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Eltern mit kindern am Strand bei Sonnenuntergang

Urlaub mit Kindern – den Stress zuhause lassen

Damit der Sommerurlaub samt Kind und Kegel möglichst konfliktfrei und entspannt ablaufen kann, lohnt es sich, sich schon im Vorhinein ein paar Gedanken zu machen: Wo soll es hingehen? Was tun vor Ort? Wie die Autofahrt stressfrei überstehen?

Um die familiären Bande zu stärken und als Familie wenigstens einmal im Jahr etwas gemeinsam zu unternehmen, entscheiden sich die meisten Familien für eine Urlaubsreise im Sommer. Damit so ein Urlaub mit Kind(ern) nicht von Stress und Ärger dominiert wird, sollte man sich im Vorhinein Gedanken über Urlaubsziel und Ablauf machen und die Interessen auch der Kinder berücksichtigen. „Nur, wenn die Kinder glücklich sind, können auch die Eltern einen entspannenden Urlaub genießen“, sagt Claudia Kaltenböck, diplomierte psychosoziale Beraterin.

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Realistische Erwartungen

Einer der Hauptstressoren ist die eigene Vorstellung und die Überzeugung, wie ein idealer Urlaub aussehen soll. „Diese Vorstellung ist häufig von außen beeinflusst. Wir sehen in der Werbung, wie toll ein Urlaub angeblich sein kann und hören Schilderungen von Verwandten, Freunden und Kollegen, was sie alles erlebt haben. Wollen wir das genauso haben, tappen wir in die Falle, da Werbung und Erzählungen kaum der Wahrheit entsprechen und wir zudem unsere Wünsche an fremde Vorgaben anpassen. Man sollte sich also keinen Traumurlaub ausmalen, sondern realistisch bleiben“, rät Kaltenböck.

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Planung und Spontaneität

Sinnvoll ist es, in den Wochen vor der Reise Vorschläge zu sammeln, was man unternehmen will und ein wenig zu recherchieren, was man vor Ort unternehmen kann. Kaltenböck: „Man sollte aber kein starres Programm festlegen, das man dann unbedingt abspulen muss, sondern Abwechslung und Spontaneität zulassen und sich vor Ort inspirieren lassen. Zuerst einmal in Ruhe ankommen und sich in den ersten Tagen umschauen, was der Familie gefallen könnte. Flexibilität statt Pflichterfüllung ist sehr wichtig, denn davon hat man im Alltag ohnehin genug.“ Man kann sich etwa vor Ort beim Frühstück zusammensetzen, und sehen, wie es der Familie geht, worauf Lust besteht, welche Bedürfnisse bestehen und dann das tun, was sich gut anfühlt.

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Mentale Einstellung

Um einen Urlaub entspannt zu erleben, ist es hilfreich, sich auch mental in den Urlaubsmodus zu versetzen. Soll heißen: Schluss mit Sollen und Müssen, sondern:

  • Keine großen Erwartungen hegen.
  • Keine Vorgaben an sich selbst machen, wie: Ich muss dies und jenes erleben, ich muss mich erholen.
  • Unerwartete Ereignisse entspannt hinnehmen.
  • Urlaub nicht im Vorhinein als Belastung sehen.
  • Sich weigern, sich über Kleinigkeiten zu ärgern.
  • Spontan sein: „Die schönsten Urlaubserlebnisse ergeben sich meist aus spontanen Aktionen, die aus dem Gefühl herausgemacht werden, ohne dass man sich lange darauf vorbereitet hätte“, sagt Kaltenböck.

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An- und Abreise

Die Reise an sich, also die An- und Abfahrt mit Kindern ist natürlich eine Herausforderung, aber man kann viel dafür tun, dass sie friedlich und entspannt abläuft. Man sollte sich rechtzeitig vor der Reise erinnern, was bei solchen Reisen in den vergangenen Jahren Stress verursacht hat. War es die Zeitknappheit, das Packen, das Quengeln des Kindes im Auto? „Eine Reise kann auch ohne Stress ablaufen, aber nur, wenn man sie gut plant und nicht die alten Fehler jedes Jahr wiederholt“, sagt Kaltenböck.

