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Erhöhte Blutfettwerte: Neue Ernährungsempfehlungen im Umbruch – Teil 2 Gemüse

Erhöhte Blutfettwerte: Neue Ernährungsempfehlungen im Umbruch – Teil 2

Jahrelang galt als Königsweg, zur Vorbeugung und Behandlung von Fettstoffwechselstörungen fettreduzierte und cholesterinarme Nahrungsmittel zu konsumieren. Mittlerweile ist eindeutig belegt, dass der Zusammenhang zwischen aufgenommen Cholesterin und Cholesterin im Blut nicht nennenswert ist. Darüber hinaus konnte kein Einfluss von Nahrungscholesterin auf das Herz-Kreislauf-Risiko gezeigt werden. 

Entsprechend diesen Erkenntnissen wird Nahrungscholesterin nicht mehr als bedenklicher Nährstoff eingestuft – und die empfohlene Obergrenze von 300 mg Cholesterin pro Tag wurde gestrichen.

„Traditionell wurde zur Senkung des Herzkreislaufrisikos seit 1980 eine fettreduzierte, cholesterinarme Ernährung empfohlen. Das Ersetzen von Nahrungsfett hat sich aber – nicht nur – in Bezug auf das Herzkreislaufrisiko als kontraproduktiv herausgestellt. Denn die Umsetzung dieser Empfehlung führte nicht nur zur Vermeidung fettreicher und dennoch gesundheitsförderlicher Nahrungsmittel, sondern auch zu einem ausgleichenden Mehrkonsum von stärke- und zuckerreicher Nahrung“, erklärt Dr. Katharina Lechner, Ärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin an der Medizinischen Universitätsklinik Klinikum rechts der Isar / Technische Universität München. 

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Neue Empfehlungen 

„Als effektiver zur Senkung des Herz-Kreislauf-Risikos haben sich Essmuster herausgestellt, bei denen industriell behandelte (raffinierte) stärke- und zuckerhaltige Nahrungsmittel durch Eiweiß und gute Fette im Rahmen einer gemüsebasierten Ernährung ersetzt werden. Deswegen werden auf konkrete Vorgaben zu Fett- und Cholesterinaufnahme zunehmend verzichtet“, so Lechner.

Isoliert betrachtet sind selbst die gesättigten Fettsäuren aus tierischen Produkten kein guter Vorhersagemarker für das Herz-Kreislauf-Risiko, sodass auch deren Begrenzung von einigen Fachgesellschaften bereits gestrichen wurde. 

Denn es ist nicht sinnvoll, alle Lebensmittel mit einem erhöhten Anteil an (gesättigten) Fetten als gesundheitlich problematisch zu kategorisieren. Da die gesundheitliche Auswirkung einzelner Nährstoffe ohne die Einbindung in die natürlichen Lebensmittel nicht zu beurteilen ist, ist es sinnvoller, konkrete Lebensmittel zu empfehlen. Besonders gesundheitsförderlich ist, wenn industriell verarbeitete Nahrung durch naturbelassene Lebensmittel  ersetzt wird.“, hält Lechner fest. 

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Blutfettwerte durch Lebensstil beeinflussbar 

Ungünstige Blutfettwerte können oftmals selbst positiv beeinflusst werden – auch ohne Medikamente. Das besonders, wenn erworbene Fettstoffwechselstörungen vorliegen, die heute aufgrund Bewegungsmangel und Fehlernährung ein großes Problem geworden sind. In diesen Fällen ist eine Lebensstiländerung (körperliches Training, Ernährungsumstellung) unerlässlich und in der Tat der wohl wichtigste Therapiepfeiler. Demgegenüber stehen die eher seltenen, genetisch bedingten Formen der Fettstoffwechselstörungen, bei denen eine medikamentöse Therapie erforderlich ist. Natürlich ist ein gesundheitsförderlicher Lebensstil aber gerade auch bei angeborenen Fettstoffwechselstörungen der weiteren Gesundheit sehr zuträglich. 

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Blutfette 

Unter dem Begriff „Blutfette“, deren Wert das Risiko von Gefäßerkrankungen festlegt, werden Gesamtcholesterin und Triglyzeride zusammengefasst. In den Standardtests werden neben dem Gesamtcholesterin und den Triglyzeriden in der Regel zwei Lipoprotein-Fraktionen bestimmt: Die Konzentration des LDL- sowie des HDL-Cholesterins. Denn aus der Höhe des Gesamtcholesterins alleine lässt sich nicht verlässlich ableiten, ob ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen vorliegt. Ausschlaggebend ist das Verhältnis der LDL- und HDL-Fraktionen. 

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Triglyzeride 

Triglyzeride werden – ebenso wie Cholesterin – über die Nahrung aufgenommen. Zudem kann die Leber Triglyzeride selbst herstellen. Dieser Stoffwechselweg wird insbesondere dann relevant, wenn im Kontext des heutzutage bewegungsarmen, sitzenden Lebensstils ein Übermaß an schnell resorbierbaren Kohlenhydraten aufgenommen wird. Typischerweise kommt es dabei nicht nur zu erhöhten Triglyceridwerten im Blut, sondern auch zur Fetteinlagerung in Lebergewebe und Bauchraum. Die daraus hervorgehende nichtalkoholische Fettlebererkrankung ist mit einer Häufigkeit von 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Europa und den USA tatsächlich ein großes Problem geworden. Denn sie ist ein Schrittmacher für die Zuckerkrankheit, Fettstoffwechselstörungen und Herzkreislauferkrankungen.

