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Ein alter Mann, ein junger Mann und eine junge Frau trainieren im Fitnessstudio

Krebs-Prävention durch regelmäßige Bewegung

Sport im Sinne von regelmäßiger Bewegung senkt das Krebsrisiko. Laut Studienlage ist diese Aussage heute unbestritten. Für Krebserkrankungen von Darm, Brust, Prostata und Lungen ist ein markanter Zusammenhang zwischen Erkrankungsrisiko und körperlicher Aktivität belegt. 

Körperliche Bewegung dient der Krebsprävention. Sie vermindert sowohl das Risiko, überhaupt an Krebs zu erkranken (Primärprävention), als auch das Risiko, nach einem Krebs wieder zu erkranken (Rezidivrisiko). Unstrittig ist, dass Bewegung bei der psychischen Verarbeitung der Diagnose und im Rahmen einer Therapie hilfreich ist und die Heilungschancen erhöht. Sportprogramme können auch die Nebenwirkungen einer Krebstherapie abschwächen. Im Rahmen einer onkologischen Rehabilitationsmaßnahme nimmt eine gezielte Bewegungstherapie mittlerweile einen festen Platz ein. Auch als Mittel der Nachsorge gilt ein bewegter Lebensstil als gesundheitsförderlich.

Wer sich ausreichend bewegt, hat laut Studien ein bis zu 50 Prozent geringeres Risiko an bestimmten Krebsarten zu erkranken. Belegt ist die Risikoverminderung hinsichtlich Dickdarm-, Brust-, Prostata- und Lungenkrebs sowie Krebsvorstufen, wie Dickdarmpolypen. Es gibt auch Hinweise auf eine Risikoverminderung für Bauchspeicheldrüsen- und Gebärmutterkrebs. 

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Regelmäßig Ausdauer trainieren 

Ein bewegter Lebensstil – also viel zu Fuß gehen (Treppen steigen statt mit dem Lift fahren, kurze Strecken mit dem Fahrrad fahren anstatt mit dem Auto etc.) – ist gut und für die körperliche Gesundheit wichtig, im Sinne einer Krebsprävention aber nicht ausreichend. „Studien besagen, dass vor allem ein Ausdauertraining das Krebsrisiko senkt. Ausdauertraining bloß einmal pro Woche bringt in Sachen Vorbeugung wenig. Drei bis vier Mal pro Woche je eine Stunde Training gilt als optimal. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit der Bewegung. Eine bestimmte Intensität im Sinne eines anzustrebenden Pulses ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO dagegen nicht vorgegeben. Die Intensität sollte so gewählt werden, dass man sich nebenbei noch unterhalten kann. Vorteilhaft ist Abwechslung im Training, man sollte also verschiedene Bewegungsarten ausüben und das Training variieren“, empfiehlt Dr. Christian Fridrik, praktischer Arzt und Sportmediziner

Was man unter Ausdauertraining versteht, ist weit gefasst. Das kann Radfahren sein, Nordic Walken, Langlaufen, Wandern aber auch Tanzen. Es ist also ohne Belang, welche Bewegungsart betrieben wird, wichtig ist nur, dass man sie regelmäßig ausführt.

Krafttraining (Muskelaufbau) schadet nicht und kann im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten nützlich sein, die körperliche Leistungsfähigkeit zu erhöhen, es ersetzt in Sachen Krebsprävention aber ein Ausdauertraining nicht. 

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Zirkeltraining 

Auch das gute alte Zirkeltraining erlebt seine Renaissance. Heute nennt man es HIIT (High Intensity Intervall Training, auf Deutsch: Hochintensitäts-Intervalltraining). „Im Ausdauerbereich scheint es sinnvoll, nicht immer auf der gleichen Intensität zu trainieren, sondern Abwechslung ins Training zu bringen. Im Rahmen der Krebsvorsorge bedeutet HIIT, dass man am Laufband oder am Ergometer die Intensität jeweils für kurze Zeit, zum Beispiel für 10-30 Sekunden, höchstmöglich intensiviert und dann eine Pause einlegt, danach kommt wieder eine hohe Belastung, gefolgt von einer Pause und so fort. Dies ist aber eher für Menschen, die schon regelmäßig Sport betreiben, gedacht“, sagt Fridrik. 

