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Frau untersucht Oberbauch bei Mann in Anwesenheit eines Arztes

Gut therapierbar

Starke Schmerzen im Oberbauch können mehrere Ursachen haben. Eine Möglichkeit ist ein Zwölffingerdarmgeschwür, das meist gutartig und gut therapierbar ist.

Der Zwölffingerdarm – mit der Fachbezeichnung Duodenum – ist der an den Magenausgang anschließende erste Abschnitt des Dünndarms und hat ungefähr die Länge von zwölf Querfingern. Seine Aufgabe ist es, den durch den Magen angesäuerten Speisebrei zu neutralisieren und bereits einen Teil der Nährstoffe aufzunehmen. Verschiedene Einflüsse können seine Schleimhaut verletzen und zu Entzündungen bis hin zu Geschwüren führen. Bei fortgeschrittenem Verlauf können Blutungen auftreten.

Ist das Geschwür kleiner, merkt man es manchmal nicht, und in vielen Fällen heilt es von selbst wieder ab. Bei deutlichen und wiederkehrenden Schmerzen rechts unter der Rippe sollte man aber den Arzt aufsuchen, empfiehlt Univ.- Prof. Dr. Markus Peck-Radosavljevic, Leiter der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Endokrinologie und Nephrologie am Klinikum Klagenfurt.

Die häufigste Ursache für ein Geschwür am Duodenum ist die fortwährende Einnahme von bestimmten Schmerzmitteln, den sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika. Da durch diese Medikamente aber auch der Schmerz unterdrückt wird, merken diese Patienten ein Zwölffingerdarmgeschwür oft erst sehr spät. Blutverdünnungsmittel, vor allem in Kombination mit der regelmäßigen Einnahme von Aspirin oder Medikamenten mit dem gleichen Wirkstoff über einen längeren Zeitraum, können ebenfalls Probleme mit dem Duodenum verursachen.

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Etwas Geduld

„In solch einem Fall sollte man auf ein anderes Medikament umstellen“, erklärt Prof. Peck-Radosavljevic. Der Arzt wisse, welche Arzneien in diesem Zusammenhang besser verträglich seien. Peck-Radosavljevic: „Da können im Einzelfall vielleicht etwas Geduld und mehrere Versuche notwendig sein.“

Die zweite wichtige Ursache für ein Zwölffingerdarmgeschwür sind Bakterien. In den 1980er Jahren wurde der Helicobacter Pylori von den australischen Forschern Barry Marshall und Robin Warren als Übeltäter entdeckt. Sie erhielten dafür 2005 den Nobelpreis für Medizin. Ist das Bakterium der Grund für die Erkrankung, wird sie mit Antibiotika behandelt. Die Heilungsrate ist sehr hoch und liegt bei rund 90 Prozent. In den seltenen Fällen, in denen der Helicobacter Pylori auch nach der Behandlung noch vorhanden ist, wird die Therapie wiederholt. Sei man einmal davon geheilt, kehre das Bakterium kaum wieder. (Eine zweite Infektion sei sehr unwahrscheinlich, meint der Arzt.) Auch sei die Infektionsrate geografisch sehr unterschiedlich. Sie würde bei einer routinemäßigen Untersuchung einer Patientengruppe in Europa zehn Prozent, in Zentralasien hingegen 90 Prozent betragen.

Der Lebenswandel kann ebenfalls Einfluss auf Entstehung und Verlauf eines Zwölffingerdarmgeschwürs haben. „Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum erhöhen das Risiko“, meint Prof. Peck-Radosavljevic. Die beste Möglichkeit, ein Duodenalgeschwür zu diagnostizieren, ist eine Magenspiegelung. Professor Peck-Radosavljevic: „Nur so kann man gleichzeitig und verlässlich den Helicobacter nachweisen, eine Biopsie durchführen und eventuell blutende Geschwüre gleich behandeln.“

 

Monika Unegg

Oktober 2017


Bilder: shutterstock; privat


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Kommentar

 

Gut_therapierbar_Kommentarbild_Peck_150x150.png „Die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln ist heute bei uns die Häufigste Ursache für ein Zwölffingerdarmgeschwür.“

Univ.-Prof. Dr. Markus Peck-Radosavljevic

Leiter der Abteilung für Gastroenterologie, Klinikum Klagenfurt

‌ Zuletzt aktualisiert am 27. Oktober 2017