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Nägel werden gefeilt

Nagelpsoriasis - Schuppenflechte an den Nägeln

Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Rund die Hälfte der Psoriatiker entwickelt Schuppenflechte auch an den Nägeln. Nagelpsoriasis kann die Fingernägel und/oder die Zehennägel betreffen. Mittels Therapie lassen sich die Symptome behandeln, allerdings ist viel Geduld nötig.

Bei einer Nagelpsoriasis können einige oder alle Fingernägel und/oder Zehennägel betroffen sein, alle Variationen sind möglich. In seltenen Fällen ist auch nur ein einziger Finger- oder Zehennagel erkrankt.

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Nagelpsoriasis erkennen

Die optischen Veränderungen an den betroffenen Nägeln sind deutlich erkennbar, ihre Ausprägung variiert jedoch von Fall zu Fall. Typischerweise verändern sich Farbe (die Nägel färben sich zunehmend weiß) und Form der Nägel. Möglich sind Einkerbungen an der Nageloberfläche, Risse, Grübchen in der Nagelplatte (sogenannte Tüpfelnägel), Zerstörung der Nagelplatte („Krümelnägel“) und runde Stellen, die aussehen, als wäre ein Tropfen Öl aufgebracht worden (sogenannte Ölflecken). Nägel können sich auch ablösen. Kommen Entzündungen hinzu, kann das auch empfindliche Schmerzen bereiten.

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Pilz oder Nagelpsoriasis?

Die Nagel-Schuppenflechte wird oft mit dem Nagelpilz verwechselt. Nur eine ärztliche Untersuchung zeigt zweifelsfrei, welche der beiden Erkrankungen vorliegt. In manchen Fällen sind sowohl eine Nagelpsoriasis als auch ein Pilz vorhanden. Im Gegensatz zu einem Pilz ist die Schuppenflechte nicht ansteckend.

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Diagnose

Der Großteil der von Nagelpsoriasis Betroffenen hat die Schuppenflechte auch auf der Haut. In diesen Fällen ist die Diagnose meist eindeutig. Liegt die Schuppenflechte jedoch ausschließlich an den Nägeln vor, ist die Diagnose oft erst nach genauer Untersuchung eindeutig möglich. „Diese Fälle sind aber eher die Ausnahme von der Regel. Wenn man die Patienten genau untersucht, findet man in den meisten Fällen eine Hautbeteiligung, zum Beispiel am Kopf unter den Haaren“, sagt Oberärztin Dr. Martina Schütz-Bergmayr, Leiterin der Psoriasis-Ambulanz, Klinik für Dermatologie und Venerologie, Kepler Universitätsklinikum Linz.

Im Zweifel legt der Arzt eine Pilzkultur zum Ausschluss eines Nagelpilzes an. Auch eine Biopsie ist möglich, sie hat aber den Nachteil, dass durch die Biopsie der Nagel und sein Umfeld erst recht verletzt werden können.

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Ursache, Auslöser

Bei der Schuppenflechte handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Bei der Nagelpsoriasis liegt meist eine Störung der Keratinbildung vor (Keratin ist ein Hauptbestandteil der Nägel).

Damit die Erkrankung ausbricht und sichtbar wird, muss zu einer angeborenen Neigung ein konkreter Auslöser hinzukommen. Die häufigsten Auslöser sind Stress (dauerhafte oder immer wiederkehrende Belastungssituationen), Hautverletzungen, bestimmte Medikamente (z.B. Betablocker) und virale Infekte. Risiko erhöhend sind Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Übergewicht.

Da Stress akute Schübe auslösen kann, ist die Stress-Vermeidung auch eine wichtige Präventionsmaßnahme. Auch die Reduktion von Übergewicht vermindert das Risiko eines Schubes. „Es gibt keine bestimmte Psoriasis -Diät, jedoch dürfte die sogenannte Mittelmeer-Kost positiv wirken“, sagt Dr. Schütz-Bergmayr.

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Verbindung mit Arthritis

Patienten mit Nagelpsoriasis leiden oft auch an Psoriasisarthritis (rheumatischer Schuppenflechte). „Das Risiko dafür ist deutlich erhöht, es liegt bei rund 30 Prozent“, sagt die Dermatologin. Freilich fallen die Entzündungsreaktionen an den Gelenken oft lange Zeit nicht auf, wodurch sie bis zum Ausbruch der Beschwerden oft unentdeckt bleiben.

