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Mann bei Dialyse

Niereninsuffizienz – Wenn die Nieren versagen

Die Niereninsuffizienz (auch Nierenversagen oder Nierenschwäche genannt) führt zu einer Reihe von Beschwerden und Erkrankungen, die ohne Behandlung im schlimmsten Fall – dem völligen Ausfall der Nierenfunktionen – zum Tod führt.

Obwohl die beiden Nieren des Menschen nur relativ kleine Organe sind, erfüllen sie lebenswichtige Aufgaben. Durch den Harn entgiften sie den Körper, indem sie die Abfallprodukte des Stoffwechsels aus dem Blut filtern. Zudem regeln sie den Flüssigkeits- und Salzhaushalt, regulieren das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper und produzieren Hormone. 

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Ausfall der Nieren führt zur Vergiftung des Körpers 

Arbeiten Nieren nicht mehr richtig, lässt ihre Fähigkeit nach, die schädlichen (sogenannten harnpflichtigen) Stoffe zu filtern. Dieses Nachlassen bleibt lange Zeit unbemerkt, weil sie keine Schmerzen bereitet und daher ein deutliches Warnsignal fehlt. „Die Krankheit wird daher oft nur zufällig und manchmal erst in einem späten Stadium entdeckt“, sagt OÄ Dr. Bernadette Roberts aus dem Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck, Leiterin der Dialyse in Vöcklabruck.

Die Folge eines schleichenden Nierenversagens freilich ist fatal: Da die harnpflichten Stoffe im Körper bleiben, vergiften sie diesen. Versagen die Nieren völlig, führt das ohne Therapie zum Tod. Erfreulicherweise gibt es Nierenersatztherapien: Hämodialyse (Blutwäsche), Bauchfelldialyse oder die Nierentransplantation. 

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Akut oder chronisch 

Ein Nierenversagen kann plötzlich auftreten (akute Niereninsuffizienz) oder es handelt sich um einen langsamen Prozess, bei dem sich die Funktion der Niere nach und nach immer mehr verschlechtert (chronische Niereninsuffizienz).

Die akute Form zeigt sich binnen Tagen oder gar Stunden. Die häufigsten akuten Ursachen sind:

  • Plötzliche Mangeldurchblutung der Nieren, meist aufgrund eines Blutverlustes oder einer massiven Gefäßerweiterung (Schock), etwa bei Sepsis (Blutvergiftung) oder durch ein Herzversagen.
  • Medikamente, Röntgenkontrastmittel: Vor allem herkömmliche Schmerzmittel können zu einem akuten Nierenversagen führen. Schmerztabletten sollten daher unbedingt mit viel Wasser oder Tee einnehmen, das gilt umso mehr bei drohendem Flüssigkeitsverlust im Rahmen eines fieberhaften Infektes oder bei Durchfallerkrankungen.
  • Eine Harnabflussbehinderung, zum Beispiel durch eine vergrößerte Prostata, Steine oder Tumoren, kann ebenfalls zu einem Nierenversagen führen.

Kann die Ursache des akuten Nierenversagen rechtzeitig behoben werden, erholen sich die Nieren meist weitgehend. Manchmal bleibt jedoch eine Nierenschwäche oder sogar Dialysepflichtigkeit bestehen. 

Ursachen der chronischen Niereninsuffizienz sind vor allem Bluthochdruck und Diabetes, Gefäßkrankheiten, aber auch Entzündungen der Nieren oder auch angeborene Erkrankungen wie Zystennieren. „Aufgrund der steigenden Lebenserwartung erkranken immer mehr Menschen an den Nieren. Die Zahl der betagten Dialysepatienten nimmt erheblich zu“, sagt Roberts. Leidet ein Mensch bereits an einer chronischen Nierenschwäche, ist er gefährdet, zusätzlich ein akutes Nierenversagen zu erleiden, zum Beispiel durch die Einnahme von Schmerzmitteln oder durch Flüssigkeitsverlust im Rahmen von fieberhaften Infekten. 

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Erkennen und Diagnose 

Erste Anzeichen eines Funktionsverlustes sind sehr unspezifisch: Die Betroffenen fühlen sich müde, abgeschlagen, gereizt. Sie klagen über Appetitlosigkeit, Übelkeit, Konzentrationsschwäche. Dr. Roberts: „Geschwollene Beine und Augenlider und ein Schäumen des Harns können auf Eiweißverlust über den Harn hinweisen. Manchmal kann auch blutiger Harn beobachtet werden. Oft treten stark erhöhte Blutdruckwerte auf.“

Die chronische Niereninsuffizienz wird nach ihrem zeitlichen Verlauf in fünf Stadien eingeteilt. Eine Nierenerkrankung in den Stadien 1 und 2 ist in einem herkömmlichen Blutlaborbefund nicht zu erkennen. Erst ab Stadium 3 zeigt sich ein erhöhter Kreatininspiegel. Eine Diagnose in den beiden Anfangsstadien erfolgt oft aufgrund einer Harnuntersuchung. 