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Cholesterin 

Cholesterin erfüllt im Körper zahlreiche wichtige Aufgaben. Lebenswichtig ist es als Bestandteil von Zellmembranen sowie als Vorläufersubstanz von zahlreichen Hormonen, von Cholecalciferol (bekannt als „Vitamin“ D) und von Gallensäuren. Der Mensch benötigt täglich in etwa 1 bis 1,5 g Cholesterin, wobei der Körper den Großteil selbst herstellen kann und nur etwa ein Drittel des Bedarfs über die Nahrung aufgenommen werden muss. Wird aufgrund besonderer Ernährungsweisen kein Cholesterin über die Nahrung zugeführt (beispielsweise durch komplettes Vermeiden tierischer Produkte), wird Cholesterin ausschließlich durch Eigensynthese dem Körper zur Verfügung gestellt. Wird hingegen viel Cholesterin über die Nahrung aufgenommen, wird die Eigensynthese reduziert. Denn Cholesterin ist zu unverzichtbar für den Organismus, um nennenswert von äußeren Einflüssen wie beispielsweise der Bereitstellung durch die Nahrung abhängig sein „zu dürfen“. 

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Einfluss des Nahrungscholesterins auf das Cholesterin im Blut 

Viele Jahre wurde empfohlen, bei Fettstoffwechselstörungen das Nahrungscholesterin zu reduzieren. Mittlerweile ist eindeutig belegt, dass kein nennenswerter Zusammenhang zwischen Nahrungscholesterin und Serumcholesterin (also Cholesterin im Blut) besteht. Zudem – und noch viel wichtiger – konnte kein Einfluss von Nahrungscholesterin auf das Herzkreislaufrisiko gezeigt werden. Entsprechend wird Nahrungscholesterin nicht mehr als bedenklicher Nährstoff eingestuft – und die empfohlene Obergrenze von 300 mg Cholesterin pro Tag wurde gestrichen. 

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Einfluss des Cholesterins im Blut auf das Herzkreislaufrisiko 

Aus der Höhe des Gesamtcholesterins im Blut lässt sich nicht verlässlich ableiten, ob ein Risiko für Gefäßerkrankungen vorliegt. Wichtiger zur Abschätzung des Herzkreislaufrisikos ist, die Bestimmung der Lipoprotein-Fraktionen (HDL, LDL) sowie der Triglyzeride. Diese Blutfettwerte sollten darüber hinaus noch mit Hilfe von sogenannten „Risikorechnern“ mit weiteren Faktoren wie Rauchen, Diabetes mellitus, familiäre Vorbelastung und Alter in Kontext gesetzt werden, um das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bestimmen. Erst daraus kann eine sinnvolle Abschätzung des Herzkreislaufrisikos abgeleitet werden. 

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HDL-Cholesterin – „Abtransport“ aus den Gefäßen 

HDL-Cholesterin transportiert Cholesterin aus den Gefäßen zurück zur Leber. Dort wird Cholesterin umgebaut und zum Teil über Gallensäuren ausgeschieden. Daher werden hohe HDL-Werte mit einem niedrigeren Risiko für Herzkreislauferkrankungen assoziiert; niedrige HDL-Werte gelten als risikoerhöhend. Ein regelmäßiges körperliches Training erhöht das HDL, Zigarettenrauchen senkt es.  

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LDL-Cholesterin – „Anlieferung“ an die Gefäße 

LDL-Cholesterin transportiert das Cholesterin über den Blutkreislauf von der Leber zu den Körperzellen. Eine erhöhte LDL-Partikelzanzahl ist mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen assoziiert. 

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Fettstoffwechselstörungen 

Es gibt verschiedene Arten der Fettstoffwechselstörungen. Prinzipiell kann jede Blutfettfraktion erhöht (Hyper-), oder erniedrigt (Hypo-) sein. Sehr häufig kommt es zu kombinierten Fettstoffwechselstörungen, denen auch die heutzutage sehr häufige sogenannte „atherogene Dyslipidämie“ angehört. Dabei liegt eine Erhöhung der Triglyzeride in Verbindung mit einer Erniedrigung des HDL-Cholesterins vor. 

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Ernährungsempfehlungen bei Atherogene Dyslipidämie 

Insbesondere schnell umsetzbare Kohlenhydrate (zuckerreiche, stärkereiche und ballaststoffarme Kohlenhydratquellen) werden sehr ungünstig bewertet und sollten eingeschränkt oder so weit wie möglich vermieden werden. Kohlenhydratquellen mit einem hohen Ballaststoffanteil (Blattsalate, Gemüse, Hülsenfrüchte, …) hingegen wirken sich günstig auf Zucker- und Fettstoffwechsel aus. Denn ein hoher Ballaststoffanteil verlangsamt die Aufnahme der Kohlenhydrate ins Blut. Das wiederum bewirkt einen stabileren Blutzuckerspiegel und hat dadurch einen günstigen Einfluss auf Hunger und Sättigungsregulation und in weiterer Folge auf Körpergewicht und Fettverteilungsmuster. 

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Normalgewicht anstreben 

Übergewicht – und insbesondere ein bauchbetontes Fettverteilungsmuster – sind nicht selten ein „Sprungbrett“ für Stoffwechselstörungen. Denn Bauchfett produziert Botenstoffe, die entzündliche Prozesse in Gang setzen können und damit erhöhte Blutfette, Diabetes und Bluthochdruck fördern.

 

Diätologin Gabriele Harringer / Dr. Katharina Lechner / Mag. Christian Boukal

Mai 2018

 

Bild: shutterstock


Erhöhte Blutfettwerte: Ernährungsempfehlungen im Umbruch – Teil 1

Erhöhte Blutfettwerte: Neue Ernährungsempfehlungen im Umbruch – Teil 3



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Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2018