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Gabeln mit Gemüse

Darmkrebs – Lebensstil beeinflusst das Risiko

Wer gesund lebt, reduziert sein Risiko, im Laufe seines Lebens an Darmkrebs zu erkranken. Mit gesunder Ernährung, viel Bewegung, keinen Zigaretten, wenig Alkohol und geringem Körperfett kann man viel zur eigenen Vorsorge beisteuern. 

Neben der Genetik beeinflusst auch der individuelle Lebensstil das persönliche Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Ebenso beeinflusst der Lebensstil die Lebensqualität während einer Krebstherapie und nach überstandener Erkrankung hat er Einfluss auf das Risiko, ob der Krebs wiederkommt oder nicht (Rezidivrisiko). 

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Pflanzenbetonte Ernährung 

Die Ernährung hat zweifelsfrei Einfluss auf das Darmkrebsrisiko. Im Sinne eines gesunden Darms empfiehlt sich präventiv eine pflanzenbetonte und ballaststoffreiche Ernährungsweise. Dies fördert die Verdauung und beschleunigt den Abtransport schädlicher Stoffe aus dem Darm, die mit der Nahrung zugeführt wurden. 

Bestimmte Nahrungsmittel werden wegen ihrer reichhaltigen sekundären Pflanzenstoffe als krebshemmend eingestuft, vor allem Gemüse und Beeren, wie etwa Brokkoli, Kohl, Tomaten, Heidelbeeren und Himbeeren, aber auch Gewürze wie Kurkuma oder Grüner Tee dürften vorteilhaft wirken. 

„Eine pflanzenbetonte Ernährung ist nicht gleichzusetzen mit vegan oder vegetarisch. Es geht darum, vorwiegend pflanzenbetont zu essen und nicht ausschließlich. Ab und zu qualitativ hochwertiges Fleisch zu essen, schadet nicht. Vor allem, wenn man bereits krebskrank ist und sich in Therapie befindet, ist eine Mischkost zu empfehlen. Ein starker Gewichtsverlust sollte vermieden werden, denn das Leben und die Therapie benötigen Energie und diese müssen wir unserem Körper zuführen. Es ist wichtig wahrzunehmen, was dem Körper auch subjektiv guttut. Man sollte möglichst abwechslungsreich essen, damit steigt die Wahrscheinlichkeit, viel Gutes in den Magen zu bekommen und wenig Schlechtes“, sagt Dr. Tina Bräutigam, Ärztin für Allgemeinmedizin und Ernährungsmedizinerin in Linz. 

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Ernährungstipps 

Zucker reduzieren: Generell sollte man versuchen, seinen Zuckerkonsum zu reduzieren, da dieser bei den meisten Menschen in Österreich viel zu hoch ist. Im Sinne einer Prävention sollte man also wenig Süßigkeiten, Softdrinks, Backwaren und Weißmehlprodukte zu sich nehmen. Dr. Bräutigam: „Mit Genussmitteln wie Süßem sollte man genussvoll umgehen, dann schadet das auch nicht. Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift.“ 

Gute Qualität: Obst und Gemüse sollten generell eine gute Qualität besitzen und regional und saisonal eingekauft werden, das garantiert, dass sie reif sind und nicht frühzeitig geerntet wurden. Auch die Zubereitung der Speisen ist wichtig. Sie sollten generell fettarm zubereitet werden, also zum Beispiel nicht in Fett frittiert werden. Fastfood und Fertiggerichte sollten gemieden werden. 

Langsame Umstellung: Während einer Krebstherapie (Chemo, Strahlen) verträgt ein Patient wegen der Nebenwirkungen häufig bestimmte Nahrungsmittel nicht, die an und für sich gesund für ihn wären (zum Beispiel ballaststoffreiches Vollkorn). „Dieses muss man dann in deutlich reduzierter Menge, oder in der leichter verträglichen, geschroteten Form zu sich nehmen. Wurde vor der Erkrankung auf gesundes Essen kein Wert gelegt, sollte der Umstieg auf gesundes Essen Schritt für Schritt erfolgen und nicht schlagartig. Wer immer nur Weißmehl gegessen hat, kann nicht sofort hundert Prozent Vollkorn essen. Jeder auch noch so kleine Schritt in die richtige Richtung trägt zur Gesundheit bei“, sagt die Ernährungsmedizinerin.  

