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Neue Erkenntnisse zu Hormonersatztherapie

Neue Erkentnisse zu Hormonersatztherapie Das Brustkrebsrisiko unter einer Hormonersatz-therapie wird offenbar nicht nur durch Dauer und Art der Behandlung bestimmt. Maßgebend hierfür ist, laut einer aktuellen britischen Studie auch der Zeitpunkt des Therapiebeginns.

Zweifelsohne, Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine natürliche Periode im Leben einer Frau. Trotzdem, Frauen fühlen sich oft krank. Hitzewallungen, die von einer Sekunde auf die andere kommen, nächtliche Schweißausbrüche, die den Nachthemdenverbrauch in ungeahnte Dimensionen steigen lassen, Schwindel, Angst machendes Herzklopfen (womöglich Infarkt?), vollkommen unmotivierte Nervosität, quälende Schlaflosigkeit, Null-Power, Vergesslichkeit, ständig nah am Wasser gebaut, null Lust auf Sex, die auch darauf beruht, weil der Geschlechtsverkehr stark schmerzt – die Hormone spielen verrückt, und für viele Frauen sind die Wechseljahre der Gang nach Canossa.

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Von heilbringend….

Offensichtliche Erlösung brachte vielen gepeinigten Frauen die Hormonsubstitution, oder auch Hormonersatztherapie (HRT, Hormone Replacement Therapy). Die Begleitbeschwerden wurden gemildert oder schienen gar der Vergangenheit anzugehören. Vor rund zehn Jahren wurden Frauen in der Perimenopause, also jene Zeit, die ein bis zwei Jahre vor der eigentlichen Menopause liegt, noch aktiv zur HRT geraten, um das Herzinfarktrisiko, das Schlaganfallrisiko sowie Osteoporose zu vermindern.

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… zur Katastrophenmeldung

Bis die Horrormeldung 2001 von der Women Health Study (WHI-Studie) kam: Bei Frauen mit langjähriger Hormonersatztherapie mit Östrogen und Gestagen wird vermehrt Brustkrebs diagnostiziert.

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Was bewirkt die HRT?

„Die Hormonersatztherapie ist deswegen gefährlich, weil die Exposition - sozusagen das „Ausgesetztsein“ des Brustdrüsengewebes gegenüber weiblichem Geschlechtshormon - verlängert wird“, erklärt Dr. Ernst Rechberger, Leiter des Brustgesundheitszentrums am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz.

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Einflussfaktoren

Dr. Rechberger: „Bekannt ist, dass Frauen, bei denen die Menstruation sehr früh begonnen hat, ein höheres Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken als Frauen, bei denen die erste Regelblutung erst später einsetzt. Wo hingegen Schwangerschaften das Risiko verringern können. Die Antibabypille verlängert nicht die Dauer der Hormonexposition und erhöht deshalb das Brustkrebsrisiko nicht.“

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Drei Erkenntnisse

Mittlerweile gibt es sehr viele Studien zur Hormonersatztherapie. Die Auswertung der aktuellen britischen Daten aus der „Million Women Study“ bestätigt drei Erkenntnisse, die bereits in der oben genannten gewonnen wurden:

  • Das Brustkrebsrisiko nimmt mit der Dauer der Hormonersatztherapie (HRT) zu und mit dem Absetzen der Hormone wieder ab.
  • Bei einer kombinierten Östrogen-Gestagen-Therapie ist das Risiko für ein Mammakarzinom höher als bei einer Östrogen-Monotherapie.
  • Frauen, die gleich zu Beginn der Menopause mit der HRT beginnen, haben ein signifikant höheres Brustkrebsrisiko als Frauen, die damit noch mindestens fünf Jahre warten.


Als bedeutsam hat sich erneut erwiesen, wie lange die Hormonersatzbehandlung dauert. Eine kombinierte HRT von weniger als fünf Jahren erhöht das Brustkrebsrisiko um relative 62 Prozent und bei mehr als fünfjähriger Dauer um das Zweifache.

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Kombitherapie?

Die Frage ist: Warum erhalten Frauen denn eine kombinierte Therapie, wenn diese höhere Risken aufweist? „Eine kombinierte Östrogen-Gestagen-Therapie ist deswegen notwendig, weil die meisten Frauen in der Menopause ja noch die Gebärmutter haben“, erklärt Rechberger. Die Gabe von Östrogen alleine führt zu erhöhtem Endometriumkarzinomrisiko (bestimmte Form des Gebärmutterkrebses). Eine Kombinationstherapie verhindert dies. Frauen, denen die Gebärmutter bereits entfernt wurde, können mit einer alleinigen Östrogentherapie behandelt werden.

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Kein Lifestylemedikament

„Klar ist, diese neue Studie bestätigt letztlich ja schon bekannte Ergebnisse - dass eine Hormonersatztherapie nur nach strenger Indikationsstellung und vorheriger Aufklärung der Frauen über die Risiken verschrieben werden darf“, sagt der Mediziner. Besonders für Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt waren, sollte die HRT keine therapeutische Option mehr darstellen. Die Behandlungsdauer sollte so kurz wie möglich sein. „Eine Hormonersatztherapie als ‚Lifestylemedikament’ oder ‚Anti-Aging’ Pille, um die schwindende Jugend zu erhalten, hat keinen Platz in einer verantwortungsvollen Medizin“, unterstreicht Rechberger.

Elisabeth Dietz-Buchner

Februar 2011

Foto: Bilderbox

‌ Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015