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Mann paddelt im Stehen

Maximaler Spaß

Sommer, Sonne, Stand-up-Paddling: Der Trendsport aus Hawaii findet immer mehr Anhänger in unseren Breiten – zu Recht. Denn Stand-up-Paddeln ist ein wunderbarer Sport, der Ganzkörpertraining mit Naturerlebnis vereint. 

Wer nach einer Stunde Standup-Paddling zurückkommt, hat ein Lächeln auf den Lippen“, freut sich Mario Lach. Der Sportwissenschaftler und Kitesurf-Lehrer hat die größte Stand-up-Paddling-Schule in Österreich an drei Standorten. Er ist überzeugt: SUP, so die Kurzform, ist ideal als Einstieg in den Wassersport und ein perfektes Ganzkörper-Training. Spaßfaktor inklusive.

SUP ist eigentlich ein Mix aus Surfen und Kanufahren. Man steht auf einem Brett, ähnlich einem Surfbrett, mit einem langen Paddel in der Hand, und bewegt sich gleitend auf einem Gewässer fort. Blutige Anfänger lässt Mario Lach zuerst auf dem Brett knien, um sich an die doch ein bisschen wackelige Angelegenheit zu gewöhnen. Aber die meisten stehen innerhalb von fünf Minuten auf und probieren es stehend, so wie es sich gehört. Beim Stand-up-Paddling steht man mit den Füßen parallel, die Knie leicht gebeugt, der Oberkörper gerade; das Paddel, das um rund 30 Zentimeter länger ist als man selber, wird mit gleichmäßigen Zügen aus der Schulter heraus ins Wasser gezogen wie beim Kanufahren. „Das Tolle am SUP ist, dass das Board im Gegensatz zum Surfbrett kippstabil ist. Das Standup-Board ist mindestens drei, manchmal sogar bis zu vier Meter lang und 80 Zentimeter breit. Es ist einem Longboard beim Surfen ähnlich“, so Lach. Es hat mehr Volumen und dadurch liegt es stabiler am Wasser. „95 Prozent der Paddler fallen nicht ins Wasser“ – klingt lustig, ist aber so. Der Grund ist das Brett.

Anfangs war Stand-up-Paddling keine Sportart, sondern die Möglichkeit für polynesische Fischer, die Tiere im Wasser stehend in ihren Kanus besser beobachten zu können. Lange Zeit später war das Board dann eine bequeme Fortbewegungsart für Surflehrer auf Hawaii. Mit dem Stechpaddel kamen sie schneller zu ihren Schülern und hatten einen besseren Überblick über herannahende Wellen. Und wenn es einmal keinen Wellengang gab, dann war es eine Alternative zum Surfen. Um die Jahrtausendwende hat sich SUP dann als eigenständige Sportart entwickelt, anfangs am Meer, zunehmend aber auch auf Binnengewässern. 

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Ganzkörper-Training 

Wenn man die ersten „Schritte“ auf dem Board gemacht hat, also stabil steht, das Paddel eintaucht und dahingleitet, da packt einen schon der Übermut. Das Paddel wird stärker und schneller ins Wasser getaucht, der Körper schwingt mit, balanciert aus, die Muskeln sind angespannt vom Kopf bis zu den Zehen. „Stand-up-Paddling ist ein großartiges Ganzkörper-Training, das jeder ausüben kann“, kommt Lach ins Schwärmen. Zu Recht. Beim Paddeln werden die Schultern – besonders der Delta- oder Dreiecksmuskel – und der Rücken – dabei besonders der breiteste Rückenmuskel, der Latissimus – trainiert. Für die Balance am Brett sorgen vor allem Oberschenkel-, Bauch-, Rücken- und Rumpfmuskeln. Viele haben das Gefühl, nach einer Stunde Stand-up-Paddling sportlich „etwas gemacht zu haben“. Es ist ein sanftes Ausdauertraining, sanfter als Laufen, sanfter als im Fitness-Studio, aber effektiv. Das hat nun auch eine sportwissenschaftliche Arbeit belegt. Sie hat die kräftigende Wirkung von SUP für die Bauch- und Rückenmuskulatur mit einem speziellen Rumpfmuskeltraining verglichen. Und der Vergleich macht sicher: Beim Stand-up-Paddling ist die Kräftigung sowohl der geraden als auch der schrägen Bauchmuskeln wesentlich größer. Und das ganz spielerisch. Hat was.

