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Schlatter-Knie

Hinter dem Namen Morbus Osgood-Schlatter verbirgt sich ein Überlastungsschaden, der sich durch Knieschmerzen äußert. Betroffen sind vor allem Jugendliche im Wachstum. Ist dieses abgeschlossen, verschwinden auch die Beschwerden. 

Bei Jugendlichen kann es vorkommen, dass die Knochen schneller wachsen als die Sehnen. Im Bereich des Knies ist das die Patella- oder Kniescheibensehne. Gleichzeitig ist aufgrund der hormonellen Umstellung in der Pubertät eine Schwächung des knöchernen Vorsprungs am Schienbein möglich. „Bei sportlich aktiven Jugendlichen, die etwa vereinsmäßig Fußball spielen, leiden bis zu 20 Prozent an einem Morbus Osgood-Schlatter. Bei weniger sportlichen sind rund fünf Prozent betroffen“, erklärt Oberarzt Dr. Franz Landauer von der Salzburger Universitätsklinik für Orthopädie.

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Belastungsproblem 

Die Wachstumsstörung verdankt ihren Namen den beiden Entdeckern, den Medizinern Robert B. Osgood und Carl Schlatter.

Der Morbus Osgood-Schlatter – die Erkrankung ist auch als „rugby knee“ bekannt – ist eine sehr häufige Ursache für Kniebeschwerden bei Jugendlichen. Sie klagen über Schmerzen am vorderen Schienbein nach sportlicher Aktivität oder nach Belastungen wie Treppensteigen sowie beim Druck auf das Schienbeinband. Gleichzeitig sind Rötungen und Schwellungen möglich. Im Ruhezustand bessern sich die Beschwerden. „Die genauen Ursachen sind noch nicht bekannt. Es handelt sich aber meist um ein Problem der vermehrten Belastung durch sportliche Aktivität. Jungen sind davon häufiger betroffen als Mädchen. Allerdings muss nicht jeder Morbus Osgood- Schlatter auch Beschwerden verursachen“, so der Orthopäde. Die Diagnose kann auch zufällig bei einer Röntgenuntersuchung gestellt werden. Hier zeigt sich eine Verknöcherung am Ansatz der Kniescheibensehne am Schienbein. Lösen sich aus dem Schienbein kleine Knochenstücke heraus, können diese absterben und zu den Beschwerden führen. Franz Landauer: „Der Morbus Osgood-Schlatter entsteht also durch wiederholte kleine Verletzungen und stellt ein Ungleichgewicht zwischen Muskeln, Sehnen und dem Knochenwachstum dar.“

Die gute Nachricht ist, dass der Morbus Osgood-Schlatter mit Ende des Wachstums von alleine wieder verschwindet. Die Beschwerden werden daher rein konservativ behandelt. Zur Linderung der Schmerzen empfiehlt sich eine Entlastung des betroffenen Kniegelenks. „Besonders für sportlich ambitionierte Jugendliche ist diese Schonung frustrierend, aber hilfreich. In vielen Fällen sind dann keine Schmerzmittel notwendig“, so der Mediziner. Bewährt haben sich zudem Kälteanwendungen. Auch Physiotherapie oder lokal reizhemmende Maßnahmen können zur Besserung beitragen. Eine Operation ist nur in seltenen Fällen notwendig. „Der Morbus Osgood-Schlatter dauert meist ein oder zwei Jahre. Sobald die Betroffenen ausgewachsen und die Strukturen der Wachstumsfuge verknöchert sind, ist das Problem erledigt. Es kann allerdings sein, dass es zu einer Verknöcherungsstörung innerhalb der Sehne kommt, was längere Beschwerden verursacht. Das lässt sich operativ nach Abschluss des Wachstums behandeln“, erklärt der Orthopäde.

 

MMag. Birgit Koxeder-Hessenberger

Februar 2017


Foto: shutterstock; privat


‌ Zuletzt aktualisiert am 10. Februar 2017