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Mann wird der Bauchumfang mit einem Maßband gemessen

Magenbypass – Chirurgie gegen starkes Übergewicht

Ein Magenbypass ist für stark Übergewichtige eine Chance, die überflüssigen Kilos loszuwerden und schwere Folgeerkrankungen zu vermeiden. Der Magen wird bei der Operation verkleinert, zudem wird der Weg über den Dünndarm verkürzt. Patienten müssen vor einer OP gut über die Konsequenzen eines solchen Eingriffs aufgeklärt werden, denn er greift erheblich in die Lebensführung ein.

Starkes Übergewicht stellt ein großes Gesundheitsrisiko dar. Diabetes, Bluthochdruck, Herz-, Kreislauferkrankungen, bestimmte Krebsarten und viele weitere Erkrankungen sind mögliche Folgen. Von der WHO wurde Adipositas ab einem Body Mass Index von 35 als Krankheit eingestuft.

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Adipositas-Chirurgie

Lässt sich erhebliches Übergewicht durch eine gesunde Lebensführung nicht beseitigen, kann ein chirurgischer Eingriff möglicherweise Abhilfe schaffen. Es gibt mehrere Operationsmöglichkeiten, sie lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Solche, die die Nahrungsaufnahme einschränken und solche, die die Resorption (Verwertung der Nahrung) vermindern. Eine Kombination beider Verfahren stellt der Magenbypass dar. „Die Nachfrage nach dieser Operation ist groß, wir führen über hundert Eingriffe pro Jahr durch, die Wartezeit beträgt zirka ein dreiviertel Jahr“, sagt Prim. Univ.-Doz. Dr. Andreas Shamiyeh, Vorstand der Klinik für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie des Kepler Universitätsklinikum Med Campus III.

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Wirkungsmechanismus

Bei dieser Operation wird der Magen chirurgisch auf Tennisballgröße reduziert. Dadurch wird die mögliche Nahrungszufuhr wesentlich eingeschränkt. Durch den verkleinerten Magen wird man schneller satt. Zusätzlich wird die Resorption (die Verwertung der Nahrung) eingeschränkt, indem die Hälfte der Wegstrecke, die die Nahrung durch den Darm üblicherweise nimmt, verkürzt wird. Das Essen fließt also nur mehr durch den halben Dünndarm, an der anderen Hälfte wird es vorbeigeleitet.

Die Folgen dieser Veränderungen: Der Patient kann nur mehr kleine Portionen essen und die Nährstoffe werden vom Körper nur mehr zum Teil aufgenommen. „Durch den chirurgischen Eingriff fällt die linke Magenhälfte weg, wo das sogenannte Hungerhormon Ghrelin produziert werden dürfte“, sagt Primar Shamiyeh.

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Gesundheitlicher Nutzen

Was die wenigsten wissen und doch äußerst wichtig ist: Ein Magenbypass bringt einen enormen gesundheitlichen Benefit. Primar Shamiyeh: „Denn durch die OP fällt eine bestehende Zuckerkrankheit weg, der Diabetes Typ 2 löst sich auf. Damit beugt man mit dieser Operation auch den gravierenden Folgeerkrankungen von Diabetes vor.“

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Voraussetzungen einer OP

Damit eine Magenbypass-Operation überhaupt durchgeführt wird und damit die Krankenkassen die Kosten übernehmen, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Diese sind von Bundesland zu Bundesland im Detail verschieden, im Grundsatz geht es um folgende Punkte:

  • Das Übergewicht muss erheblich sein. Voraussetzung ist ein Body-Mass-Index über 40 oder ein BMI von 35, falls schwerwiegende Begleiterkrankungen bestehen.
  • Mehrere Versuche, auf üblichem Weg mittels gesunder Ernährung und Bewegung abzunehmen, müssen bereits fehlgeschlagen sein.
  • Es muss eine psychologische Beratung/Betreuung erfolgt sein
  • Rauchfrei: Raucher werden nicht operiert, da bei ihnen häufiger Komplikationen zu erwarten sind als bei Nichtrauchern. Raucher müssen zuvor also erst rauchfrei werden.

