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Zahnbürste Zahnpaste

Putzschäden durch Zahnpasta?

Welche Bürsten und Pasten eignen sich am besten für die Mundhygiene? Ein Linzer Zahnarzt beantwortet die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.

Drogerie- und Supermärkte bieten Dutzende Produkte für die Zahnpflege an. Doch was ist sinnvoll und was eher verzichtbar? Der Linzer Zahnarzt Bernhard Zöchbauer gibt Auskunft:

 

OÖN: Können Zahnpasten für weißere Zähne den Zahnschmelz wirklich beschädigen?

Bernhard Zöchbauer: Den sehr harten Zahnschmelz kaum, aber sehr wohl die Wurzel. Die Produkte enthalten Putzpartikel, die wie Schleifpapier wirken. Der sogenannte RDA-Wert gibt Auskunft, wie viel Abrieb passiert. Sensitive Zahnpasta hat einen Wert von 20 bis 35, normale von 50 bis 70, Zahnpasten für weiße Zähne 200 und mehr. Letztere sollte man nur ein- bis zweimal pro Woche verwenden. Sonst kann es langfristig zu Putzschäden und kälteempfindlichen Zähnen kommen.


Beworben werden Produkte, mit denen man den Zahnschmelz wieder "hinaufputzen" kann. Geht das?

Darüber gibt es keine verlässlichen Auskünfte. Möglich ist es, dem Zahn wieder Mineralien zuzuführen und die Struktur dadurch dichter zu machen – das tut aber auch andere Zahnpasta. Das Volumen nimmt dadurch aber nicht zu und Löcher können nicht gefüllt werden.


Wie wirkt Zahnpasta für empfindliche Zähne?

Die Wurzeloberfläche kann empfindlich werden, weil feine Öffnungen bis zu den Nerven hinein verlaufen. Diese werden mit Mineralien verschlossen – zum Beispiel mit Zinnfluorid. Auch Proteine können sich in den Poren ablagern und den Zahn dadurch unempfindlicher machen.


Was bringt Fluor?

Das Mineral wird mit in den Zahnschmelz eingebaut und macht diesen säureresistenter. Neutral ist ein pH-Wert von 7. Ab 5 wird der Zahnschmelz angegriffen. Eingelagertes Fluor ist um ein bis zwei Stufen resistenter.


Wie viel Zahnpasta soll man nehmen?

Als Erwachsener ist ein ein Zentimeter langer Streifen genug, bei Kindern ein erbsengroßes Stück.


Welche Zahnseide ist ideal?

Am besten ist ungewachste Seide, denn sie wirkt besser als gewachste. Sie sollte fixer Bestandteil der Putzroutine sein – auch bei Kindern, die übrigens bis zum neunten Lebensjahr Hilfe bei der Zahnpflege brauchen.


Was halten Sie von sogenannten "Flossern", bei denen Zahnseide-Stücke fix eingespannt sind?

Gerade Kinder tun sich damit oft leichter und man kann auch damit gute Ergebnisse erzielen.


Wie sieht die ideale Zahnbürste aus?

Der Kopf sollte nicht mehr als zwei Zentimeter lang und einen halben Zentimeter breit sein, damit man überall gut hinkommt. Dicht stehende Borsten sollten oben abgerundet sein, sonst können sie das Zahnfleisch verletzen. Ein ebenes Borstenfeld ist ideal, Zickzack-Formen, extra lange Borsten dazwischen oder gefederte Griffe bringen nichts. Da geht es mehr um Marketing.


Soll man händisch oder elektrisch putzen?

Man kann mit beiden Methoden gute Ergebnisse erzielen. Für das händische Putzen braucht man etwas mehr Übung.


Ist eine Munddusche eine sinnvolle Ergänzung?

Ich würde so etwas nicht verwenden. Das Wasser entfernt Zahnbeläge nicht, kann aber Speisereste unter das Zahnfleisch drücken.


Wie steht es mit Mundwasser?

Damit lässt sich Mundgeruch vorbeugen und die Vermehrung der Bakterien reduzieren. Zahnbelag entfernt Mundwasser aber nicht.


Wie sinnvoll sind Kaugummis, die den pH-Wert erhöhen?

Sie steigern den Speichelfluss und normalisieren den pH-Wert, belasten aber Kiefergelenke und Zähne. Da ist es sinnvoller, zum Neutralisieren ein Glas Wasser zu trinken.

 

 

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Gesundheitsmagazin der OÖNachrichten

06. Juni 2018

 

 

Bild: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 13. Juni 2018