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Kahler Kopf oder volles Haar: Erbgut entscheidet

Kahler Kopf oder volles Haar – Erbgut entscheidet Geheimratsecken sind häufig erste Anzeichen eines beginnenden Haarausfalls. Betroffen sind vorwiegend Männer. Der erste sichtbare Rückzug der Haarpracht beginnt zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr. Diese Art von Haarausfall ist genetisch bedingt und folgt einem bestimmten Muster.

Zuerst werden die Schläfen optisch höher, da in diesem Bereich die Haare meist zuerst verloren gehen. Dann lichtet sich das Haupthaar an Scheitel und Hinterkopf. In fortgeschrittenen Fällen kommt es zu einem Zusammenlaufen der kahlen Stellen. Dadurch entsteht der charakteristische hufeisenförmige Haarkranz um den Kopf.
 

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Genetisch bedingt

Diese Art des Haarausfalls wird androgenetische Alopezie genannt und tritt am häufigsten auf. „Es ist eine natürliche Spielart der Genetik“, sagt Univ. Prof. Dr. Herbert Hönigsmann, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Wien. „Tritt Haarausfall zu Tage, so handelt es sich in 90 Prozent um diesen erblichen Haarausfall. Mindestens 50 Prozent aller Männer sind davon betroffen. Für Männer ist diese Form des Haarverlustes also ganz normal“, so der Dermatologe. Haarausfall ist also etwas ganz natürliches und dient der Erneuerung der Haarpracht. Der Verlust von bis zu 100 Haaren am Tag kann vollkommen natürlich sein.
 

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Haare prägen Erscheinungsbild

Im Durchschnitt hat ein Mensch etwa 100.000 Haare auf seinem Kopf, wobei für verschiedene Haarfarben unterschiedliche Durchschnittswerte existieren. Blonde Menschen kommen durchaus auf 150.000 Haare, Rothaarige dagegen durchschnittlich auf nur 75.000 bis 90.000 Haare. Haare prägen das Erscheinungsbild ebenso wie das Selbstbild. Dieses gerät ins Wanken, wenn erst einmal die Haare fallen und kahle Stellen sichtbar werden.
 

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Nutzlose Wässerchen

Um dem Haarverlust entgegenzuwirken, werden Tinkturen, Wässerchen, Pillen angeboten und auch konsumiert. Doch die vermeintlichen „Wundermittel" können gar nicht helfen, denn die Ursachen liegen eben meist in den Genen: Beim männlichem, erblich bedingtem Haarausfall sind die Haarwurzeln einiger Stellen der Kopfhaut überempfindlich gegen bestimmte Sexualhormone , vor allem gegen das Hormon Dihydrotestosteron. Diese Überempfindlichkeit sorgt für das Absterben der Haarwurzeln.
 

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Haarausfall vorbeugen?

„Genetischer Haarausfall lässt sich nicht durch Vorbeugung verhindern. Sehr wohl aber lässt er sich behandeln“, sagt Hönigsmann. Er empfiehlt zwei Arten der medizinischen Anwendung.

  • Zum Auftragen an den empfindlichen Stellen empfiehlt er eine lokale Behandlung mit Minoxidil. „Vor allem bei jungen Männern besteht hier eine gute Erfolgschance, den Haarausfall zu stoppen“.
  • Zum Einnehmen empfiehlt sich Finasterid, das ist ein Mittel gegen Prostatavergrößerung. „Diese Mittel haben sich bewährt. Freilich helfen sie nicht in allen Fällen“, so Hönigsmann. Generell gilt: Je früher die Behandlung begonnen wird, umso höher die Erfolgschancen. Wer auf diese Art der Behandlung setzt, muss sich jedoch klar sein, dass es sich um eine Dauerbehandlung handelt. Der Erfolg ist an die Einnahme der Medikamente gebunden. Wird die Behandlung gestoppt, setzt sich der Haarausfall wieder fort.

 

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Weitere Formen

Neben dieser Form des Haarausfalls gibt es noch zwei weitere Formen.

