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Frau mit Mückenstich

Blutsauger

Laue Sommerabende auf der Terrasse oder Relaxen am Wasser: Der Sommer ist die Jahreszeit der Freude und Geselligkeit. Aber auch die Zeit der Gelsen und anderer Quälgeister, die uns allein mit ihrem Surren in den Wahnsinn treiben können. 

Experten raten im Kampf gegen Stechinsekten von der chemischen Keule ab. Sinnvoller sind Maßnahmen, um die lästigen Viecher erst gar nicht ins Haus zu lassen.

Die meisten Insektenstiche hierzulande sind für den Menschen zwar lästig und schmerzhaft, aber harmlos. Gefahren bestehen vor allem für Menschen, die allergisch reagieren. Denn Komponenten aus dem Gift von Bienen oder Wespen sowie aus dem Speichel von blutsaugenden Insekten können allergische Reaktionen und Entzündungen an der Einstichstelle hervorrufen. Leider sind im Tierreich die Weibchen häufig die Bösen – so auch bei den Gelsen. Die Stechmücken benötigen Blut, um nach der Begattung ihre Eier ablegen zu können. Die Männchen stillen ihren Appetit mit zuckerhaltigen Flüssigkeiten. Normalerweise würden sich auch die Weibchen damit begnügen, allerdings brauchen sie ein im Blut enthaltenes Protein. Was die Entwicklung und Vermehrung der Stechmücken betrifft, sind Regionen mit regelmäßigen Regenfällen klar benachteiligt. Denn Wasser ist das Element, das in der warmen Jahreszeit ideale Bedingungen für ihre Brut bietet. Regelrechte Plagen treten vor allem in Gebieten auf, die zuvor überschwemmt waren.

In Österreich gibt es laut Experten Dutzende Stechmücken-Arten, wobei etwa die asiatische Buschmücke erst kürzlich eingeschleppt wurde. Sie ist aber genauso harmlos wie ihre Schwesternart, die asiatische Tigergelse, und alle bei uns heimischen Stechmückenarten. Allerdings gibt es auch Arten, die grundsätzlich in der Lage wären, Malaria zu übertragen. „Bedingt durch die Kombination des Klimawandels mit der Globalisierung kommen nun auch Krankheitsüberträger und -erreger in unsere Breiten, die vorher nur in den Subtropen heimisch waren“, weiß der Leondinger Tropenmediziner Prof. DDr. Martin Haditsch. Beispiele dafür sind das vermehrte Auftreten von Denguefieber in Frankreich und Kroatien, von Chikungunyafieber in Italien oder von Malaria in Griechenland. Um sich vor dem Biss der lästigen Blutsauger zu schützen, werden als Hausmittel oft Knoblauch, Essig oder Alkohol empfohlen. Sie gehören aber allesamt ins Reich der Mythen: Essigsäure etwa finden Gelsen sogar besonders anziehend. Am besten ist es, so sind sich Experten einig, die Stechmücken erst gar nicht ins Haus zu lassen und ein Fliegengitter zu montieren, wenn nötig in Kombination mit Moskitonetzen über dem Bett. Das ist auch das erste Mittel der Wahl in tropischen Ländern. Im Garten hilft es, Regentonnen abzudecken und im Teich auf Fische als Verbündete im Kampf gegen Mückenlarven zu setzen. Aber auch Libellen, Schwimmkäfer, Rückenschwimmer und Wasserkäfer ernähren sich von den Larven. Auch Bewegung an der Wasseroberfläche erschwert den Stechmücken die Eiablage.

Wer auf natürlichen Schutz setzt, kann sich mit Lavendel-, Nelken- oder Zitronenöl gegen die Gelsen schützen, denn diese Gerüche mögen die Tiere gar nicht. Beim Auftragen des Öls auf die Haut ist allerdings Vorsicht geboten: Denn hochkonzentrierte Öle können allergische Reaktionen auslösen. Der Linzer Tropenmediziner Dr. Bernhard Haberfellner rät dazu, geeignete Mückenschutzmittel mit einer ausreichend hohen DEET- oder Icaridin-Konzentration zu verwenden. „Diese wurden auf ausreichende Effektivität und gleichzeitig mögliche Nebenwirkungen getestet“, so der Experte. Nach dem Schwimmen oder wenn man ins Schwitzen gekommen ist, sollte man das Mittel wiederholt auftragen.