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Tipps der psychosozialen Beraterin

Damit die Fahrt nicht langweilig wird, kann man Musik hören. Ideal ist es, wenn man sich vorher eine Urlaubsmusik zusammenstellt und diese nun gemeinsam hört und auch mitsingt. Um dem Fahrer auch Ruhe zu gönnen, empfiehlt sich für alle mitfahrenden Kindern elektronische Geräte (um Musik oder Hörbücher zu hören, Spiele zu spielen) samt Kopfhörer mitzunehmen. Je nach Alter der Kinder kann man auch Spiele vorbereiten. Ein Beispiel: Wie viele gelbe Autos oder wie viele Sportwägen, Limousinen, Kirchtürme, Burgen etc. sehen wir?

Für die Fahrt mit dem Auto sollte man viel Zeit einplanen, um nicht so schnell wie möglich von A nach B zu rasen. Fährt man zum Beispiel mit dem Auto nach Italien, kann man spontan auch mal von der Autobahn abfahren, wenn man einen schönen Fluss sieht, um dort eine Pause einzulegen. Es geht darum, die Fahrt auch zu genießen und als Teil des Urlaubs zu sehen und nicht nur als notwendiges Übel, um möglichst schnell an ein Ziel zu gelangen. Man sollte sich also vorher überlegen, wie man die Reise selbst genießen kann und diese als Teil des Urlaubs verstehen.

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Kinder mitbestimmen lassen

Urlaubsziele sollten, falls die Kinder bereits ein gewisses Alter erreicht haben, gemeinsam gewählt werden. Zu beachten gilt:

  • Die Urlaubsvorstellungen von Kindern ändern sich mit der Zeit. Kinder werden in der Wahl des Urlaubsziels zudem von Freunden beeinflusst. Daher kann in diesem Jahr als langweilig angesehen werden, was noch im letzten Jahr interessant war.
  • Städtereisen und lange Wanderungen sind für Kinder meist langweilig. Städte werden oft als einengend empfunden. Kinder brauchen Platz zum Spielen, den finden sie an einem See, am Meer, in den Bergen oder in einem Club mit Animation.
  • Am Urlaubsort sollten auch andere Kinder anwesend sein, vor allem, wenn man nur mit einem Kind auf Urlaub fährt. Größere Kinder sollten auch Raum für sich haben, also nicht rund um die Uhr bei den Eltern sein müssen.

Je älter Kinder werden, desto mehr kann man mit ihnen gemeinsam planen. „Grundsätzlich sollte man Kinder mitbestimmen lassen. Kann man sich auf kein gemeinsames Ziel einigen, müssen freilich die Eltern die Entscheidung treffen, wo es hingehen soll. Die Gründe für die Entscheidung sollte man den Kindern erklären, um Missverständnisse und Ärger zu minimieren“, sagt Kaltenböck.

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Urlaubssplitting

Können sich alle Familienmitglieder auf ein Ziel einigen, wäre das ideal. In der Realität jedoch ist das Urlaubsziel oft ein Kompromiss verschiedener Vorlieben. Liegen die Interessen in der Familie derart weit auseinander, dass kein gemeinsames Urlaubsziel gefunden werden kann, mit dem jeder zufrieden ist, kann man auch an ein Familiensplitting denken. Dann fährt zum Beispiel der Vater mit dem Sohn tauchen und die Mutter mit der Tochter in die Berge.

Falls der Urlaub gesplittet wird, könnten die Eltern zusätzlich einen Urlaub nur für sich nehmen, damit die Zeit, die man als Paar verbringt, nicht zu kurz kommt. Man könnte dafür etwa die Zeit nützen, wenn die Kinder in einem Ferienlager sind oder bei den Großeltern Urlaub machen.

Alleinerzieher mit einem Kind könnten mit einem befreundeten Alleinerzieher, der ebenfalls ein Kind hat, gemeinsam auf Urlaub fahren.

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Urlaubsreise ist kein Muss

Viele Familien haben nicht die finanziellen Mittel, um jedes Jahr im Sommer eine Reise zu buchen. Ist das Geld knapp und würde eine Reise eine finanzielle Belastung darstellen, die man nur schwer stemmen kann, dann sollte man besser auf diese Reise verzichten. „Mit dem letzten Ersparten auf Reisen zu gehen und im Urlaubsland sparen zu müssen, sollte man sich ersparen, weil das bedeutet jede Menge Stress und keine Erholung. Man kann auch zuhause Urlaub machen, zumal auch Tagesausflüge im eigenen Land sehr schön sein können und weniger Stress bedeuten“, sagt Kaltenböck.

 

Dr. Thomas Hartl

Juli 2017

 

Bild: shutterstock

‌ Zuletzt aktualisiert am 03. Juli 2017