Sind ausschließlich die Nägel von Schuppenflechte betroffen, handelt es sich um eine leichte Form der Psoriasis, bei der sich die üblichen Entzündungen im restlichen Körper (z.B. in Herz und Gehirn) nicht zeigen (in den Gelenken jedoch schon).

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Therapie

Die Behandlung orientiert sich am Schweregrad der Erkrankung und erfordert in jedem Fall viel Geduld. Für den Erfolg einer Therapie ist deren konsequente Einhaltung entscheidend.

Lokale Anwendungen: Salben, Tinkturen oder Nagellacke werden direkt an den befallenen Nägeln bzw. auf die Haut um die Nägel herum aufgebracht; sie wirken aber nur begrenzt und auch nicht dauerhaft. Eingesetzte Wirkstoffe sind Kortison, Harnstoff oder Vitamin-D3. Kortison lässt sich auch einspritzen. Bei verdicktem Nagel kann der Verdickung ein medizinischer Nagellack mitsamt luftdichter Folie entgegenwirken.

Biologika: Diese Medikamente wirken am effektivsten und lassen die Beschwerden oft völlig verschwinden. Sie werden vor allem in schweren Fällen (wenn alle Nägel betroffen sind oder der Patient schwer an den optischen Folgen leidet) angewandt. Der Einsatz von Biologika bei Nagelpsoriasis hat den Vorteil, dass dadurch der Übergang der Entzündung auf die Gelenke verhindert werden kann. „Die Medikamente sind gut verträglich und auch sehr gut geprüft. Allerdings muss man die Blutwerte kontrollieren und sich möglicher Risiken wie erhöhter Infektionsanfälligkeit bewusst sein“, sagt Dr. Schütz-Bergmayr.

Der Patient spritzt sich das Medikament selbst. Biologika werden als Dauertherapie eingesetzt, allerdings wird in der Wissenschaft die Notwendigkeit der Dauereinnahme diskutiert. Es wird zum Teil auch die Meinung vertreten, dass zwischen den Schüben mit der Medikation pausiert werden kann.

Andere Medikamente: Immunsuppressiva, Antirheumatika, Fumarsäure-Präparate und Retinoide; „Diese Medikamente wirken nur begrenzt und weniger effektiv als Biologika“, sagt die Dermatologin.

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Psychische Belastung

Die optischen Verformungen belasten bei den Betroffenen meist auch die Psyche, manche entwickeln Depressionen. „Nicht nur Frauen, sondern auch Männer in repräsentativen Berufen benötigen häufig psychologische Begleitbehandlung, die wir ihnen bei uns im Krankenhaus auch anbieten“, sagt die Leiterin der Psoriasis-Ambulanz.

Depressionen sind auch deshalb häufig Bestandteil einer Psoriasis-Erkrankung, weil es sich bei Schuppenflechte um eine entzündliche Erkrankung handelt, die auch im Gehirn Entzündungsreaktionen auslösen kann, woraus eine Depression und/oder Angsterkrankung entstehen kann.

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Erscheinungsbild verbessern

Eine medizinische Nagelpflege ist in schweren Fällen sinnvoll. Zudem sollte man die betroffenen Nägel vor Verletzungen und chemischen Reizungen schützen.

Frauen versuchen in der Regel die Nägel mittels Nagellack zu übertünchen. „Viele putzen die Nägel mit der Absicht eines besseren Erscheinungsbildes sehr ausführlich. Man sollte aber unter den betroffenen Nägeln nicht herum pulen, damit schädigt man die Nägel erst recht“, rät Dr. Schütz-Bergmayr.

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Verlauf

Der Verlauf einer Schuppenflechtenerkrankung ist nicht vorherzusagen, er ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, typischerweise tritt er in Schüben auf. Bei manchen Betroffenen dagegen zeigen sich die Symptome durchgehend. Die gute Nachricht: Die Erkrankung kann bei konsequenter Behandlung auch wieder verschwinden in dem Sinn, dass sich keine Symptome mehr zeigen.

 

Dr. Thomas Hartl

April 2018

 

 Bild: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 11. April 2018