser beheben als mit Brille. Bei einer Hornhautkrümmung empfiehlt sich eine Linse, falls die Krümmung stark ausgeprägt ist.
  • Linsenträger haben ein größeres Gesichtsfeld, es drückt keine Brille auf der Nase und viele Menschen gefallen sich ohne Brille besser.
  • Beim Sport können die Brillen beim Schwitzen anlaufen, bei Linsen besteht diese Gefahr nicht. Linsen verrutschen auch nicht.
  • Es entstehen keine Vergrößerungs- oder Verkleinerungseffekte. Diese können bei Brillengläsern stark ausfallen, vor allem bei hohen Dioptriewerten.

 

Nachteile von Linsen:

  • Am Beginn können sie kratzen (vor allem harte Linsen).
  • Das Handling ist aufwändiger: das Einsetzen, das Herausnehmen, die Reinigung, die Aufbewahrung, die genaue Einhaltung der Hygieneempfehlungen. All das fällt bei einer Brille weg.

Kontaktlinsen eignen sich im Prinzip für jeden Menschen, außer für jene, die sich am Auge nicht berühren können und die Augen immer zusammenzwicken (müssen), sobald sie mit einem Finger in deren Nähe kommen. „So etwas kommt sehr selten vor, es betrifft vielleicht jeden Tausendsten“, sagt Dr. Wienerroither. 

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Beim Augenarzt beraten lassen 

Aus medizinischer Sicht macht es Sinn, sich vor der Anschaffung von Kontaktlinsen augenärztlich untersuchen und beraten zu lassen, welche Linsen individuell gut verträglich und passend sein dürften. Auch die Handhabung des Einsetzens und der Hygiene bekommt man beim Arzt erklärt. „Wenn man Linsen einfach im Internet kauft – und das passiert immer häufiger – geschieht all das nicht. Wenn man unpassende Linsen benützt und diese ohne jede Beratung verwendet, riskiert man Reizungen, Infektionen, Entzündungen und Geschwüre an den Augen. Auch Dauerschäden sind möglich und nicht selten. Es liegt in der Eigenverantwortung jedes Einzelnen, gut auf seine Augen aufzupassen und nicht irgendwelche Linsen ohne Beratung und Kontrolle zu verwenden“, warnt Dr. Wienerroither.

 

Dr. Thomas Hartl

Juli 2017


Foto: shutterstock


‌ Zuletzt aktualisiert am 10. Juli 2017