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Nahrungsmittel wie Tabak regulieren

Nahrungsmittel_wie_Tabak_regulieren_G_E_shutterstock_1596818.jpg Die Nahrungsmittelindustrie sollte genauso reguliert werden wie die Tabakindustrie, berichtet die BBC News. Fettleibigkeit würde ein größeres Gesundheitsrisiko als Zigaretten rauchen darstellen, zitiert die BBC internationale Gruppen wie „Consumers International“ (CI – weltweite Konsumentenschutzorganisation) und die „World Obesity Federation“ (WOF – Sachverständigenorganisation zum Thema Adipositas).

 

Neue Regeln sollten die Verpflichtung enthalten, den Gehalt von Zucker, Salz und Fett in Nahrungsmittel zu reduzieren, berichtet Pippa Stephens, Gesundheitsreporterin der BBC News. Die oben genannten Organisationen gehen in ihren Forderungen noch weiter: Sie möchten – ähnlich wie auf Zigarettenpackungen – Bilder auf den Lebensmittelpackungen sehen, die veranschaulichen, welchen Schaden Fettleibigkeit anrichten kann. Dem hält die britische „Food and Drink Federation“ entgegen, dass die Industrie daran arbeitet, den Konsumenten gesündere Alternativen zu bieten.

 

„Solange wir keine Maßnahmen ergreifen, wird die Nahrungsmittelindustrie dieselbe Kompromisslosigkeit und Verzögerungstaktik an den Tag legen wie die Tabakindustrie in den 1960ern“, sagt Luke Upchurch von CI.

 

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„Tabak-Situation“ vermeiden

 

Die beiden Organisationen – CI und WOF – raten den Regierungen rund um die Welt, verpflichtende Regeln für die Nahrungs- und Getränkeindustrie zu erlassen. Sie sagen, dass die Zahl an Todesfällen, die auf Fettleibigkeit und Übergewicht zurückzuführen sind, von 2,6 in 2005 auf 3,4 Millionen in 2010 gestiegen ist.

Sie schlagen vor, dass auf Basis neuer Regelungen den Gehalt an Salz, gesättigten Fettsäuren und Zucker in Lebensmitteln zu reduzieren und das Essen in Spitälern und Schulen zu verbessern. Darüber hinaus fordern sie, Werbung strenger zu kontrollieren und die Bevölkerung zu gesundem Essen zu erziehen. Ebenso sollen Werbeunterbrechungen im Fernsehen, die speziell auf Kinder zielen, beschränkt werden.

Transfette sollen innerhalb von fünf Jahren komplett aus allen Lebensmittel und Getränken verschwinden, fordern die Fachleute. Die Regierungen könnten demensprechend die Lebensmittelpreise kontrollieren, Steuern einführen, Lizenzvergabeverfahren ändern, damit ihre Forderungen in die Tat umgesetzt werden.

 

Würden ihre Forderungen nicht umgesetzt, drohe der Welt dieselbe Situation wie in den 1960ern, als die Tabakindustrie sagte, „dass nichts an Zigaretten falsch ist, sie sind gut für die Gesundheit und 30 oder 40 Jahre späten seine Millionen gestorben“, so Upchurch.

 

Upchurch hält in der BBC fest, dass diese Maßnahmen auf „höchster Ebene“ weltweit beschlossen werden müssten. Das bedeutet, dass nationale Regierungen „rechtsverbindlich“ verpflichtet werden müssten, die Regel einzuführen. Und nicht – wie bisher üblich – die Möglichkeit des Opt-Out hätten.

 

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Nur mit gesetzlichen Regelungen lösbar

 

Dr. Ian Campell, Krankenhausarzt und Gründer des britischen „National Obesity Forum“ (Nationales Adipositas Forum), hält fest: „Die Empfehlungen sind interessant und sind weithin vernünftig und praktikabel.“ Er stellt fest, dass erst wenn die Regierungen „ihre Verantwortungen wahrnehmen würden“ und die Bürger vor die Konzerne setzten „würden wir echte Veränderungen sehen“.

Er fügt hinzu: „Ein signifikanter Unterschied zwischen Tabak- und Lebensmittelregulation ist, dass wir Nahrung zum Überleben brauchen; Tabak brauchen wir dazu nicht. Unbestrittene Tatsache ist, dass Adipositas in hohen Maßen tötet und nur gesetzliche Maßnahmen, die direkt die fundamentalen Ursachen von Adipositas angehen, zu einer bedeutenden Abnahme ihrer Gefahren führen können.“

 

Dr. Tim Lobstein vom WOF ergänzt: „Wenn Adipositas ein ansteckende Krankheit wäre, würden bereits Milliarden von Dollar investiert worden sein, um sie in den Griff zu bekommen. Aber weil Adipositas weitgehend durch den Verzehr von fett- und zuckerreichen Lebensmittel verursacht wird, sehen wir die Entscheidungsträger unwillig, es mit den Interessen der Konzerne aufzunehmen, die diese Lebensmittel vertreiben.“

 

Mag. Christian Boukal

Mai 2014


Foto: shutterstock

‌ Zuletzt aktualisiert am 27. Juli 2015