Ein Patient muss zudem bereit und fähig sein, seinen Lebensstil langfristig zu verbessern. „Nur, wenn wir davon überzeugt sind, dass ein Patient aktiv an einer Verbesserung seiner Lebensführung mitwirken wird, sind wir zu einer Operation bereit. Denn ohne die richtige Einstellung kann auch die beste Operation nichts bewirken. Denn die positive Wirkung eines Eingriffs kann ein unvernünftiger Patient umgehen, wenn er sich etwa mit einem Liter Vanilleeis vor den Fernseher sitzt und das Eis flüssig in sich hineinlöffelt. Der Patient muss also die Reife besitzen, dass er sich vernünftig verhält und sich nicht selbst weiterhin schädigt“, sagt Primar Shamiyeh.

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Interdisziplinäre Betreuung

Ein Patient wird bereits vor der Operation interdisziplinär beraten und betreut. Ein solches Team setzt sich zusammen aus Ärzten aus dem Bereich Diabetologie, Psychologie, Physiotherapie und Chirurgie. Vor einer Operation wird der Patient untersucht und eine Magenspiegelung durchgeführt.

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Ergebnisse

„Eine Magenbypass-Operation ist in der Regel sehr erfolgreich, falls der Patient auch seinen Teil dazu beiträgt und sich an die Vorgaben hält. Nach der OP nehmen Patienten binnen zwei Jahren bis zu 60 Prozent vom Übergewicht ab (Beispiel: wenn das Normalgewicht 60 Kilogramm ist und ein Patient 120 Kilogramm wiegt, kann man mit einem Gewichtsverlust von rund 35 bis 40 Kilogramm rechnen.). Danach geht das Gewicht nur mehr leicht zurück und pendelt sich etwas über dem Normalgewicht ein“, so Primar Shamiyeh.

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Risiken

Die Operationen werden über eine Bauchspiegelung durchgeführt, es werden nur kleine Schnitte gesetzt. „Die Patienten vertragen das in der Regel sehr gut, es gibt weniger postoperative Schmerzen, das Risiko einer Wundinfektion ist gering und die Narben sind klein. Komplikationen kommen extrem selten vor. Ein einziges Mal ist eine Naht gerissen, ansonsten gab es bei hunderten Operationen keine Probleme“, sagt der erfahrene Chirurg.

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Nachsorge und Folgen einer OP

Eine optimale Nachbetreuung ist wichtig und sichert den Erfolg einer gelungenen Operation. Am Tag nach der Operation wird mittels Kontrastmittel und Röntgen die Dichtheit aller Nähte geprüft. In den folgenden Tagen bleibt der Patient in der Klinik, wo sich das betreuende Ärzteteam weiterhin um ihn kümmert und ihn vor allem diätisch berät.

Eine Bypass-Operation zieht langfristige Folgen nach sich:

Geringe Nahrungsaufnahme: Die OP verändert das Essverhalten ein Leben lang, da der Patient ab sofort nur mehr kleine Mengen an Nahrung aufnehmen kann.

Vitamine einnehmen: Vitamin B 12 muss ein Leben lang subsituiert werden. Im Moment erfolgt dies durch eine vierteljährliche „Vitaminspritze“, künftig soll es aber auch ein Präparat zum Schlucken geben. Ebenso muss ein Eisen- und ein Multivitaminpräparat lebenslang eingenommen werden. Alle diese Präparate sind von den Patienten selbst zu bezahlen.

Verhütung und Schwangerschaft: Patientinnen sollten eineinhalb bis zwei Jahre nach der OP nicht schwanger werden, damit keine Komplikationen eintreten. Die Verhütung wird zudem schwieriger, da die Antibabypille nach einer Magenbypass-OP nicht mehr verlässlich wirkt.

Überschüssige Haut: Nimmt ein Mensch drastisch ab, so bleibt überschüssige Haut bestehen. Das bedeutet ein ästhetisches Problem und in manchen Fällen auch ein medizinisches. „Man kann das am ehesten vermeiden oder zumindest mindern, wenn man nicht zu schnell abnimmt. Daher ist es wichtig, dass der Patient nach der OP angeleitet wird, wie er sich ernähren soll, damit er nur langsam abnimmt und damit er seine Muskelmasse möglichst erhalten kann“, sagt Primar Shamiyeh. Jeder Patient muss sich bei der Überlegung, ob eine solche Operation für ihn infrage kommt, klar sein, dass weitere Folgeeingriffe nötig werden können, in denen die überschüssige Haut entfernt wird. Erfolgt diese, übernehmen die Krankenkassen die Kosten einer solchen Folgeoperation nur bei medizinischer Notwendigkeit.

 

Dr. Thomas Hartl

Juli 2017


Foto: shutterstock


‌ Zuletzt aktualisiert am 05. Juli 2017