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Mann cremt das Gesicht ein

Auch die Haut des Mannes braucht Pflege

Männerhaut altert in der Regel langsamer als Frauenhaut. Trotz dieses genetischen Vorteils empfiehlt sich auch für Männer ein Mindestmaß an Pflege, um die Haut so lange wie möglich gesund und jung zu halten. Die beste und im Grunde einzige langfristige Anti-Aging-Maßnahme ist ein gesunder Lebensstil.

Die Haut der Frauen ist in der Regel zwar zarter und weicher, sie verliert ihr jugendliches Aussehen aber rascher als die der Männer. Ein Grund dafür liegt in den Hormonen. Bei Frauen führt der fortschreitende Verlust des Sexualhormons Östrogen bereits ab zirka 30 Jahren zu Fältchen, da die Spannkraft der Haut mehr und mehr nachlässt. In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel dann sehr schnell, die Haut wird dünner, ihr Kollagengehalt nimmt ab, aus Fältchen werden Falten.  

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Hormone und Bindegewebe als Vorteil 

Bei Männern sinkt der Hormonspiegel – und hier vor allem das männliche Sexualhormon Testosteron – viel langsamer. Testosteron regt die Talkproduktion an und das wiederum erhöht die Wasserbindung, wodurch Männerhaut straff und fest aussieht. Sie weist auch einen höheren Anteil an Kollagen, das ist ein hautstraffendes Eiweiß, auf. Die Bindegewebsfasern sind bei Männern stärker vernetzt und verleihen den Hautzellen mehr Stütz- und Spannkraft. Aufgrund des stärkeren Bindegewebes ist auch Cellulite für Männer kaum ein Problem. 

Durch vermehrte Talg- und Schweißproduktion ist der pH-Wert der Haut bei Männern niedriger. Der Säureschutzmantel ist robuster als der von Frauen. Männerhaut reagiert daher auf aggressive Einwirkungen wie zum Beispiel trockene Heizungsluft weniger empfindlich. Die Haut der Männer hat aber auch Nachteile. Sie ist großporiger als Frauenhaut, das Erscheinungsbild ist also grober. Weil die Talgdrüsen der Männer zumeist mehr Fett als bei Frauen produzieren, erscheint die Haut auch fettiger als weibliche Haut, was mitunter auch zur Entstehung von Akne beitragen kann. 

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Täglich waschen 

Auch wenn Männerhaut tendenziell langsamer altert, gehen die Jahre natürlich nicht spurlos vorüber. Ein Minimum an Hautpflege tut jedem Mann gut, unabhängig von seinem Hauttyp. So empfiehlt sich beispielsweise die tägliche Gesichtswäsche. „Am besten einmal morgens mit Wasser und abends mit pH-neutralen Syndets“, rät Dr. Gerald Wahl, Dermatologe am Kepler Universitätsklinikum in Linz. Syndets (synthetic detergents) enthalten als Schaum- und Reinigungskomponenten waschaktive Substanzen (Tenside), die durch chemische Synthese gewonnen werden. Syndets schäumen im Wasser wie Seife und haben eine vergleichbare, teilweise sogar höhere Reinigungswirkung.  

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Wichtige Feuchtigkeit 

Da Wasser die Haut austrocknet, sollte man sie, je nach Hauttyp, nach dem Waschen mit einer pflegenden Creme oder sogar Salbe einmassieren. Ein zu hoher Fettanteil im Pflegeprodukt kann jedoch auch kontraproduktiv wirken, da er die Entstehung von Mitessern und Akne fördern kann. Oft gilt also das Motto „weniger ist mehr“. Ein Zuviel an Pflege kann im schlimmsten Fall sogar Hautkrankheiten wie eine periorale Dermatitis oder Kontaktekzeme hervorrufen. 

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Individueller Hauttyp bestimmt Pflege 

Hautpflege bei Männern richtet sich nach der individuellen Beschaffenheit der Haut, je nachdem ob sie trocken oder fettig ist, ob sie gesund oder von Krankheiten wie Akne oder Schuppenflechte befallen ist. Hier wird die richtige und konsequente Hautpflege sogar zum wichtigen Therapiebestandteil. Auch das Alter und die Jahreszeit spielen bei der Wahl der Pflege eine Rolle. „Je älter der Mensch, desto trockener in der Regel seine Haut und desto rückfettender sollte die Pflege sein. Dies gilt umso mehr für die Wintermonate, in denen die Haut aufgrund der Heizungsluft noch mehr unter Trockenheit leidet als im restlichen Jahr.

