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Cholesterin sinkt durch Lebensstil und Medikamente

Zuviel Cholesterin im Blut ist ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Bewegung und eine gesunde Ernährung helfen dabei, dieses Risiko zu senken. Ist eine drastische Senkung des LDL-Cholesterin nötig, werden zusätzlich Medikamente nötig. 

Studien zeigen: Je geringer der Cholesterinwert LDL ist, desto länger lebt der Mensch. Man sollte daher danach streben, einen möglichsten tiefen LDL-Wert zu haben. „Je niedriger, desto besser“, bringt es Prim. Univ.-Doz. Dr. Franz Xaver Roithinger vom Landesklinikum Wiener Neustadt und Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) auf den Punkt.

Cholesterin ist ein Blutfett und ein für den Menschen lebensnotwendiger Baustein der Körperzellen. Zum Teil wird es vom Körper produziert und zum Teil durch Nahrung aufgenommen. Man unterscheidet das „schlechte“ Cholesterin LDL (low density lipoprotein) vom „guten“ Cholesterin HDL (high density lipoprotein). Das „schlechte“ LDL-Cholesterin befördert Fette über das Blut zu den Körperzellen. Das „gute“ HDL schützt die Blutgefäße, indem es in die Gefäßwand eingelagertes Cholesterin herauslöst und abtransportiert. Darüber hinaus hemmt HDL die Verklumpung von Blutplättchen und beugt so der Bildung von Blutgerinnseln vor, die Herzinfarkt und Schlaganfall verursachen können. Ein hoher Wert von HDL ist daher etwas Positives. 

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Zuviel LDL ist gefährlich 

Gefährlich wird das „schlechte“ LDL-Cholesterin dann, wenn es in zu großen Mengen vorhanden ist. Wenn sich zu viele Fette im Blut befinden, bilden sich an den Wänden der Blutgefäße in einem jahrlangen Prozess Ablagerungen (Plaque), die immer dicker werden und die Blutgefäße verengen (Atherosklerose). Dieser Vorgang verläuft Jahre oder sogar Jahrzehnte unbemerkt und ohne Beschwerden. Doch irgendwann kommt es zu Problemen. Durchblutungsstörungen der Beine, Potenzprobleme, Angina pectoris, Herzinfarkt oder Schlaganfall drohen. 

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Cholesterinwert bestimmen lassen 

Da der Cholesterinwert LDL viel über das Risiko für Gefäßerkrankungen aussagt, sollte jeder seinen Wert kennen. Auch wenn es bereits Selbsttests zu kaufen gibt, rät Roithinger, sich beim Arzt ein Blutbild machen zu lassen: „Vor allem der LDL-Wert sollte ermittelt werden. Beim LDL sollten die Werte bei Gesunden unter 130 mg/dl liegen, beim HDL über 45 mg/dl. Von der früher üblichen Quotientenrechnung, mit der das Verhältnis von LDL und HDL ermittelt wurde, ist man in letzter Zeit wieder abgekommen.“ 

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Werte lassen sich verändern 

Cholesterinwerte sind keine stabilen Vorgaben, sie lassen sich verändern. Das „gute“ HDL lässt sich mit Bewegung erhöhen, jedoch nicht durch Medikamente. Das schlechte LDL-Cholesterin lässt sich auf zwei Arten senken: Auf natürlichem Weg durch einen gesunden Lebensstil und durch Medikamente. 

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Veränderung auf natürlichem Wege 

Bewegung: Ein bewegter Lebensstil (Treppen steigen statt Lift fahren, mit dem Rad zur Arbeiten fahren, generell kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen) trägt viel zur Gesundheit bei. Jede körperliche Bewegung ist gut und sinnvoll, um seinen LDL-Cholesterinwert zu senken und den HDL-Wert zu erhöhen. Zusätzlich empfiehlt sich ein regelmäßiges Ausdauertraining. Optimal sind drei Mal 45 bis 60 Minuten pro Woche. Dabei sollte man durchaus ins Schwitzen kommen. Wer seinen Puls beim Training misst, sollte einen Wert von 180 minus Lebensalter anstreben. 