Nahrungsergänzungsmittel: Wer sich ausreichend, abwechslungsreich und qualitativ gut ernährt, braucht zur Krebsprävention keine Nahrungsergänzungsmittel. Lediglich wenn ein Mangel festgestellt wurde, sollte man mit einem Arzt darüber sprechen, ob eine Supplementierung mittels Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll ist. Während einer Krebstherapie sind manche Nahrungsergänzungsmittel häufig sogar kontraproduktiv und können den Erfolg der Therapie mindern. Man sollte in dieser Phase ohne ärztliche Absprache keine Mittel einnehmen. Nach einer Therapie kann Supplementierung aber durchaus Sinn machen, auch hier aber nur nach ärztlicher Absprache. 

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Bewegung 

„Regelmäßige Bewegung hat einen großen Einfluss auf die Prävention von Darmkrebs und wird auch in der Krebstherapie immer öfter gezielt gefördert“, sagt Dr. Bräutigam. Die WHO empfiehlt 150 Minuten pro Woche für gesunde Erwachsene. Grundsätzlich gilt dies auch für Krebspatienten. Allerdings ist die Belastbarkeit jedes einzelnen während einer Therapie völlig unterschiedlich und somit gilt: Jede noch so kleine Steigerung der Bewegung ist ein Schritt in die richtige Richtung. 

Bewegung unterstützt den Körper in seiner Arbeit. Sie kräftigt das Immunsystem, wodurch zum Beispiel schädliche Umwelteinflüsse, die auf die Krebsentstehung Einfluss haben, besser abgewehrt werden können. Auch werden antientzündliche Prozesse angestoßen. Zudem unterstützt regelmäßige Bewegung den Darm in seiner Arbeit und fördert die Ausscheidung, wodurch auch potentiell krebserregende Stoffe schnell ausgeschieden werden. Sportliche Menschen leben allgemein sehr gesund, sie rauchen kaum und ernähren sich gesund, all das ergibt in Summe ein reduziertes Krebsrisiko. Zudem hat Bewegung einen positiven Einfluss auf die Psyche. 

Während der Therapie haben Menschen, die bereits vorher körperlich aktiv waren, eine bessere Lebensqualität. Sie verkraften die Therapie meist viel besser als Menschen, die körperlich nicht fit sind. Auch in der Nachsorge ist Bewegung sehr wichtig, denn regelmäßige Bewegung senkt das Rückfallrisiko. 

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Alkohol und Zigaretten 

Rauchen erhöht das Krebsrisiko generell, auch das Darmkrebsrisiko.

Alkohol in Maßen ist kein Risikofaktor. Dr. Bräutigam: „Wenn man ab und zu ein Glas trinkt, um sich mit Freunden des Lebens zu erfreuen, dann ist das kein Problem, solange der Genuss und die Freude im Vordergrund stehen.“  

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Stress 

Dauerstress schwächt das Immunsystem und ist ein Risikofaktor für die Gesundheit an sich. Dr. Bräutigam: „Auch im Sinne einer Krebsprävention sollte man sich einen entspannten Lebensstil aneignen.“ 

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Körperfett und Übergewicht 

Ernährung, Sport, Alkohol und Stress beeinflussen das Körpergewicht. Das Gewicht an sich hat auch gesundheitliche Bedeutung, denn deutliches Übergewicht ist ein risikoerhöhender Faktor. Allerdings ist der Body Body-Mass-Index (BMI) wenig aussagekräftig, denn es kommt vor allem auf den Fettanteil im Körper an. Wenn nun jemand sehr viele Muskeln hat und körperlich fit ist, hat er zwar einen hohen BMI, dies muss aber nicht bedeuten, dass er deshalb ein erhöhtes Krebsrisiko hat. Wer dagegen schlank ist, aber fast keine Muskeln hat und stattdessen einen hohen Körperfettanteil und viel Bauchfett (viszerales Fett) aufweist, erhöht sein Risiko für verschiedene Erkrankungen. 

Als Vorsorge ist ein geringer Körperfettanteil empfehlenswert, man sollte als gesunder Mensch daher überflüssiges Fett durch eine Lebensstiländerung abbauen. Ist eine Krebserkrankung allerdings bereits eingetreten, dann ist Gewichtsreduktion kein Ziel, da dadurch zuerst die Muskeln abgebaut werden und viele Patienten während der Therapie ohnehin oft massiv Gewicht verlieren. „Während einer Therapie sollte man versuchen, durch eiweißreiche Ernährung und Bewegung die Muskelmasse und damit die Lebensqualität zu erhalten“, sagt Dr. Bräutigam.

 

Dr. Thomas Hartl

Juli 2017


Bild: shutterstock



‌ Zuletzt aktualisiert am 07. Juli 2017