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Sport nicht übertreiben 

Während die meisten Menschen zu wenig Sport betreiben, um ihr Krebsrisiko präventiv zu senken, gibt es auch solche, die übertrieben trainieren. „In Sachen Prävention durch Training gibt es nicht nur ein Zuwenig, sondern auch ein Zuviel. Wer meint, ab sofort wie ein Leistungssportler trainieren zu müssen, der tut sich damit nichts Gutes, da Leistungssport nicht nur positive Einflüsse hat. Auch Leistungssportler sind vor Krebs nicht geschützt. Studien zeigen sogar, dass – wenn ein Leistungssportler an Krebs erkrankt – er durch eine weitere Steigerung der sportlichen Aktivitäten keinen Benefit mehr hat. Kurz gesagt: Regelmäßiger Sport ist gut, aber man sollte im Rahmen von drei bis fünf Wochenstunden bleiben. Und das Training sollte an die individuellen Verhältnisse angepasst sein. Um seine maßgeschneiderten Trainingspulse zu bestimmen, konsultiert man am besten einen Sportmediziner“, sagt Fridrik. 

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Übergewicht vermeiden 

Ein Zusammenhang von Bewegung und Krebsrisiko besteht auf mehreren Ebenen. Zum einen senkt Bewegung an sich das Krebsrisiko, zum anderen mindert sie das Risiko über den Umweg der Gewichtsreduktion. Übergewicht dagegen sollte vermieden werden, denn ein hoher BMI (Body-Mass-Index) und vor allem Adipositas (Fettleibigkeit) stellen unbestritten einen wesentlichen Risikofaktor für eine Krebserkrankung dar. 

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Lifestyle wirkt 

Menschen, die sich viel bewegen, sind in der Regel überdurchschnittlich an ihrer Gesundheit interessiert und pflegen einen bewussten Lebensstil: Sie essen gesund, vermeiden Stress, rauch selten und halten sich bei Alkohol zurück. All diese Faktoren wirken sich erwiesenermaßen auch auf das persönliche Krebsrisiko aus. „Gesundheitsbewusste Menschen gehen auch häufiger zu den Vorsorgeuntersuchungen als der Rest der Bevölkerung. Bestehende Tumoren werden bei ihnen dadurch frühzeitig entdeckt, was die Heilungschancen deutlich verbessert“, so Fridrik. 

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Rezidive verhindern 

Sport vermindert auch das Risiko, dass Krebs wiederkehrt. Laut Studien liegt die Risikoverminderung (bezüglich Krebs in Brust, Dickdarm und Prostata) bei 20 bis 40 Prozent. Wurde ein Karzinom entfernt und die Therapie beendet, befindet man sich in der Nachsorge. In dieser Zeit (in der Regel dauert sie fünf Jahre) unterzieht sich ein Patient regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Diese helfen, eventuell wiederauftretende Tumoren rasch zu entdecken. Das Risiko eines Rezidivs kann man als Patient wiederum durch gezielte körperliche Bewegung vermindern. Je nach Alter, Schwere der vorangegangenen Erkrankung und dem aktuellen körperlichen Zustand des Patienten gilt es, einen individuell maßgeschneiderten Trainingsplan zu erstellen. „Nach einer Erkrankung und absolvierter Therapie neigen Patienten häufig dazu, mehr zu trainieren, als ihnen guttut. Sie sind übermotiviert, um ein Rezidiv zu vermeiden. Sie sollten gemeinsam mit den behandelnden Ärzten das individuell richtige Ausmaß der Bewegung finden und nach dem festgelegten Plan trainieren“, sagt Dr. Fridrik.

 

Dr. Thomas Hartl

Juni 2017


Foto: shutterstock


‌ Zuletzt aktualisiert am 14. Juni 2017