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Handwerker auf der Leiter

14.200 verletzte Heimwerker jährlich

Über 80 Prozent der Österreicher führen – zumindest hin und wieder – zu Hause handwerkliche Tätigkeiten aus. Dabei verletzten sich im Vorjahr rund 14.200 Personen, berichtet das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV). 

Jeder zweite Österreicher sieht sich selbst einer aktuellen KFV-Erhebung zufolge als Heimwerk-Naturtalent. Dennoch geben zwei von drei Befragten an, sich bereits einmal im Zuge von Heimwerk-Arbeiten verletzt zu haben. Knapp neun Prozent davon mussten demnach ambulant, etwas mehr als ein Prozent sogar stationär im Krankenhaus behandelt werden. „Der überwiegende Teil der Heimwerkerunfälle ist auf Unachtsamkeit, Fehleinschätzung oder Überforderung zurückzuführen“, so KFV-Experte DI Christian Kräutler. „Wer merkt, dass er müde oder unaufmerksam wird, sollte unbedingt auf seinen Körper hören und eine Pause machen.“ 

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Finger und Hände  

Ein falscher Schlag mit dem Hammer oder ein falscher Handgriff: Finger und Hände sind beim Heimwerken besonders gefährdet. 52 Prozent der Österreicher gaben in einer Befragung des KFV an, sich bereits einmal mit dem Hammer auf den Daumen geschlagen zu haben. Und auch die KFV-Unfalldaten zeigen: Die Hälfte aller Verletzungen, die im Vorjahr beim Heimwerken entstanden sind, betrafen Finger oder Hände. Die häufigsten Verletzungsarten sind offene Wunden, Knochenbrüche, Sehnen- und Muskelverletzungen sowie Prellungen. Aber auch Amputationen sind immer wieder notwendig. 

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Von der Leiter bis zur Motorsäge 

Der häufigste Unfallauslöser ist laut KFV die Leiter. „Nach wie vor passieren viel zu viele Leiterstürze – und das, obwohl diese so leicht vermeidbar wären. Wir können hier nicht oft genug dazu mahnen, vor Beginn der Arbeiten die Standfestigkeit der Leiter zu kontrollieren und die Leiter nur mit festem Schuhwerk zu verwenden“, empfiehlt Kräutler. 

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Geschicklichkeit schützt nicht  

Sowohl Männer als auch Frauen sind sich einig: Männer sind die besseren Heimwerker. Neun von zehn Befragten vertreten diese Ansicht. Begründet wird dies vor allem mit der größeren Kraft von Männern. Aber auch höheres Interesse, bessere technische Fähigkeiten und die Annahme, dass sich Männer eher bereits als Kinder mit dem Thema Heimwerken beschäftigen, wurden als Begründung für die höhere Einschätzung der handwerklichen Geschicklichkeit von Männern genannt. Aber auch für alle männlichen Heimwerker-Talente gilt: Geschicklichkeit allein schützt nicht vor Unfällen. Eigenverantwortung und Risikobewusstsein müssen immer an erster Stelle stehen – hier besteht durchaus noch Handlungsbedarf: Nur zwei Drittel der Befragten geben an, bewusst auf Sicherheit beim Heimwerken zu achten. Jeder Zwanzigste gibt sogar zu, sich überhaupt keine Gedanken um die Sicherheit zu machen.

Mit sich zufrieden sind die österreichischen Heimwerker im Übrigen nicht immer: Knapp 90 Prozent der Heimwerker hatten schon einmal den Eindruck, dass nach der Fertigstellung nicht alles so geworden ist, wie geplant. Vier von zehn Heimwerker entschieden sich dann auch dazu, nichts mehr zu ändern – ganz nach dem Motto „egal – ich lass‘ das jetzt so“. 

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KFV-Sicherheitstipps fürs Heimwerken:

Hobbyhandwerker sollten sich an Handwerks-Profis orientieren und sich von Profis beraten lassen.  

Sich nicht überfordern – bei anstrengenden Arbeiten öfter Pausen machen. Unbequeme Arbeitspositionen vermeiden.

Immer auf angemessenen Arbeitsschutz achten.

Schutzbrille, Atemschutz, Gehörschutz, Schutzhandschuhe tragen.

Bestehende Schutzeinrichtungen bei Geräten niemals abmontieren.

Nie unter Zeitdruck arbeiten.

Auf qualitativ hochwertiges Werkzeug achten.

Ringe und anderen Schmuck ablegen, lange Haare zusammenbinden.

Keine weite Kleidung tragen.

 

Das Rote Kreuz empfiehlt folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen bei den oben angeführten häufigsten Verletzungen, die beim Heimwerken passieren: 

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Starke Blutungen

Einen ausreichend starken, manuellen Druck auf die Blutung ausüben, damit diese zum Stillstand kommt. An Armen und Beinen kann der manuelle Druck durch einen Druckverband ersetzt werden. Führen Sie danach weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen (Lagerung, Frischluftzufuhr, Wärme, Psychische Betreuung) durch. 

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Abgetrennte Körperteile

Abgetrennte Körperteile sind prinzipiell wie jede andere Wunde zu behandeln. Nach der keimfreien Wundversorgung des abgetrennten Körperteils wird dieser in eine Rettungsdecke gewickelt oder in einen Plastiksack gegeben. Den abgetrennten Körperteil vor Hitze, Kälte und Nässe schützen und dem Rettungsdienst übergeben. 

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Schnittwunden

Bedecken Sie die Wunde mit einer keimfreien Wundauflage und fixieren Sie diese mit einem Verband. Führen Sie Basismaßnahmen (Lagerung, Frischluftzufuhr, Wärme, Psychische Betreuung) durch. 

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Fremdkörper in Wunden

Verwenden Sie keimfreie Wundauflagen und Mullbinden, um den Fremdkörper zu fixieren.

Fixieren Sie die Wundauflagen und Mullbinden.

Führen Sie Basismaßnahmen durch.

Lassen Sie die Wunde von einem Arzt untersuchen.

 

Cornelia Schobesberger/KFV

Juni 2017


Bild: shutterstock



‌ Zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2017