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Zigarette wird angezunden

Rauchstopp ist der beste Schutz vor Lungenkrebs

Lungenkrebs gilt, trotz großer Fortschritte wie Immuntherapie, noch immer als „Killer“. Frühe Diagnosen, auch mittels Screening-Programmen, weitere Forschung und neue Behandlungsmethoden könnten in Zukunft aber sogar das Ziel „heilbar“ näher rücken, berichtete die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) vor dem Weltkrebstag am 4. Februar. Wichtigste Maßnahmen bleibe aber der Tabakverzicht, so die Austria Presse Agentur (APA). 

„Die Raucherprävention ist und bleibt die sinnvollste Maßnahme gegen Lungenkrebs. Denn in rund 85 bis 90 Prozent aller Fälle ist Rauchen der Auslöser“, sagte Lungenfacharzt Dr. Maximilian Hochmair, Leiter der Onkologischen Ambulanz und Tagesklinik am Wiener Otto Wagner Spital sowie Leiter des Arbeitskreises für Pneumologische Onkologie der ÖGP. „Mehrere Untersuchungen belegen einen beträchtlichen ‚Rückgewinn’ an Lebenszeit, selbst wenn man das Rauchen erst mit 55 Jahren beendet“, so ÖGP-Präsident Prim. Univ. Prof. Dr. Meinhard Kneussl. „Aber natürlich sollte man so früh wie möglich damit aufhören und am besten erst gar nicht damit anfangen.“ 

Lungenkrebs zeigt im Frühstadium meist keine Symptome. Ein Früh-Test bei Risikogruppen wie älteren starken Rauchern würde daher Leben retten, sagte Univ.-Prof. Dr. Christian Herold, Leiter der Univ.-Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin der Medizinischen Universität Wien. In Europa gebe es außer im Rahmen von Studien bisher nur wenige solcher Screeningprogramme. Vor einer möglichen Einführung brauche es noch mehr valide Daten für deren Nutzen. 

„Wir verstehen die molekularen Grundlagen der Krankheit heute viel besser und somit hat sich sowohl in der Diagnostik als auch der Therapie enorm viel getan“, sagte Hochmair. Doch ob Lungenkrebs zur weitgehend behandelbaren, chronischen Erkrankung werden kann, hänge nicht zuletzt von der Karzinomart ab. 

Mit Hilfe von Biomarkern – charakteristische Merkmale am Tumor, die gemessen werden können – seien Prognosen bezüglich des Krankheitsverlaufs und der Wahrscheinlichkeit des Ansprechens auf ein bestimmtes Medikament möglich geworden. Verträglichkeit, Ansprechrate und Überleben solcher zielgerichteter Behandlungen seien der Chemotherapie klar überlegen. Irgendwann stellt sich der Tumor auf das Medikament ein und beginnt wieder zu wachsen. Durch Verfahren wie die Liquid Biopsy, bei der man Tumorzellen oder Tumor-DNA im Blut analysiert, könne abgeschätzt werden, welche Folgetherapie am Erfolg versprechendsten ist. Ein anderes Beispiel sei der PDL1-Biomarker [Programmed Death-Ligand 1]: Liegt eine hohe Expression dieses Proteins im Tumorgewebe vor, weiß man heute, dass Patienten von einer Immuntherapie viel mehr profitieren als von einer Chemotherapie. 

Auch rund 15 Prozent der Nichtraucher erkranken an Lungenkrebs. Passivrauchen, Luftverschmutzung oder Belastungen wie Staub, Asbest und Teer seien Risikofaktoren – ein familiäres Risiko spiele eine untergeordnete Rolle, sagte Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Hilbe, Abteilungsvorstand der 1. Medizinischen Abteilung, Zentrum für Onkologie und Hämatologie am Wilhelminenspital Wien. „Neben auffälligen Symptomen wie lang andauernder Husten vor allem mit blutigem Auswurf können auch scheinbar harmlose Symptome wie unerklärlicher Gewichtsverlust, ein allgemeines Schwächegefühl, aber auch Heiserkeit Anzeichen für Lungenkrebs sein.“ 

In Österreich erkranken laut ÖGP rund 4.100 Menschen pro Jahr am Bronchialkarzinom. Etwa 3.600 Patienten sterben jährlich daran.


Mag. Christian Boukal / APA

März 2017

 

FOT: APA (dpa-Zentralbild)

‌ Zuletzt aktualisiert am 07. März 2017