DRUCKEN
Mann reibt sich mit beiden Händen die Augen

Blinzeln hilft

Die Augen röten sich, jucken, und ein Gefühl stellt sich ein, als würde ein Sandkorn auf der Oberfläche reiben: Es ist das trockene Auge, auch Sicca-Syndrom genannt. Schon jeder fünfte Patient kommt deswegen zum Augenarzt. Ein Hauptgrund dafür sind zu viele Stunden vor dem Bildschirm.

Mit jedem Lidschlag wird das Auge normalerweise alle fünf bis zehn Sekunden mit Tränen-flüssigkeit benetzt. Nur sechs bis zehn tausendstel Millimeter dick ist der Film, der aus Drüsen rund um die Augenöffnung gespeist wird. Was ein wenig nach Salzwasser schmeckt, ist so kompliziert aufgebaut, dass es bisher noch nicht gelungen ist, es im Labor künstlich herzustellen. Neben Salz, Zucker, Spurenelementen, Triglyzeriden, verschiedenen Fett-säuren sowie Lipiden konnten in der Tränenflüssigkeit fast 500 Eiweißstoffe nachgewiesen werden.

Bevor sie die Augenoberfläche durch die sogenannten Tränenpünktchen und die Tränenkanäle in Richtung Nasenhöhle wieder verlässt, hat die Tränenflüssigkeit wichtige Aufgaben zu erfüllen. In erster Linie müssen Horn- und Bindehaut feucht gehalten und dafür gesorgt werden, dass sich das Augenlid bewegen kann. Dabei wird die äußere Schicht der Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, zur besseren Sicht werden ihre Unebenheiten ausgeglichen. Eine wichtige Aufgabe ist die Abwehr von Krankheitskeimen und das Ausschwemmen von kleinen Fremdkörpern wie Staub oder Pollen.

Wenn nicht genug Tränenflüssigkeit hergestellt wird, die chemische Zusammensetzung nicht ganz stimmt oder widrige Umwelteinflüsse ihre ordentliche Funktion stören, ist nicht mehr das ganze Auge gleichmäßig mit dem Film überzogen. Es kommt zum trockenen Auge oder Sicca-Syndrom. Dafür kann es viele verschiedene Ursachen geben. So lässt die Produktivität der Tränen-drüsen im Alter generell nach. Auch hormonelle Umstellungen – etwa bei Frauen im Wechsel – können zu einem trockenen Auge führen. Und eine Reihe von anderen Krankheiten – zum Beispiel Diabetes mellitus oder Polyarthritis – können das Sicca-Syndrom zur Folge haben. Manche Medikamente – etwa gewisse Hormonpräparate, Betablocker, Neuroleptika oder Schlafmittel – können als Nebenwirkung ebenfalls den Tränenfluss verringern. Auch Träger von Kontaktlinsen sind gefährdet.

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Office-Eye-Syndrom

Immer häufiger führen allerdings die modernen Lebensumstände zum Problem mit der Augen-Trockenheit. Der konzentrierte Blick auf den Bildschirm – ob im Büro oder daheim neben der Spielekonsole – senkt die natürliche Frequenz des Lidschlags auf teilweise nur noch drei- bis viermal pro Minute. Die Folge: Das Auge bekommt zu wenig Feuchtigkeit. Die durch Klimaanlagen zu trockene Luft verstärkt den Effekt, der in englischsprachigen Ländern längst einen Namen hat: Office-Eye-Syndrom.

Wer immer wieder Beschwerden – etwa juckende Augen oder verklebte Augenlider – hat, sollte unbedingt zum Augenarzt. Felix Buder, Leiter der Augenabteilung am LKH Steyr: „Bekommt das Auge immer wieder zu wenig Flüssigkeit, werden Horn- und Bindehaut anfällig für Verletzungen. Weil die natürliche Abwehr geschwächt ist, droht beispielsweise eine Bindehautentzündung.“ Unbehandelt kann das Sicca-Syndrom zu einer Hornhautentzündung, zur Trübung der Hornhaut und im Extremfall sogar zum Erblinden führen.

Falls die Ursache des Sicca-Syndroms nicht gefunden oder abgestellt werden kann, bieten sich als Therapie eine Reihe von Tränenersatzmitteln an. Meist ist es empfehlenswert, einige der Mittel auszuprobieren, bis man eines gefunden hat, das man als angenehm empfindet.

In vielen Fällen lässt sich das trockene Auge aber mit einfachen Maßnahmen verhindern. Augen-Spezialist Felix Buder: „Wer viel vor dem Bildschirm sitzt, sollte ganz bewusst regelmäßig blinzeln.“ Regelmäßige Bildschirmpausen – wenn möglich an der frischen Luft oder bei geöffnetem Fenster – helfen dem Auge genauso wie eine erhöhte Luftfeuchtigkeit.

 

Heinz Macher

Juli 2017


Bild: shutterstock

‌ Zuletzt aktualisiert am 07. August 2017