Neigt die Haut dagegen zu einem fettigeren und grobporigen Bild – und das tut sie bei Männern häufig – sollte man feuchtigkeitsspendende Cremen oder Fluide verwenden. „Am besten lässt man sich beim behandelnden Dermatologen seinen jeweiligen Hauttyp bestimmen und sich eine individuell zugeschnittene Pflege empfehlen“, rät Dr. Wahl. 

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Rasur reizt die Haut 

Rasieren bedeutet für die Haut eine ständig wiederkehrende Reizung. Die Stärke des Bartwuchses hängt vom Hormon Testosteron ab. Zeigt sich die Gesichtshaut und der Hals nach einer Rasur stets irritiert (eine Rötung tritt auf, die juckt und brennt und kleine rote Pusteln entstehen), empfiehlt sich die Anwendung eines kühlenden Gels oder Fluids, das die Haut kühlt, beruhigt und mit Feuchtigkeit versorgt. Oft muss man mehrere Produkte auf deren Verträglichkeit testen, bis man dasjenige findet, welches einem persönlich guttut. 

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Anti-Aging-Produkte gegen den Zahn der Zeit 

Cremen, Lotionen und andere Kosmetikprodukte werden häufig mit darin enthaltenen Antioxidantien beworben, die hautschädigende freie Radikale abwehren sollen. Das Versprechen lautet: Antioxidantien haben eine Anti-Falten-Wirkung und lassen die Haut länger jung erscheinen. Tatsache ist: Der Körper hat zwar ein eigenes antioxidatives Schutzsystem, doch dieses arbeitet immer langsamer, je älter wir werden. Da wir im Verlauf unseres Lebens täglich UV-Licht und anderen schädlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, kann die Anwendung von mit Antioxidantien angereicherten Pflegeprodukten sinnvoll sein, um Schäden an den Hautzellen zu mindern – Schäden, die sich sonst als Falten, Pigmentflecken oder im schlimmsten Fall als Hauttumore zeigen könnten. Die mit diesen Produkten zu erzielende Schutzwirkung ist jedoch begrenzt. 

Anti-Aging-Produkte enthalten oft noch weitere Zusatzstoffe, die die Haut frischer und straffer erscheinen lassen. „Man kann mit diesen Pflegeprodukten die Alterung der Haut keinesfalls gänzlich aufhalten, aber bis zu einem gewissen Grad verlangsamen. Es lässt sich lediglich ein temporärer Effekt erzielen“, sagt der Dermatologe. 

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Gene und Lebensstil 

Der Alterungsprozess der Haut ist von Mensch zu Mensch verschieden. Zwar spielen die Gene eine gewisse Rolle und haben Anteil daran, wie rasch die Hautalterung abläuft, einen sehr großen Einfluss hat jedoch auch der jeweilige Lebensstil.  

Die effektivste Maßnahme gegen eine vorzeitige Hautalterung ist ein konsequenter Sonnenschutz. Gleichzeitig senkt man damit das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Im Falle häufiger UV-Strahlung altert die Haut deutlich schneller. Negativ wirken sich auch Nikotin und Alkoholkonsum aus. 

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Vorbeugung wirkt 

Die wichtigsten Maßnahmen gegen vorzeitige Hautalterung zusammengefasst:  

  • nicht ohne UV-Schutz sonnenbaden und einen hohen Lichtschutzfaktor verwenden
  • eine Tagespflege mit enthaltenem Lichtschutzfaktor anwenden
  • nicht rauchen
  • Alkoholkonsum einschränken
  • gesunde und ausgewogene Ernährung
  • reichlich Wasser trinken
  • auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten
  • regelmäßig Sport betreiben: beim Sport wird die Haut vermehrt durchblutet und somit mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Schadstoffe können gleichzeitig besser abtransportiert werden.

 

„Ein solchermaßen gesunder Lebenswandel ist langfristig die beste Methode, auch die Haut langfristig gesund und frisch zu halten“, sagt Dr. Wahl.

 

Dr. Thomas Hartl

Juli 2018

 

Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 11. Juli 2018