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Junger Mann wird von anderen getröstet

Selbsthilfe mit ärztlichem Know-how verbinden

Krebspatienten brauchen Hilfe. Medizinische und mentale Unterstützung sind nötig, um diese schwierige Zeit zu überstehen. Eine Form direkter und verständiger Unterstützung bieten Selbsthilfegruppen. Ein Projekt in Linz verbindet sehr erfolgreich ärztliches Know-how und Selbsthilfe. 

Was als kleines Projekt begann, hat sich rasch und positiv entwickelt: Im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz wurde im Sommer 2014 eine Selbsthilfekontaktstelle mit dem Ziel installiert, Selbsthilfegruppen, Patienten und Angehörige als Partner der Klinik zu integrieren. Die Nachfrage stieg stetig und ist mittlerweile sehr groß. 14 Gruppen treffen sich regelmäßig in den Räumlichkeiten des Krankenhauses sowohl zu onkologischen als auch nicht-onkologischen Themen.

Die Teilnehmer sind bunt gemischt mit Frauen und Männern verschiedener Altersgruppen. Es gibt jedoch auch geschlechterspezifischere Gruppen wie eine Brustkrebsgruppe und eine Prostatagruppe. Die Gruppen werden mehrheitlich von Menschen mit abgeschlossener Akuttherapie (in der sog. Nachsorge) in Anspruch genommen, aber auch von solchen, die ihre Therapie noch vor sich haben oder gerade durchlaufen. 

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Information und Austausch 

Patienten besuchen Selbsthilfegruppen aus verschiedenen Gründen, meist sind folgende Motive dominierend:

  • Information
  • Austausch mit anderen Betroffenen.

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Information 

Fachinformationen sind in den Selbsthilfegruppen sehr gefragt. Immer wieder werden Referenten eingeladen, um ihr Wissen mit der Gruppe zu teilen und auch für Fragen zur Verfügung zu stehen. Die eingeladenen Experten kommen aus den verschiedensten Fachrichtungen wie zum Beispiel der Schul- und Komplementärmedizin, der Pflege und der Ernährungsberatung. Bei der Referentenauswahl kann auf Unterstützung seitens der Selbsthilfebeauftragten zurückgegriffen werden.

In den Gruppen besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder sich etwa seinen Befund erklären zu lassen. „Dieser direkte Kontakt zum Arzt wird sehr geschätzt, da man in diesem Rahmen Zeit für ein Gespräch findet, die im normalen Krankenhausbetrieb einfach nicht immer zur Verfügung steht“, sagt die Selbsthilfebeauftragte des Krankenhauses, Mag. Esther Sandrieser. 

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Austausch mit Menschen in ähnlicher Situation 

Mit anderen Betroffenen kann man sich völlig frei und ohne Tabus unterhalten und sich ohne Angst, nicht verstanden zu werden, austauschen. Dadurch werden das Gefühl und die Gewissheit vermittelt, dass man nicht alleine mit seiner schwierigen Situation und seinen Ängsten ist.

Die Patienten motivieren sich gegenseitig, helfen sich und fangen sich in ihrer schwierigen Situation auf. „Es tut so gut, wenn man mit jemanden sprechen kann, der einem Mut macht und weiterhelfen kann. Patienten, die bereits gefestigt sind, übernehmen für eine Gruppe zumeist eine Vorreiterrolle. Sie helfen den anderen Patienten mit Rat und emotionaler Unterstützung und bemerken dabei, dass sie sich dadurch auch selbst helfen. Auch die Gruppenleiter haben eine solche Vorreiterposition. Da diese die Therapie meist schon hinter sich haben, wissen sie sehr genau, wie es einem in dieser schwierigen Phase des Lebens geht und sie geben Ihre Erfahrung gerne weiter“, sagt Sandrieser. 

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Angehörige mit einbeziehen 

Wie alle Betroffenen wissen, betrifft Krebs auch die Angehörigen, vor allem jene, die im selben Haushalt wohnen. Auch für sie ändert sich durch die Erkrankung und die Therapie viel im Leben, denn sie leiden mit dem betroffenen Angehörigen mit und werden sowohl körperlich als auch seelisch stark in Anspruch genommen. „Auch sie brauchen oft Unterstützung, die sie bei uns im Angehörigencafé erhalten. Diese Unterstützung kann in Form von Fachinformationen gegeben werden, aber genauso soll das Angehörigencafé Raum geben, als Angehöriger mal auf sich zu schauen und seine eigenen Bedürfnisse aussprechen zu können“, sagt Sandrieser. 

