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Arbeitshandschuhe mit Chromat belastet

Arbeitshandschuhe mit Chromat belastet Die Arbeiterkammer Burgenland hat Arbeitshandschuhe auf die Belastung durch Chromat untersucht. Chromat darf in Arbeitshandschuhen nicht nachweisbar sein. Es kann schon bei geringer Konzentration zu allergischen Reaktionen führen.

Arbeitshandschuhe mit Ledereinsätzen finden sich in nahezu jedem Haushalt. Wer sein Hände bei Garten- und Holzarbeiten oder beim Heimwerken schützen will, besorgt sich im Baumarkt oder beim Diskonter ein Paar. Grund genug für die burgenländische Arbeiterkammer die Schutzhandschuhe unter die Lupe zu nehmen.

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Mit Chromat belastet

Der aktuelle AK-Test hat gezeigt: Entgegen den geltenden Bestimmungen sind viele Produkte mit Chromat belastet. Chromat kann schon bei geringen Konzentrationen zu Hautallergien („Maurerkrätze“) führen.
Die Stichprobe umfasste zwölf Produkte, die bei sieben Baumärkten und Lebensmitteldiskontern eingekauft wurden. Pro Produkt wurden je 2 Paar vermahlen und analysiert. Das Prüfergebnis ist höchst unerfreulich: In jedem zweiten Produkt wurde Chromat – in zum Teil hohen Konzentrationen nachgewiesen.
Das beunruhigende für Konsumenten ist, dass sie keine Möglichkeit haben, vor dem Kauf zu erkennen, ob ein Produkt chromatbelastet ist oder nicht. Weder die Marke, noch die Produktkennzeichnung, noch der Preis lieferten verlässliche Hinweise darauf, ob ein Produkt möglicherweise allergieauslösend ist oder nicht.
So wiesen

  • sechs Produkte ein CE-Kennzeichen auf, obwohl sie mit Chromat belastet waren.
  • In drei Fällen wiesen einzelne Produkte einer Marke Chromat auf, andere nicht.
  • In den drei billigsten Produkten wurde Chromat nachgewiesen, auch im mittleren Preissegment war jedes zweite Produkt belastet. Nur die drei teuersten Produkte wiesen keine Chromatbelastung auf.

Die Ergebnisse zeigen, dass es von der Herstellung bis zum Verkauf des Produktes gravierende Mängel gibt, so die AK. Unzureichende Kontrollen bei der Herstellung, beim Import und der Marktüberwachung führen einer unnötigen Gefährdung.

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Forderungen

  • Hersteller und Importeure müssen sicherstellen, dass Arbeitshandschuhe der europäischen Norm DIN EN 420 entsprechen und der Grenzwert eingehalten wird. Die Herstellung von chromatfreiem Leder ist bei entsprechender Kontrolle während des Fertigungsprozesses kein Problem.
  • Das Wirtschaftsministerium muss als zuständige Behörde regelmäßige Kontrollen sicherstellen. Nur so können problematische Produkte, die in den Handel gelangt sind, aus dem Verkehr gezogen werden.
  • Handelsbetriebe müssen die betreffende Ware bei Beanstandungen sofort aus dem Verkauf nehmen.
  • Die Kennzeichnungspflicht muss eingehalten werden. Jeder Arbeitshandschuh muss folgende Kennzeichnungen aufweisen: Name des Herstellers, Handschuh- und Größenbezeichnung, CE-Kennzeichnung, der Produktkategorie entsprechende Piktogramme, geltende Leistungsindikatoren und Referenz der geltenden Norm.

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Tipps für Konsumenten:

Konsumenten können gefährliche Produkte nicht erkennen. Auch Herkunftsland, Marke und Preis bieten keine sicheren Hinweise auf mögliche Chromat-Belastungen von Arbeitshandschuhen.

