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Herzmassage bei einem Mann

Koronare Herzerkrankung: Vier Lebensstilfaktoren können das Risiko modifizieren

Die Genetik spielt eine große Rolle bei der Entstehung koronarer Herzkrankheiten (KHK), aber vorherbestimmt ist deren Auftreten nicht. Eine große Untersuchung mit mehr als 55.000 Teilnehmern zeigt, dass das genetische Risiko – selbst wenn es hoch ist – durch einen günstigen Lebensstil um fast 50 Prozent verringert werden kann, berichtet die deutsche Ausgabe der Medizinplattform medscape.com. 

Dies berichtete Prof. Dr. Sekar Kathiresan, Direktor des Center for Human Genetics Research am Massachusetts General Hospital in Boston, am 13. November 2016 bei der Jahrestagung der American Heart Association (AHA) in New Orleans. 

Zeitgleich ist die Studie im New England Journal of Medicine erschienen. Darin ziehen Dr. Amit V. Khera, ebenfalls vom Center for Human Genetics Research am Massachusetts General Hospital, und sein Team drei bemerkenswerte Schlussfolgerungen:

  • Erbliche DNS-Variationen und Lebensstilfaktoren beeinflussen unabhängig voneinander die Anfälligkeit für KHK.
  • Ein gesunder Lebensstil führt in allen genetischen Risikokategorien zu einer vergleichbaren relativen Risikoreduktion für Koronarereignisse. Die absolute Risikoreduktion ist bei denjenigen mit dem höchsten genetischen Risiko am höchsten.
  • DNS-basierte Risikoschätzungen sind kein vorherbestimmtes Schicksal und bedeuten nicht, dass die Ergebnisse unbeeinflussbar sind. Lebensstilfaktoren können unabhängig vom genetischen Risikoprofil des Patienten stark in das tatsächliche Risiko eingreifen.

Die Studie enthält Daten von insgesamt 55.685 Teilnehmern aus zwei US-amerikanischen und einer schwedischen Studie. 

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Vier Faktoren sind entscheidend 

Als wie gesund der Lebensstil der Teilnehmer eingestuft wurde, hing von vier Faktoren ab: Nichtrauchen, keine Fettleibigkeit, regelmäßige körperliche Aktivität und gesunde Ernährung. Studienteilnehmer, die mindestens drei dieser gesunden Lebensstilfaktoren auf sich vereinten, wiesen demnach einen günstigen Lebensstil auf. Lag keiner oder nur einer der vier Faktoren vor, galt der Lebensstil als ungünstig. 

Während der fast 20-jährigen Nachbeobachtung kam es in einer Studie zu 1.230 Koronarereignissen – Herzinfarkten, koronaren Revaskularisierungen [Gefäßneubildung] und Todesfällen aufgrund koronarer Ursachen. In den beiden anderen Studien waren es 971 bzw. 29.012.

Die Wissenschaftler um Khera berichten von der Beobachtung eines Risikogefälles: „Die Teilnehmer mit hohem genetischem Risiko hatten ein signifikant höheres Risiko für Koronarereignisse als diejenigen mit niedrigem genetischem Risiko“, schreiben sie. 

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Verbesserungen unabhängig vom genetischen Risiko 

Unabhängig vom genetischen Risiko galt: Ein günstiger Lebensstil war mit einem substanziell niedrigeren Risiko für Herz-Ereignisse verbunden als ein ungünstiger Lebensstil.

Bei den Teilnehmern mit hohem genetischem Risiko war ein günstiger Lebensstil mit einem 46 Prozent niedrigeren Risiko für Koronarereignisse assoziiert als ein ungünstiger.

Die Teilnehmer mit mittlerem oder niedrigem genetischen Risiko konnten ihre Erkrankungswahrscheinlichkeit durch einen günstigen Lebensstil in etwa dem gleichen Ausmaß reduzieren: Um 45 Prozent bei niedrigem genetischen Risiko und um 47 Prozent bei mittlerem genetischen Risiko. 

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Bei ungesundem Lebensstil helfen auch die besten Gene nicht 

Umgekehrt wurde ein geringes genetisches Risiko für KHK durch einen ungünstigen Lebensstil zum großen Teil aufgehoben. Eine der amerikanischen Studien zeigte, dass sowohl genetische als auch Lebensstilfaktoren mit der Verkalkung der Koronararterien verbunden sind. Und in allen genetischen Risikokategorien war ein günstiger Lebensstil signifikant mit einer geringeren Verkalkung verknüpft.

Die Autoren um Khera räumen ein, dass sich nicht feststellen lasse, ob es sich bei der Verbindung der Lebensstilfaktoren mit dem Risiko für KHK um eine ursächliche Beziehung handele, da die Treue gegenüber dem gesunden Lebensstil nicht eindeutig untersucht wurde (randomisiert). Dennoch „liefern unsere Ergebnisse Evidenz dafür, dass Lebensstilfaktoren das Risiko unabhängig vom genetischen Risikoprofil des Patienten gewaltig modifizieren können“.

 

Der gesamte Artikel wurde am 14. November 2016 auf Medscape Deutschland veröffentlicht und ist (nach kostenloser Registrierung) in voller Länge hier abrufbar.

 

Mag. Christian Boukal / medscapemedizin.de

Jänner 2017


Foto: shutterstock


‌ Zuletzt aktualisiert am 04. Januar 2017