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Kinder-Lobby: Wieder Kind sein dürfen

Kinder_lobby Die meisten Eltern wollen nur das Beste für ihr Kind. Was allerdings „das Beste“ ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Ein Umdenken in Gesellschaft und Politik will die neu gegründete Privatinitiative „Kinder-Lobby“ der Grieskirchnerin Mag. Eveline Doll erreichen.

Oft bedeutet in der heutigen Gesellschaft, ein Kind zu fördern, es möglichst früh zu möglichst vielen Veranstaltungen und Kursen anzumelden. Dann beschränkt sich die Rolle der Mutter dann nur mehr auf die einer „Transportunternehmerin“, die ihr Kind von der Musikschule zum Schwimmkurs und danach in den Englischkurs für Vorschulkinder transportiert.

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Experten: „Unverplante Zeit ist notwendig“

Die wissenschaftliche Forschung zeigt hingegen, dass die Eltern selbst ihren Kindern die wichtigste Basis geben, so die Gründerin der „Kinder-Lobby“. Nicht alleine den Kindern eine „möglichst breite Basis“ für den Start ins Leben mitzugeben, sondern auch absichtslose, unverplante Zeit“ ist wichtig für die gesunde Entwicklung der Sprösslinge. Und das am besten gemeinsam in der Natur und ohne Zeit- oder Leistungsdruck – ganz nach dem Motto der Initiative: „Kind sein dürfen“.

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Folgen des Leistungsdenkens

Die Lobby weist darauf hin, dass Leistungsdenken und die Lebensumstände unserer Gesellschaft zunehmend verhindern, dass Kinder eine kindgerechte Kindheit erleben dürfen. Dadurch kommt es sowohl zu körperlichen als auch psychischen Defiziten. Deren Folgen wirken sich zwar schon im Kindesalter aus, jedoch noch viel mehr im späteren Alter – und das mit immensen Folgekosten für Gesundheitswesen und Gesellschaft.

Dem entsprechend schlagen Experten aus Medizin, Psychologie und Pädagogik auch Alarm: Unsere Kinder verkrüppeln zunehmend körperlich und psychisch. Körperliche Beschwerden und Verhaltensauffälligkeiten sind die Folge:

  • Aggressive Kinder in Schulen mit erhöhtem Betreuungsbedarf und daraus resultierenden erhöhten Kosten
  • Kinder mit Defiziten im Sozialverhalten (zum Beispiel Schwierigkeiten bei Kontaktaufnahme, fehlende Konfliktlösungs-Strategien, gestörte Bindungsfähigkeit, mangelndes Verantwortungsbewusstsein)
  • Zunehmend Sprachfehler und mangelndes Ausdrucksvermögen (jedes zweite Kind im Alter von fünf Jahren ist betroffen, stellt eine Studie von Land OÖ und Caritas fest)
  • Probleme in der Motorik und körperlichen Koordination aufgrund mangelnder Bewegung (vor allem im Freien) und mangelnder Möglichkeit, sich körperlich zu erproben und wahrzunehmen (daraus resultierend mangelndes Selbstbewusstsein)
  • Massive Haltungs- und Rückenschäden (laut Gesundheitsministerium haben 40 Prozent der Volksschul-Kinder Haltungsschäden, 80 Prozent verkürzte Muskeln)
  • Zunahme von psychosomatischen Erkrankungen mit Spitalsaufenthalt schon bei Volksschulkindern (plus 30 Prozent in den vergangenen zehn Jahren laut Landes-Frauen- und Kinderklinik Linz)
  • Stark steigende Fälle von Computer- und Bildschirm-Sucht, resultierend aus

  - zu viel Medienkonsum (TV, Computerspiele, Gameboy,  Handyspiele) im Kleinkind- und Volksschulalter. Das beeinträchtigt erwiesenermaßen auch die Entwicklung des kindlichen Gehirns und die Fähigkeit, sich und die Umwelt wahrzunehmen
- stark steigender Fettleibigkeit und Fehlernährung (jedes fünfte Kind in Österreich ist übergewichtig, acht Prozent sind fettleibig, Tendenz steigend)
- mangelndem elterlichen Vorbild in Sachen Beziehungsleben, Konflikte austragen und lösen, Umgang mit Gefühlen, Verantwortung für andere übernehmen, emotionale Intelligenz – daraus ergibt sich die Frage, wie unsere Kinder später ihre Verantwortung für die Elterngeneration übernehmen werden.

Der Kinder-Lobby geht es aber keineswegs darum, Eltern oder Alleinerzieher zu brandmarken, sondern das Bewusstsein dahingehen zu schärfen, dass Kinder für ihre Entwicklung auch freie Zeit zum Spielen und elterliche Zuwendung brauchen und nicht nur dauernde Beschäftigung und „Vollzeit-Überwachung“.

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Ziele der Kinder-Lobby

Kinder-Lobby_logo-kinder-sein-duerfen Die Lobby will ein Umdenken in der Gesellschaft und Politik erreichen. Erreicht werden soll das durch die Plattform www.kinder-lobby.at, an der Experten aus Medizin, Psychologie und Pädagogik teilnehmen.

Kinder brauchen im Kindergarten- und Volksschulalter nicht nur Förderung „im externen Bereich“, sondern auch Zeit mit ihren Eltern. Dabei soll nicht das eine gegen das andere verrechnet werden, denn beides ist wichtig. Eltern soll bewusst werden, dass sie eine wesentliche Rolle in der Erziehung ihres Kindes spielen und sie deshalb eine gewisse Zeit mit ihnen verbringen sollten. Die Kinder-Lobby: „Bevor Sie Ihr Kind zum dritten Nachmittagskurs in der Woche anmelden, sollten Sie lieber diese zwei, drei Stunden entspannt (das heißt ohne festes Programm) mit dem/der Kleinen verbringen, idealerweise in der freien Natur und im Wald.“

Mehr Informationen finden Sie unter www.kinder-lobby.at.


Mag. Christian Boukal
Juni 2010


Foto: Bilderbox, www.Kinder-Lobby.at

‌ Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015