Ein Grund, warum Menschen in tropischen Ländern häufig hell gekleidet sind, ist, dass helle Kleidung auf sonnengebräunter Haut nicht nur gut ausschaut, sondern auch Gelsen abwehrt. Die blutrünstigen Sauger suchen nämlich bevorzugt dunkle Stellen auf. Angelockt werden sie durch Butter- oder Essigsäure, die Bestandteile unseres Schweißes sind. Bis zu 30 Meter weit können die Stechmücken ein potentielles Opfer wittern. Regelmäßig duschen schafft Abhilfe, denn es mindert den Körpergeruch und erschwert es den Tieren, uns zu orten. Früher waren sie sehr beliebt, mittlerweile stehen Gelsenstecker immer mehr unter kritischer Beobachtung. Sie enthalten Inhaltsstoffe, die bei empfindlichen Menschen Haut- und Schleimhautreizungen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Übelkeit verursachen können. Wer trotzdem nicht auf die „chemische Keule“ gegen die Insektenplage verzichten will, sollte nach Expertenmeinung die Stecker auf keinen Fall in Räumen verwenden, in denen sich Schwangere, Kleinkinder oder Allergiker aufhalten. Um zu verhindern, dass sich Dämpfe ablagern, empfiehlt sich häufiges Lüften. Wichtig ist auch das Händewaschen nach dem Auswechseln der Wirkstoffplättchen. 

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Nicht kratzen! 

Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen lassen sich Stiche oder Bisse manchmal nicht verhindern. Sie sind aber in der Regel harmlos. Legt man etwa einen warmen Gegenstand auf, lassen sich zumindest die Folgen lindern. Denn Wärme zerstört das Protein, das den Juckreiz auslöst. In der Apotheke sind diverse (Antihistamin-)Salben erhältlich, die den Schmerz mildern und die Schwellung lindern. Beliebte Hausmittel zur Behandlung der juckenden Stellen sind Gurkenscheiben, Ringelblumensalbe und essigsaure Tonerde. Vorsichtig sollte man bei Teebaumöl sein: Die Geheimwaffe aus Australien kann mitunter Allergien auslösen. Wer nach einem Stich Fieber, Gelenksschmerzen, Hautausschläge oder andere grippeähnliche Symptome bemerkt, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen! Das Allerwichtigste ist jedoch: Auch wenn es furchtbar juckt, keinesfalls kratzen. Ein aufgekratzter Gelsenbiss kann sich schnell entzünden und Narben hinterlassen. Ähnliches gilt für Bremsenbisse. Die großen grauen Fluginsekten können sehr schmerzhaft zubeißen. Im Unterschied zu den Mücken lieben sie die pralle Sonne. Bremsenabwehr funktioniert mit den gleichen Substanzen wie Mückenabwehr. 

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Gefährliche Stiche

Die gefürchtetsten Stechinsekten sind Wespen, Bienen und Hornissen. Und das zu Recht, denn ihre Stiche sind schmerzhaft und können – speziell im Bereich von Mund und Hals – lebensbedrohlich sein. Mit ein paar einfachen Sicherheitsmaßnahmen können gefährliche Situationen oft vermieden werden:

  • Im Freien nicht aus geöffneten Dosen trinken.
  • Flaschen und Gläser immer mit einem Bierdeckel oder einer Serviette abdecken.
  • Keine offenen Marmeladegläser, Tortenteller oder andere Lockmittel stehen lassen.
  • Beim Surren eines Stechinsekts nicht wild umherschlagen, sondern ruhig aus dem Weg gehen.
  • Bei Stichen in Mund und Hals aus Sicherheitsgründen immer die Notrufnummer wählen: 112!

 


Mag. Conny Wernitznig

August 2017


Bilder: shutterstock; privat


   

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Kommentar   

Blutsauger Kommentarbild Prof. DDr. Martin Haditsch „Am besten ist es, die Stechinsekten erst gar nicht ins Haus zu lassen. Etwa indem man Fliegengitter montiert – notfalls in Kombination mit Moskitonetzen über dem Bett.“

Prof. DDr. Martin Haditsch

Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie, Tropenmedizin und spezifische Prophylaxe, Leonding

‌ Zuletzt aktualisiert am 23. Oktober 2017