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Frau mit Ventilator

Bewegung statt Hormone in der Menopause

Die Zeit nach dem Wechsel (Postmenopause) bringt für Frauen vielfältige Beschwerden mit sich, die Gesundheit und Lebensqualität beeinträchtigen. Eine Studie zeigt nun, dass Frauen, die zuvor körperlich wenig aktiv waren, von einem regelmäßigen Bewegungstraining nachhaltig profitieren können. Sie wurde in der Zeitschrift Menopause der Nordamerikanischen Menopause-Gesellschaft veröffentlicht, berichtet die deutsche Ausgabe der Medizinplattform medscape.com. 

Dr. Debora Godoy-Izquierdo von der Psychologischen Fakultät der spanischen Universität Granada und ihre Kollegen kombinierten ein gezieltes Fitness- und Krafttraining mit psychologisch unterstützter Anleitung zur Gesundheitsförderung, um eine Änderung des Lebensstils zu erreichen. Sie erzielten so eine bis zu zwölf Monate anhaltende Steigerung der Lebensqualität in physischer und mentaler Hinsicht. „Begleitet wurden diese Effekte von einem verbesserten kardio-metabolischen Status und einer höheren Fitness“, schreiben sie. Indikatoren hierfür waren Körpergewicht, BMI, Blutdruck, Herzfrequenz und Beweglichkeit. 

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Erneut bestätigt: Bewegung tut gut 

„Im Grundsatz bestätigt die Arbeit, was wir bereits seit längerem wissen“, urteilt Prof. Dr. Ulrike Korsten-Reck vom Institut für Bewegungs- und Arbeitsmedizin am Universitätsklinikum im deutschen Freiburg. Die Medizinerin hatte sich bereits vor zehn Jahren eingehender mit dem Thema Postmenopause und Sport beschäftigt. „Körperliche Aktivität trägt beispielsweise entscheidend zur Gewichtskonstanz beziehungsweise zur Gewichtsabnahme in der Postmenopause bei“, so Medscape.

Durch körperliche Aktivität käme es zur Abnahme des Körperfettgehaltes, vor allem im abdominalen Bereich. Diese Reduktion könne als Auslöser für alle weiteren positiv beeinflussbaren Veränderungen angesehen werden. „Selbst bei schon übergewichtigen Frauen können so kardiovaskuläre Risiken, unabhängig davon ob ein Gewichtsverlust eintritt oder nicht, gemildert werden“, so die Ärztin. 

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Moderates Bewegungstraining als Intervention 

Für die Studie hatte das Team um Godoy-Izquierdo 234 spanische Frauen im Alter von 45 bis 64 Jahre ausgewählt. Sie mussten sich mindestens seit zwölf Monaten in der Postmenopause befunden und niemals Leistungssport betrieben haben. Für die Trainingsgruppe und die Kontrollgruppe ohne Training galt zudem, dass die Teilnehmerinnen mindestens seit zwölf Monaten keiner regelmäßigen sportlichen Betätigung nachgegangen waren. Als weitere Kontrollgruppe dienten postmenopausale Frauen, die sich regelmäßig sportlich betätigten.

Das Trainingsprogramm war auf 20 Wochen angelegt und folgte internationalen Empfehlungen zur Steigerung der körperlichen Aktivität bei Frauen mittleren bis höheren Alters, wie die Autoren schreiben. Es umfasste Aerobic-Elemente zur Förderung der kardio-respiratorischen Fitness ebenso wie Übungen zur Steigerung der Muskelkraft und anderer Fitness-Funktionen.

Die Beweglichkeit wurde anhand eines „Sit-and-Reach“-Tests (misst die Beweglichkeit der Muskeln des unteren Rückens und der Beinbeugemuskulatur) und die isometrische Kraft mit Hilfe der Hand-Dynamometrie (Handschlusskraftmessung) ermittelt. Außerdem wurden die Teilnehmerinnen angehalten, regelmäßig einen Kilometer so schnell wie möglich zu laufen. 

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Viele positive Effekte halten an 

Die Effekte dieses Trainings überprüften die Spanier am Ende der Intervention sowie drei und zwölf Monate danach. „Am Ende der Nachbeobachtungszeit hatten sich die meisten Werte der Trainingsgruppe den Werten der körperlich aktiven Gruppe stark genähert“, so die Befunde der Mediziner. Entsprechende Signifikanzen im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Training untermauern die Wirksamkeit der Intervention.

Bereits bei Trainingsende hatten sich alle untersuchten Kategorien zur Ermittlung der Lebensqualität verbessert, allen voran das mentale Wohlbefinden (knapp ein Viertel), gefolgt von Gesundheitsfaktoren, die die Menopause, das Alter und das allgemeine Wohlbefinden  (jeweils knapp ein Fünftel) betreffen. Auch für die vasomotorische Symptomatik zeigte sich eine signifikante Verbesserung (mehr als 10 Prozent). Mit wenigen Ausnahmen waren die positiven Wirkungen des Bewegungstrainings selbst nach zwölf Monaten erhalten geblieben.

Bei den Fitness-Indikatoren stach der Zugewinn an Beweglichkeit besonders hervor: Er betrug bei Trainingsende fast ein Fünftel und nahm danach sogar noch zu. Parallel dazu waren Körpergewicht und BMI durch die Intervention leicht, aber dennoch signifikant gesunken. Dieser Effekt hielt drei Monate später noch an, ging im Laufe der Nachbeobachtungszeit allerdings wieder weitgehend verloren.

Auch der Blutdruck sank anfänglich, stieg später wieder an, erreichte aber nicht mehr den höheren Ausgangswert wie zu Beginn der Intervention. Der größte Effekt wurde beim systolischen Blutdruck erzielt. Positiv entwickelte sich auch die Herzfrequenz, die zu Beginn des 1-Kilometer-Laufs gemessen worden war, und zwölf Monate später sogar unter der der aktiven Gruppe lag. Eine leicht signifikante Steigerung der Schnelligkeit auf der Teststrecke um zehn Sekunden ließ sich dagegen nicht über längere Zeit halten.

„Unsere Befunde zeigen auch, dass körperliche Aktivität den Frauen hilft mit den vasomotorischen Symptomen besser umzugehen“, schlussfolgern die Autoren. Für Frauen und Ärzte, die dem Einsatz von Hormonen zurückhaltend gegenüber stünden, wäre körperliches Training eine sichere und nebenwirkungsfreie Option, so ihre Meinung.

Korsten-Reck, die auch Vorsitzende der Kommission Frauensport der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention ist, steht dieser Aussage jedoch kritisch gegenüber. „Hitzewallungen beispielsweise sind als überschießende Reflexantwort auf einen hypothalamisch gesteuerten Hitzeanpassungsmechanismus infolge Östrogenmangels zu verstehen. In wieweit körperliche Aktivität über psychovegetative Anpassungsvorgänge Hitzewallungen beeinflussen kann, ist nicht ausreichend untersucht und wird heute in Fachkreisen eher verneint“, erläutert die Freiburger Ärztin. Letztlich weisen auch die Autoren darauf hin, dass die Gruppengröße in ihrer Studie bei manchem Aspekt für die Herleitung strikter Kausalitäten zu klein ist. 

Der gesamte Artikel wurde am 27. Februar 2017 auf Medscape Deutschland veröffentlicht und ist in voller Länge (nach kostenloser Registrierung) hier abrufbar.

 

Mag. Christian Boukal / medscapemedizin.de

Juni 2017


Foto: shutterstock



‌ Zuletzt aktualisiert am 08. Juni 2017