Ernährung: Mediterrane Kost senkt das Risiko einer Herzkreislauferkrankung und die Sterblichkeit bei herzkranken Menschen. „Die mediterrane Ernährungsform ist besonders gesundheitsfördernd. Sie wirkt vorbeugend und auch bei Menschen, die bereits an einer kardiovaskulären Erkrankung leiden. Dass das so ist, belegen viele Studien. Die Mechanismen, die dazu führen, sind aber noch unklar“, sagt Roithinger. Die „Mittelmeer-Diät“ ist geprägt durch einen hohen Anteil an Gemüse, Fisch, Nüssen, Obst und ungesättigten Fettsäuren wie Olivenöl. Auch vegetarische Ernährung dürfte gesundheitsfördernde Wirkung haben. Das Ergebnis einer Auswertung von 96 Studien zeigt, dass Vegetarier einen geringeren Body-Mass-Index sowie günstigere Cholesterinwerte haben als Menschen, die auch Fleisch essen.

Ist ein hoher Cholesterinwert vererbt, lässt sich der LDL-Wert durch Ernährung nur geringfügig ändern. Dennoch sollte man auch in diesen Fällen auf gesunde Ernährung achten, die in der Regel Kalorien reduziert und das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen senkt. 

Rauchen, Alkohol und Stress: Rauchen und Alkohol sind Risikofaktoren für Herzkreislauf-Erkrankungen. „Rauchen erhöht auch unmittelbar das LDL-Cholesterin und sollte im Fall eines erhöhten Wertes jedenfalls eingestellt werden“, rät  Roithinger.

Ob Stress direkt den Cholesterinspiegel beeinflusst, lässt sich nicht nachweisbar messen. Klar ist, dass belastender Dauerstress unabhängig vom Cholesterin schlecht für das Herzkreislauf-System ist. 

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Wann sind Medikamente nötig? 

Wenn Medikamente nötig sind, werden meist Statine verordnet. Sie senken den Spiegel des LDL-Cholesterins. Weiter stehen zur Verfügung: Cholesterinabsorptionshemmer, Anionenaustauscherharze bzw. Gallensäurebinder. PCSK9-Hemmer (Injektionen) kommen bei Statin-Unverträglichkeit oder familiärer Hypercholesterinämie zum Einsatz.

Ob Medikamente überhaupt nötig sind, richtet sich nach dem Herzkreislauf-Risiko. Bei Menschen mit niedrigem Risiko reicht es aus, durch Ernährung und Bewegung den Wert auf 130 oder darunter zu senken. Von einem niedrigen Risiko spricht man dann, wenn man herzgesund ist und auch keine Herzkreislauf-Erkrankung hinter sich hat und der LDL-Wert nur geringfügig über 130 erhöht ist.

Gab es jedoch in der Familie mehrere Angehörige mit Herzinfarkt oder Schlaganfall in relativ jungem Alter, dann bedeutet das eine Risikoerhöhung und es sollte mit dem behandelnden Arzt über den möglichen Einsatz von Medikamenten gesprochen werden.

Bei Hochrisikopatienten (mit Herzinfarkt oder Schlaganfall) ist eine natürliche Senkung des Cholesterinspiegels auf den anzustrebenden Wert nicht möglich, weil hier ein Wert von 70 angestrebt wird. „Ein Hochrisikopatient sollte sofort mit Medikamenten behandelt werden, da klar ist, dass man dieses Ziel auf natürliche Weise nicht erreichen kann. Hat jemand einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt hinter sich, sollte man sofort Medikamente einsetzen, eine natürliche Senkung ist hier hundertprozentig nicht ausreichend“, sagt Roithinger. Freilich sollte man zusätzlich den Lebensstil optimieren, denn dadurch lässt sich die Dosis der Medikamente oft senken. Bei Höchstrisiko-Patienten können Medikamente auch injiziert werden (PCSK-9 Inhibitoren). Auch diese Patienten sollten zusätzlich auf ihre Ernährung und auch auf viel Bewegung achten.

 

Dr. Thomas Hartl

April 2017


Foto: shutterstock


‌ Zuletzt aktualisiert am 12. April 2017