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Tropenholz: Eine edle Belastung

Tropenholz: Eine edle Belastung Wer Tropenholz kauft, sollte unbedingt auf das Zertifikat achten. Tropenholz ist hart, pflegeleicht und hält lange. Deshalb ist es ein beliebter Baustoff. Doch um es zu gewinnen, wird meist massiver Raubbau an Regenwäldern betrieben. Dabei gibt es mittlerweile Alternativen aus heimischen Wäldern.

Der weitgereiste Gast hält nicht nur jede Menge Strapazen aus, vielen Menschen gefällt auch sein Äußeres sehr gut. Im Gegensatz zu heimischen Hölzern ist Tropenholz sehr hart, robust und auch widerstandsfähiger gegen Pilzbefall, während Holz aus heimischen Wäldern bei Nässe weniger dauerhaft ist. Die dunkle Maserung von Tropenholz wird als edel empfunden. Weil das Holz so strapazierfähig ist, wird es gerne im Außenbereich eingesetzt, etwa beim Terrassenbau, bei Gartenmöbeln, aber auch Fenster werden oft aus Tropenholz hergestellt.

Doch wer zu Hölzern aus Übersee greift, begeht oft unbewusst eine Umweltsünde. Urwälder speichern riesige Mengen an Kohlendioxid. Doch gerade dort wird beim Schlagen der Bäume buchstäblich rücksichtslos in den Wald geholzt und dadurch Kohlendioxid freigesetzt. Weltweit stammen 20 Prozent der Treibhausgasemissionen aus der Zerstörung von Wäldern, hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace berechnet. Das ist mehr, als der gesamte Verkehr (Straße, Luft, Schiffe) emittiert. Auch die Transportwege sind deutlich weiter als beim heimischen Holz, was die Ökobilanz der Tropenhölzer auch nicht positiv aussehen lässt.

Doch auch aus anderen Gründen rät Greenpeace vom Kauf von Tropenhölzern ab. „Es werden ja nicht nur Wälder brutal gerodet, auch die Arbeitsbedingungen der Menschen sind schlimm“, sagt Bernhard Obermayr vom Wiener Büro. Im Kongo etwa werde durch den Handel mit Tropenholz der Krieg finanziert.

Auch die Forstwirtin DI Dr. Asta Eder, die sich zehn Jahre lang an der Universität für Bodenkultur in Wien mit Tropenholz und Alternativen zu diesem beschäftigt hat, rät, sich vor dem Holzkauf zu informieren. „Man kann Tropenholz nicht grundsätzlich verdammen, aber man sollte schon unbedingt darauf achten, dass das Produkt mit einem Gütesiegel versehen ist.“ Dieses garantiert sozial und ökologisch verträgliche Waldnutzung, bei der Vergabe des Siegels wird der gesamte Prozess der Holzgewinnung unter die Lupe genommen. Als Alternative zu Hölzern aus dem Regenwald haben in den vergangenen Jahren Plantagen an Bedeutung gewonnen. Dort wird das Holz gezielt angebaut, es geht beim Schlägern kein wertvoller Regenwald verloren.

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Es gibt Alternativen

Doch auch das Argument, dass man in vielen Bereichen eben um das widerstandsfähige Tropenholz nicht herumkomme, stimmt so nicht mehr. „Es gibt auch andere Möglichkeiten. Regionales Holz kann mittlerweile so aufbereitet werden, dass es viel widerstandsfähiger ist und Tropenholz in der Langlebigkeit um nichts nachsteht“, sagt Eder.

Thermisch modifiziertes Holz aus heimischen Baumbeständen etwa wird 24 bis 48 Stunden lang bei Temperaturen zwischen 170 und 250 Grad erhitzt, wodurch Wassereinlagerungen in den Zellwänden teilweise abgebaut werden. Das Holz wird dadurch – ohne Zusatz von Chemie – härter und quillt bei Nässe deutlich weniger auf.

Weitgehend resistent gegen Pilzbefall kann man Holz auch durch chemische Veränderung machen. Essigsäureanhydrid oder Furfurylalkohol stabilisieren das Material so, dass der Wasserdampf in der Luft mit dem Holz nicht mehr reagieren kann. Die dritte Möglichkeit erinnert an Küchenarbeit. „Holz und Kunststoff werden quasi gemeinsam durch einen Fleischwolf gedreht“, erklärt Eder das „Wood-Polymer Composites-Verfahren“. Dabei überwiegt der Holzanteil mit bis zu 70 Prozent deutlich. Auch WPC ist gegenüber purem Holz sehr viel resistenter gegen Feuchtigkeit.

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Holzkauf mit Verantwortung

Tropenwälder wachsen entlang des Äquators in Mittel- und Südamerika, Afrika, Südasien und auf den pazifischen Inseln. Sie entstanden vor rund 60 Millionen Jahren und bedecken heute 14 Prozent der Erdoberfläche – nachdem in den vergangenen 30 Jahren bereits 40 Prozent der tropischen Regenwälder vernichtet wurden. Tropenwälder benötigen Lufttemperaturen von 15 bis 35 Grad, Bodentemperaturen von 23 bis 30 Grad. Es darf nie gefrieren, zudem müssen die Niederschläge sehr hoch sein. Durchschnittlich herrschen 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Mehr als die Hälfte der Regenwälder sind weltweit in Brasilien, Zaire und Indonesien zu finden. Im Washingtoner Artenschutzabkommen und in der EU-Artenschutzverordnung ist festgelegt, welche Holzarten nicht gehandelt und auch nicht verarbeitet werden dürfen: Rosenholz, Palisander, Eisenholz, Afrormosia, Amerikanisches Mahagoni, Ramin, Merbau und Quebracho.

Beim verantwortungsbewussten Holzkauf (nicht nur Tropenholz) helfen zwei Gütesiegel: FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes). Um diese Qualitätszeichen zu bekommen, müssen Sozial- und Umweltkriterien erfüllt werden; so dürfen etwa keine Pestizide verwendet werden, Menschen und Tiere bei der Schlägerung nicht gefährdet werden.


Birgit Baumann

Juni 2010

Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar:

Kommentarbild von DI Dr. Asta Eder zum FG-Printartikel "Tropenholz: Eine edle Belastung", Ausgabe 2/2010 „Tropenholz wird vor allem im Terrassenbau verwendet. Viele Menschen wissen gar nicht, dass es mittlerweile Alternativen gibt, etwa Wood Polymer Composites. Eine weitere Möglichkeit, Tropenholz zu umgehen, bieten modifizierte heimische Hölzer.“
DI Dr. Asta Eder
Forstwirtin, Expertin für innovative Holzprodukte, Wien

‌ Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015