Sportwissenschaftler Mario Lach sieht bei seinen Kunden verschiedene Zugänge um SUP: „Die einen wollen Entspannung und Erholung vor allem nach der Arbeit, da spielt der sportliche Effekt eine Nebenrolle. Die anderen wollen gerade im Sommer nicht ins Fitness-Center oder laufen gehen, die nutzen dann die Sportart als Workout. Eine kleine Gruppe von Sportlern gehört zu den Racern, die paddeln zwischen 20 und 50 Kilometer und machen auch bei diversen Wettkämpfe mit.“ SUP geht nämlich nicht nur am Fluss, sondern auch am Meer, mit Wellen oder ohne. Altersbeschränkung gibt es so gut wie keine. Kinder ab sechs Jahren stellt Mario auf ein entsprechend kürzeres Brett, nach oben hin gibt es kein Limit. Sogar eine 70-Jährige habe es probiert, erzählt er. Wichtig ist, dass man schwimmen kann, denn mitunter ist ein Sprung ins Wasser eine ungewollte Abkühlung. Kinder bekommen fix immer eine Schwimmweste und sowohl Sonnenschutz als auch Brille sind ein Musthave. Es ist ja keine Seltenheit, dass ein Trendsport mit einem anderen kombiniert wird. Davor hat natürlich auch Stand-up-Paddling nicht haltgemacht. Warum also nicht auf dem Board Yoga-Übungen machen? So bieten findige Yoga-Lehrer Asanas, also Yogapositionen, auf dem Wasser an. Zuerst wird gepaddelt, dann werden Sonnengruß, Baum oder herabschauender Hund auf dem Board durchgeführt. Anfangs ist es manchmal eine etwas nasse Angelegenheit, denn was auf normalem Untergrund schon Konzentration auf die innere Mitte erfordert, ist auf dem Wasser um eine Spur anstrengender und endet mitunter im Wasser. (Von vielen bei Hitze übrigens gewollt! Wer geht bei 30 Grad schon gerne ins Yoga-Studio?) 

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Sonnengruß am Board 

Yoga am SUP-Board gibt einem das Gefühl zu schweben, man spürt die Energie des Wassers, man kräftigt und dehnt den Körper und kann den Geist zur Ruhe bringen, wenn man den Fokus nach innen richtet. Der neueste Trend heißt übrigens aufblasbares Stand-up-Board: Um ein paar hundert Euro kann man bereits Brett, Paddel, Blasbalg und Rucksack erstehen. Beratung beim Kauf oder zumindest das Studieren von Testberichten – wenn man online bestellt – ist jedenfalls zu empfehlen. Denn auch bei dieser eigentlich sehr jungen Sportart gibt es bereits eine große Auswahl an Sportgeräten. Ob sportliches Allround-Touren-Brett oder Raceboard, runde breite oder spitze Nase, langes oder extralanges Brett – mit der perfekten Ausrüstung heißt es: draufstellen, lospaddeln, Spaß haben.

  

Mag. Lisa Ahammer

August 2017


Bilder: shutterstock; privat


    

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Kommentar

Maximaler Spaß Kommentarbild Mario Lach, Sportwissenschaftler, SUP-Center, Wien „Stand-up-Paddling ist ein perfektes Ganzkörper-Training. Es stärkt Bauch, Rücken und Rumpf und ist absolut gelenkschonend. Die Kombination aus Sport und Natur ist für jeden geeignet.“

Mario Lach

Sportwissenschaftler, SUP-Center, Wien

‌ Zuletzt aktualisiert am 07. August 2017