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Schwarze Katze

13 schwarze Katzen

Zuerst trifft man eine schwarze Katze, dann bricht auch noch der Spiegel. Da können nur ein Hufeisen oder ein Kleeblatt helfen. Aberglaube hält sich hartnäckig in unserer aufgeklärten Gesellschaft, und das ist durchaus in Ordnung – wenn Rituale und Glücksbringer nicht überhandnehmen. 

Es ist eine Mär, die sich einfach nicht ausrotten lässt: Freitag, der 13., ist ein Unglückstag. Viele Menschen steigen an diesem Tag in kein Verkehrsmittel, andere bleiben überhaupt zu Hause. Man kann nie wissen … Statistisch gesehen muss man sich diese Sorgen nicht machen. Untersuchungen von Verkehrszahlen ergaben keinen Anstieg von Unfällen an einem Freitag, dem 13. Auch die Zürich Versicherung hat sich den angeblichen Unglückstag näher angesehen. Fazit: Es werden nicht mehr Schadensfälle gemeldet als etwa an einem Dienstag, dem 17.

Für die Angst vor diesem Tag gibt es mehrere Deutungsversuche. Jesus starb an einem Freitag und die 13 gilt als „schlechte Zahl“, wohingegen die Zwölf Ordnung symbolisiere: Tag und Nacht haben zwölf Stunden, das Jahr hat zwölf Monate, die Bibel berichtet von zwölf Aposteln.

„Aberglauben oder Volksglauben hat es in allen Kulturen gegeben. Es ist der Wunsch, eine nicht erfassbare Welt in den Griff zu bekommen, und er ist auch ein Gegenglaube zu herrschenden Meinungen der Kirchen“, sagt Dr. Rainer Wehse, ehemaliger Lehrbeauftragter im Fach Volkskunde an der Ludwig-Maximilians - Universität München, der sich sein Leben lang mit Aberglauben beschäftigt hat. Auch Prof. Dr. Martin K. W. Schweer, Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogische Psychologie an der Universität Vechta in Niedersachsen, erklärt: „Aberglaube meint ja zunächst nichts anderes, als dass Menschen Zusammenhänge zwischen zeitlich miteinander verbundenen Ereignissen zu erkennen glauben, die aus objektiver Sicht aber nicht bestehen.“ Beispielsweise: Ich bin überzeugt davon, dass mir ein bestimmtes Outfit Glück während einer Prüfung bringt, mir der Talisman dabei hilft, kritische Situationen gut zu überstehen, der Tag nur schlecht verlaufen kann, wenn ich mit dem linken Fuß zuerst aufstehe. 

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Nicht nur negativ 

Für Professor Schweer hat der Aberglaube mitnichten nur negative Seiten: „So bin ich etwa beruhigter und gelassener, wenn ich meinen Talisman bei mir habe; dies kann durchaus helfen, um schwierige Situationen zu meistern. Es ist also nicht das Outfit, der Talisman oder der linke Fuß, es sind vielmehr die damit verbundenen Einflüsse auf die Person selbst, die möglicherweise zu einer Veränderung führen.“

Das zeigt auch ein Experiment, das von Sozialpsychologen an der Universität Köln durchgeführt wurde. Sie luden Studenten zum Golf ein, eine Gruppe durfte dabei Golfbälle verwenden, die angebliche Glücksbälle waren. Ihnen gelang es häufiger einzulochen als der Gruppe mit den „normalen“ Bällen. Eine weitere Aufgabe lösten Teilnehmer jener Gruppe besser, denen die Studienleiter zuvor versichert hatten, sie würden die Daumen drücken. Offensichtlich fühlten sich jene, die besser abschnitten, durch die Glücksbälle und die guten Wünsche beflügelt.

So gesehen kann eine Portion Aberglaube nicht schaden. Problematisch wird es natürlich im umgekehrten Fall: wenn Aberglaube so stark ist, dass er Menschen hemmt. Jemand kommt im Büro an, merkt, dass er seinen Glücksbringer zu Hause vergessen hat – und kann daraufhin seine Arbeit nicht tun. Volkskundler Wehse erinnert sich an eine seiner Studentinnen an der Universität München. Sie war passionierte Reiterin und entdeckte eines Tages auf einem Hof ihr „Traumpferd“. Aber sie konnte es nicht kaufen, weil der Weg auf den Hof Gerüchten zufolge „verflucht“ war und ihr dies einen derartigen Schrecken einjagte, dass sie das „Traumpferd“ lieber stehen ließ. 

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Daumen drücken, Leitern meiden 

Daumen drücken: Früher dachte man, dass Körperteile von Gehängten den Lebenden Glück bringen, dem Daumen wurde dabei besondere Kraft zugesprochen.

Nicht unter einer Leiter durchgehen: Leiter, Wand und Boden bilden ein Dreieck, und dieses gilt als „heilige Form“ (Dreifaltigkeit). Wer es verletzt, zieht das Unglück an.

Zerbrochener Spiegel: Eigentlich sollen Scherben ja Glück bringen. Doch wenn ein Spiegel bricht, folgen angeblich sieben Jahre Unglück, da das Spiegelbild für die Seele dessen steht, der hineinblickt. Und die Heilung dauert sieben Jahre.

Schwarze Katze: Der Volksmund meint zudem, dass es Unglück bringt, wenn eine schwarze Katze den Weg kreuzt; allerdings nur, wenn sie von links nach rechts läuft. Denn die „linke Seite“ gilt als schwächer, die schwarze Katze im Mittelalter als Gefährtin der Hexe.

Auf Holz klopfen: Ist man nun versehentlich unter einer Leiter durchgelaufen oder hat einen Spiegel zerbrochen, so gibt es eine Methode, um das Übel dennoch abzuwehren: Man klopft dreimal auf Holz. Dies soll ja generell drohendes Unheil fernhalten. Früher klopften Bergleute an die hölzernen Stützpfeiler des Stollens, um den Zustand zu überprüfen, da ein stabiler Pfosten anders klingt als ein instabiler. Auch Matrosen klopften auf das Holz des Schiffes, bevor sie anheuerten.

 

Birgit Baumann

März 2017

 

Foto: shutterstock


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Kommentar

13 schwarze Katzen Kommentarbild Prof. Dr. Schweer „Rituale können dazu beitragen, die Konzentration auf ein bevorstehendes Ereignis zu bündeln. Problematisch wird es, wenn der Aberglaube das Verhalten bestimmt oder sogar blockiert.“

Prof. Dr. Martin K. W. Schweer

Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogische Psychologie, Universität Vechta, Niedersachsen


‌ Zuletzt aktualisiert am 23. Oktober 2017