  • Kreisrunder Haarausfall: Die Haare fallen hier oft innerhalb weniger Tage büschelweise aus und es entstehen scharf abgegrenzte kahle Stellen, vor allem am Hinterkopf und den Schläfen. Diese Form des Haarausfalls kann bis zur völligen Kahlheit führen. Die Behandlung des kreisrunden Haarausfalls ist sehr schwierig, da die Ursachen nicht genau bekannt sind. Man vermutet unter anderem Störungen des Immunsystems.
  • Diffuser Haarausfall: gleichmäßiges Ausdünnen der Haare auf dem ganzen Kopf. Vom diffusen Haarausfall sind Frauen und Männer gleichermaßen betroffen. Es kann sich um eine normale Alterserscheinung handeln. Aber auch zum Beispiel Infektionen, Entzündungen der Kopfhaut, Schwangerschaft, übertriebene Pflege, Medikamente, psychische Ursachen selten auch Nährstoffmangel können als Ursache in Frage kommen.


Kreisrunder und diffuser Haarausfall treten im Vergleich zur androgenetischen Alopezie (erblicher, „männlicher“ Haarausfall) selten auf.
 

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Körperhaare anders programmiert

„Die männliche Körperbehaarung fällt im Rahmen des androgenetischen Haarausfalls nicht aus, da diese Haare genetisch anders programmiert sind. Sie haben nicht die dafür verantwortlichen 5-alpha-Rezeptoren, genau so wie der üblicherweise bestehen bleibende Haarkranz am Kopf“, erklärt Hönigsmann. Nur bei einer seltenen Variante des kreisrunden Haarausfalls (Alopecia areata) kann es auch zum Ausfall der männlichen Körperbehaarung kommen.
 

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Rauchen als Ursache?

Immer wieder tauchen in den Medien Meldungen auf, wonach Rauchen Haarausfall fördern soll. Als Quelle dieser Meldungen dient meist eine Studie aus Taiwan, welche belegen soll, dass Rauchen Kahlköpfigkeit verursachen kann. „Dass Rauchen ungesund ist, wissen wir alle. Aber man sollte nicht sämtliche unerwünschte kosmetische Probleme darauf zurückführen. Es gibt ja auch zahlreiche Raucher mit lockigem Haar. Beim androgenetischen Ausfall spielen eine Fülle von, meist eben genetischen, Faktoren eine Rolle und man kann bei solchen Studien alles Mögliche hineininterpretieren. Die einzig vernünftige Studie wäre, eineiige Zwillinge, einer Raucher, einer Nichtraucher zu untersuchen, was allerdings nicht leicht sein dürfte. Auch wenn die Arbeit aus Taiwan in den Archives of Dermatology publiziert wurde, heißt das noch lange nicht, dass sie stimmt. Eine Publikation aus dem British Journal of Dermatology etwa fand keinen Zusammenhang zwischen Rauchen und Haarausfall“, sagt Hönigsmann.
 

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Sonne und Stress ohne Einfluss

Auch Stress scheidet der Dermatologe als mögliche Ursache aus. Dafür gebe es keinen wissenschaftlichen Nachweis. Ebenso wenig könne starke Sonneneinstrahlung Haarausfall verursachen. „Sonne kann zwar das bereits gewachsene Haar schädigen, aber nicht die Haarwurzeln“, so Hönigsmann. Mangelernährung hingegen kann in seltenen Fällen Haarausfall verursachen. „Etwa nach einer Crashdiät. Aber das ist sehr selten.“ Bestimmte Medikamente können dagegen schon zu Haarausfall führen. So etwa Blutverdünnungsmittel, Antirheumatika und Antiadepressiva.
 

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Kaum glatzköpfige Frauen

Haarausfall entsteht bei Frauen insbesondere wenn sie mit Männern verwandt sind, die an Haarausfall oder Glatzköpfigkeit leiden. Dabei ist in der Regel nur der Oberkopf betroffen, oder die Haare dünnen diffus aus. Zu einer totalen Glatzköpfigkeit kommt es selten. „Auch Frauen können fallweise eine Art männlichen Haarausfall haben. Das kommt vor nach dem Klimakterium, durch eine Hormonumstellung“, so der Dermatologe.
Die äußerliche Behandlung bei „männlichem Haarausfall" bei Frauen ist die gleiche wie bei männlichen Patienten. Frauen können dem Haarausfall zudem durch die Einnahme von Anti-Androgenen, also Substanzen, welche die Wirkung der männlichen Sexualhormone hemmen, entgegenwirken.

Dr. Thomas Hartl

April 2009

Foto: Bilderbox 

‌ Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015