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Unreine Haut bei Erwachsenen

Unreine Haut bei Erwachsenen Mitesser, Pickel & Co. mögen bei Teenagern vielleicht noch als normal angesehen werden, im Erwachsenenalter sind sie meist aber nur lästig. Warum auch nach der Pubertät die Haut unrein sein kann, welche Ursachen dahinter stecken und wie man diese „Spätakne“ behandelt, erklärt Dr. Daisy Kopera.

Die Werbung lebt es vor: Ein strahlend schöner Teint wird mit Attraktivität, Vitalität und Gesundheit gleichgesetzt. Was aber, wenn der Blick am Morgen in den Spiegel nichts Gutes verheißt? Denn vor allem auf der Stirn, der Nase und am Kinn machen sich unschöne Mitesser (Komedonen), Papeln (rötliche Hautknötchen) oder Pusteln (Eiterbläschen) bemerkbar. Und das, obwohl man dem Teenageralter schon längst entsprungen ist. Was steckt hinter der Spätakne, die auch als „acne tarda“ oder postpubertale Akne bezeichnet wird? Univ.-Prof. Dr. Daisy Kopera von der Universitätsklinik für Dermatologie der Medizinischen Universität Graz sagt: „Unreine Haut im Erwachsenenalter ist meist auf hormonelle Schwankungen und auf eine individuell unterschiedliche Sensibilität der Talgdrüsen auf männliche Hormone zurückzuführen.“

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Ursachen der Spätakne

Während Östrogen die Entstehung von Pickeln hemmt, wird sie von Testosteron gefördert. Das ist auch der Grund, warum viele Frauen in der zweiten Zyklushälfte vermehrt zu unreiner Haut neigen. Die zunehmende Produktion von Hautfett in den Talgdrüsenfollikeln kann zur Verstopfung der Ausgänge der Talgdrüsen führen. Hinzu kann eine Verhornungsstörung der Follikelausführungsgänge kommen, wodurch ebenfalls der Talg nicht mehr nach außen gelangen kann. Die Folge: Der viele Talg weitet den Follikel aus. Dies führt zur Bildung von Mitessern. „Diese können durch verschiedene Faktoren entzündlich werden und im Extremfall narbig abheilen“, erklärt die Fachärztin für Dermatologie. Darüber hinaus hat auch der Lebensstil Einfluss auf das Erscheinungsbild der Haut. „Wer viel Alkohol trinkt, raucht und ungesund isst, also viele süße und fette Speisen zu sich nimmt, neigt eher zu Akne. Gut hingegen sind Bewegung, viel frische Luft und eine vernünftige Ernährung mit ausreichend Gemüse“, sagt Kopera. Zudem sollte man Stress vermeiden, da dieser ebenfalls Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Haut haben kann. „Auch wenn sich das sehr leicht sagt“, fügt die Ärztin hinzu.

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Behandlung ist Geduldsfrage

Nehmen die Pickel überhand, kann das auch psychische Probleme verursachen. Viele Betroffene leiden unter dem unreinen Hautbild und fühlen sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr wohl in ihrer Haut. Wann sollte also ein Arzt aufgesucht werden und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? „Zum Facharzt sollte man, wenn man darunter leidet“, rät Kopera kurz und bündig. Die Akne lässt sich sowohl lokal in Form von desinfizierenden, antibiotischen Cremes oder Gels als auch systemisch mit Tabletten behandeln. „Günstig ist es, im Frühstadium mit einer Lokaltherapie mit schälenden Cremes oder Präparaten, die verschiedene Säuren wie Frucht- oder Milchsäure enthalten, zu beginnen. Hilft das nicht, dann sollte man systemisch behandeln“, erklärt die Fachärztin. Hier können Antibiotika – bei Frauen auch Hormonpräparate, die das Hautbild positiv beeinflussen – zum Einsatz kommen. „Nützt das alles nichts, können Vitamin-A-Säure-Abkömmlinge, sogenannte Retinoide, dazu kombiniert werden. Sie bewirken eine Verminderung der Talgproduktion und sorgen damit für eine schönere Haut“, sagt Kopera und ergänzt: „Die Behandlung von Akne ist immer eine Geduldsfrage – sowohl für Betroffene als auch für die behandelnden Ärzte selbst. Schließlich dauert es oft Monate bis Jahre, bis sie abheilt.“

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Pickel nicht ausdrücken

Wer hat nicht schon einmal selbst Hand angelegt, wenn ein gelber Pickel bereits von Weitem im Gesicht zu erkennen war? Die Fachärztin für Dermatologie warnt allerdings davor: „Reinigen ja, drücken nein. Dabei wird meist mehr Schaden angerichtet als wenn man nicht drückt.“ Durch die schmutzigen Hände können nämlich Bakterien in die Haut gelangen und Entzündungen hervorrufen. Im schlimmsten Fall bleibt eine Narbe zurück. Wichtig hingegen ist, dass Betroffene morgens und abends das Gesicht gründlich mit einem Waschgel oder -schaum reinigen. Dann erfolgt die Behandlung mit einer Aknecreme oder einem -gel. Wer die Pickel doch ausdrücken möchte, sollte das lieber bei einem Kosmetikinstitut machen lassen.

MMag. Birgit Koxeder-Hessenberger
September 2013


Foto: Bilderbox

Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015