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Mann sitzt auf der Toilette

Die Unangenehmen

Wer umgangssprachlich unter Hämorrhoiden leidet, den quält in Wirklichkeit ihre Vergrößerung. Denn Hämorrhoiden – also Gefäßpolster im Schließmuskelorgan – hat jeder Mensch. Schmerzhafte Probleme bereiten sie dann, wenn sie anschwellen. 

Hämorrhoiden sorgen im Enddarmbereich für die Feinabdichtung des Mastdarms gegen die Außenwelt. Beschwerden machen die Gefäßpolster, wenn sie anschwellen und so groß werden, dass sie quasi durch den Analkanal wachsen.

„Eine Ursache dafür liegt in den zivilisatorischen Zwängen bei der Darmentleerung. Im Gegensatz zu Tieren können Menschen nicht einfach den Stuhl fallen lassen, wenn ihnen danach ist“, erklärt Dr. Georg Spaun, Leiter des Endoskopiezentrums am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz. Dadurch werden aber die Dichtungsorgane überstrapaziert. Auch starkes Pressen etwa bei Verstopfung oder ein schwaches Bindegewebe kann die Polster vergrößern. 

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Kleine Knoten 

An Hämorrhoiden leiden genauso viele Frauen wie Männer – meistens in der Altersgruppe der 40- bis 65-Jährigen. Zu den Symptomen zählen Juckreiz, Schmerzen, Knoten im Afterbereich, Blutungen, aber auch das Gefühl, als rutsche beim Stuhlgang ein Teil des Darmes heraus.

Die Therapie richtet sich nach den Schweregraden des Hämorrhoidal-leidens: Bei Grad eins bemerkt man oft gar nichts oder spürt kleine Knoten. Die Beschwerden sind sehr gering. Therapiert wird allenfalls mit Salben. „Im zweiten Stadium sind die Hämorrhoiden meist schon von außen sichtbar. Jedoch spannen bei der ärztlichen Untersuchung viele Patienten aus Scham den Beckenboden an. Die Hämorrhoiden schlüpfen wieder zurück und das volle Ausmaß ist damit nicht erkennbar“, sagt Dr. Spaun. „Eine gute Alternative, die immer öfter zum Einsatz kommt, ist ein zu Hause aufgenommenes Handyfoto, das Patienten dann in der Praxis herzeigen. Das erleichtert die Diagnose.“ Im zweiten Stadium kann der Knoten mit einem Gummiband abgebunden werden. Aufgrund der fehlenden Blutversorgung stirbt er nach einigen Tagen ab.

Patienten in Stadium drei leiden an Hämorrhoiden, die wegen ihrer Größe bereits beim After herausragen und nicht von selbst zurückgehen. Man kann die Polster aber noch zurückschieben. „Neben dem Abbinden können die Hämorrhoiden auch operativ entfernt werden. Eine weitere Methode ist das Entfernen durch Naht- oder Klammernahttechniken.“ Hämorrhoiden vierten Grades sind extrem schmerzhaft und lassen sich auch nicht mehr zurückschieben. „Früher wurde sofort operiert. Heute versucht man, sie durch Schmerzmittel, Abführmaßnamen und Kälteanwendungen zum Abschwellen und ins Stadium drei zu bringen, weil sie dann leichter zu operieren sind“, erklärt der Spezialist.

Wenn eine Veranlagung besteht, kann man Hämorrhoidalleiden zwar nicht gänzlich verhindern, aber trotzdem vorbeugen. Georg Spaun: „Regelmäßige Bewegung kann für regelmäßigen Stuhlgang sorgen. Zudem sollte man versuchen, sich bei der Entleerung nicht anzustrengen.“ Gegen Verstopfung helfen Hausmittel sowie Milchzuckerpräparate. Wichtig – aber oft schwierig – ist es, immer dann auf die Toilette zu gehen, wenn man muss. Spaun: „Deshalb sollte man auch Kindern den Gang auf die Toilette immer erlauben.“

 

Cornelia Schobesberger

August 2017


Bild: shutterstock; privat


 

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Kommentar

Die Unangenehmen Kommentarbild Dr. Georg Spaun „Fast die Hälfte der Bevölkerung hat im Laufe des Lebens Beschwerden im Analbereich.“

Dr. Georg Spaun

Leiter des Endoskopiezentrums, KH Barmherzige Schwestern Linz



‌ Zuletzt aktualisiert am 16. August 2017