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Nachhaltige Vorteile 

Sinn und Zweck der Gruppen ist ein nachhaltiger Mehrwert, der sich in gesundheitlichen Vorteilen der Betroffenen ausdrücken soll. Ziel ist es, die Patienten langfristig sowohl physisch als auch psychisch zu stärken und ihnen beim Netzwerkaufbau zu helfen. Es wird der Kontakt mit Experten unterschiedlicher Disziplinen vermittelt, die dann auch für individuelle Anliegen außerhalb der Gruppe kontaktiert werden können. „Die Teilnehmer der Selbsthilfegruppen werden über neue Therapiemöglichkeiten aufgeklärt und erhalten jede Menge Informationen, die ihrer Gesundheit förderlich sind, wie zum Beispiel über den Zusammenhang von Bewegung und Ernährung und Krebs sowie über den positiven Einfluss von Shiatsu oder kreativem Malen auf das eigene Wohlbefinden“, sagt Sandrieser. Denn nicht nur das Thema „Krankheit“ soll in den Gruppen Thema sein, sondern auch Fragen wie „Was kann ich tun, um mein Wohlbefinden zu steigern?“ sollen ihren Platz haben. 

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Ärzte und Krankenhaus profitieren ebenfalls 

Auch die beteiligten Fachexperten und das betreibende Krankenhaus profitieren von den Selbsthilfegruppen. Denn Patienten sind Fachleute in eigener Sache. Betroffene kennen beide Seiten, die für die Therapie und Genesung entscheidend beitragen: Die medizinische Betreuung im Krankenhaus und die privaten Umstände, die diese Lebensphase begleiten. Durch die Patienten erfährt die Klinik, was Patienten tatsächlich brauchen und erhält Verbesserungswünschen und konkrete Vorschläge. „So wissen wir inzwischen, dass Patienten die Informationen über zusätzliche Angebote des Krankenhauses wie etwa psychologische Gespräche oder Physiotherapie in kompakter Form wünschen, am besten in einem kurzen, persönlichen Gespräch mit der Pflege und nicht nur über gedruckte Flyer, mit denen alleine kann kaum jemand etwas anfangen“, sagt Sandrieser.

Das Projekt der Selbsthilfekontaktstelle wird federführend vom Dachverband der Selbsthilfegruppen Oberösterreich betrieben. Obmann Mag. DDr. Oskar Meggeneder: „Die Auslobung einer Auszeichnung für selbsthilfefreundliche Krankenhäuser hat sich als ein guter Weg erwiesen, um die Kooperation zwischen Selbsthilfegruppen und Krankenhäusern auf eine gut fundierte Basis zu stellen. Die Art, wie das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern seine Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen und der Selbsthilfe Oberösterreich gestaltet, kann als ein ‚Modell Bester Praxis‘ bezeichnet werden.“

Die Selbsthilfekontaktstelle im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz soll keine Konkurrenz zu den anderen Selbsthilfegruppen wie zum Beispiel zu den Gruppen der Krebshilfe darstellen. „Es geht uns um ein Miteinander. Wir tauschen uns aus und informieren die Patienten auch über die anderen Selbsthilfegruppen, die für sie geeignet sein könnten“, sagt Sandrieser. 


Nähere Informationen online:  

Barmherzige Schwestern/Selbsthilfe 

und

Selbsthilfefreundliche Krankenhäuser in Kooperation mit der Selbsthilfe OÖ

 

Ansprechpartner Selbsthilfe Ordensklinikum Linz, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz:

Krebsakademie unter der Leitung von Frau Sigrid Miksch, Msc.

Seilerstätte 4, 4010 Linz

selbsthilfe.bhs@ordensklinikum.at 

Tel: 0732/7677 – 4339

 


Dr. Thomas Hartl

April 2017


Foto: shutterstock



‌ Zuletzt aktualisiert am 21. April 2017