  • Vorsicht ist geboten, wenn Produkte aus unterschiedlich gefärbtem Leder zusammengesetzt sind. Es besteht die Gefahr, dass nicht alle Bestandteile ordnungsgemäß überprüft wurden.
  • Lederhandschuhe sollten nur bei einer mechanischen Belastung der Hände getragen werden.
  • Bei Kontakt der Hände mit Produkten, die Zement enthalten, wie zum Beispiel Mörtel oder Fliesenkleber, sollten immer hochwertige Arbeitshandschuhe verwendet werden, die zumindest im Finger- und Handtellerbereich wasserdicht sind. Dies schließt die Gefahr eines Kontaktes mit Chromat aus.
  • Wer unter einer Chromat-Allergie leidet, sollte das Tragen von Leder auf der Haut generell vermeiden.
  • Cremen Sie die Hände nach dem Tragen von Lederhandschuhen mit Hautpflegeprodukten ein.
  • Achten Sie auf die Kennzeichnung. Neben der Handschuh- und Größenbezeichnung müssen Anwendungshinweise und vor allem der Hersteller oder Importeur mit Namen angeführt sein. So ist bei Reklamationen der Ansprechpartner bekannt.
  • Die CE-Kennzeichnung ist kein sicherer Hinweis darauf, dass das Produkt unbedenklich ist. Das CE-Zeichen wird in der Regel vom Hersteller selbst angebracht. Es sollte darauf hinweisen, dass das jeweilige Produkt die Anforderungen aller für dieses Produkt gültigen EG-Richtlinien erfüllt. Der aktuelle AK-Test zeigt erneut, dass das Zeichen mitunter missbräuchlich verwendet wird.

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Wie kommt Chromat in den Handschuh?

Bei der Herstellung von Leder wird überwiegend die Chromgerbung eingesetzt. Dabei wird das für den Menschen weitgehend unschädliche dreiwertige Chrom verwendet. Verunreinigungen des Chrom-III-Gerbstoffes und mögliche chemische Einflüsse beim Gerben können aber zu Chrom-VI-Konzentrationen im Leder führen.
Oft wird auch beim Gerben zu viel Chromsalz eingesetzt. In der Folge bleibt überschüssiges, nicht gebundenes Chrom-III im Leder. Wird dieses nicht ausgewaschen kann sich daraus später bei der Verwendung der Lederprodukte Chromat bilden. Chrom-VI kann bei dafür sensibilisierten Personen bereits bei geringen Konzentrationen Hautallergien (Maurerkrätze).
Chromgegerbte Lederschutzhandschuhe werden zu etwa 90 Prozent aus Drittländern wie Pakistan, China oder Indien importiert. Hier gibt es offenbar gravierende Mängel bei der Fertigung.

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Kontaktallergie

Chromat kann eine Kontaktallergie auslösen. Das Problem einer Kontaktallergie ist – man wird sie nicht mehr los. Sie entsteht durch direkten Kontakt der Allergieauslöser (Allergene) mit der Haut (Sensibilisierung).
Durch die Hautfeuchte/Schweiß oder wenn das Leder im Umgang mit Mörtel oder Fliesenkleber nass wird, wird das Chromat aus dem Leder gelöst. Das Allergen dringt durch die Haut in den Körper, wo es vom Immunsystem bekämpft wird. Diese Abwehrreaktion beim Erstkontakt prägt sich das Immunsystem ein – bei wiederholtem Kontakt wird eine allergische Reaktion der Haut ausgelöst. Die Symptome treten erst einige Stunden bis Tage nach dem Kontakt mit dem Allergen auf.
Typische Symptome sind stark juckende Rötungen, Bläschen, Schwellungen und Schuppungen der Haut. Eine Sensibilisierung wird immer unbemerkt erworben, da der Körper erst bei wiederholtem Kontakt allergisch reagiert. Eine Zuordnung ist dann mitunter schwierig.
Daher sollte bei Ekzemen immer ein Allergietest gemacht werden. Eine Sensibilisierung bleibt ein Leben lang bestehen, auch wenn der Erstkontakt schon Jahre zurück liegt. Eine Heilung ist nicht möglich. Den Betroffenen bleibt nur, den Kontakt mit dem Allergen zu meiden.

Mag. Christian Boukal

August 2010

Foto: Bilderbox

‌ Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015