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Wann zum Arzt? 

  • Ganz wichtig: Wer an Bluthochdruck oder Diabetes leidet, sollte einmal im Jahr seine Nierenfunktion und den Harn kontrollieren lassen.
  • Oft führen die Betroffenen ihre Beschwerden (körperliche Schwäche oder Übelkeit) auf einen abgelaufenen Infekt zurück. Wenn man sich daher nach einem grippalen Infekt oder einer Durchfallerkrankung länger nicht erholt, ist es sinnvoll, sich die Nieren beim Arzt ansehen zu lassen.
  • Auffälliger Harn: Sehr viel Harn oder abnehmende Harnmenge, rötlicher oder schäumender Harn.
  • Wassereinlagerungen im Gewebe: Geschwollene Beine und Augenlider, Wasser in der Lunge.
  • Schwer einstellbarer Blutdruck.
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Krankheitsverlauf und Therapie 

Aufgrund der vielfältigen Funktionen der Niere zieht eine fortschreitende Niereninsuffizienz allmählich den gesamten Körper in Mitleidenschaft. Alle Organsysteme sind betroffen. Insbesondere nimmt das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen massiv zu. Die Therapie hängt von der Ursache und dem Erkrankungsstadium ab. Liegt eine entzündliche Nierenerkrankung vor, kann es erforderlich sein, Medikamente einzusetzen, die das Immunsystem hemmen. Bei Diabetes und Hypertonie ist es wichtig, die laufende Therapie zu optimieren. Zusätzlich ist eine gesunde Lebensweise mit richtiger Ernährung, eventuell Umstellung der Trinkgewohnheiten und viel körperlicher Bewegung wichtig.

„Es kann gelingen, durch diese Maßnahmen die Erkrankung in frühen Stadien zu stoppen, fast immer kann zumindest das Fortschreiten der Nierenerkrankung verzögert werden, sodass oft die Dialysepflichtigkeit verhindert werden kann“, sagt Roberts. Kommt es dennoch zum Endstadium der chronischen Niereninsuffizienz, der Urämie, kann durch Nierenersatztherapie (Hämodialyse, Bauchfelldialyse oder Transplantation) das Leben in lebenswerter Form aufrechterhalten werden. 

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Nieren gesund erhalten 

Ernährung: Wichtig ist es, ausgewogen zu essen und Übergewicht zu vermeiden. Die Ernährung sollte überwiegend vegetarisch sein. „Man sollte sparsam mit Zucker und auch mit Salz sein. Sind die Nieren bereits in ihrer Funktion beeinträchtigt, sollte man die Eiweißzufuhr reduzieren, das heißt, Fleisch sollte maximal zwei- bis dreimal pro Woche am Teller liegen“, so Roberts. Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz muss oft auf kalium- und phosphatarme Diät geachtet werden. 

Bewegung: Regelmäßige körperliche Bewegung kann eine chronische Niereninsuffizienz in jedem Stadium günstig beeinflussen. „Bewegung senkt den Blutdruck, den Blutzucker und die Blutfette. Man sollte sich so oft und so viel, wie individuell möglich bewegen, am besten täglich“, sagt Roberts. 

Schmerzmittel meiden: Vorsicht vor Schmerzmitteln. So kurz wie möglich und nur so viel wie nötig einnehmen und in jedem Fall reichlich dazu trinken. 

Blutdruck beachten: Sehr wichtig! Man sollte seinen Blutdruck kennen und ernst nehmen. Ein hoher Blutdruck wird oft wegen fehlender Symptome nicht bemerkt, schadet jedoch den feinen Gefäßfiltern in der Niere. Meist gelingt die Blutdruckeinstellung gut mit Medikamenten.

Diabetes: Ab Diagnosestellung auf eine optimale Blutzuckereinstellung achten. 

Nikotin: Nicht nur Lungen, Herz und Gefäße werden durch Nikotin geschädigt, sondern auch die Nieren. Daher unbedingt zu Rauchen aufhören.

 

Dr. Thomas Hartl

Jänner 2018


Foto: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 01. Februar 2018