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Junge Frau hält sich den Bauch vor Schmerzen

Ernährung bei Gastritis

Unser Magen hält jede Menge aus. Jahrelang nimmt er alles hin, was wir essen und trinken. Doch selbst das geduldigste Organ gerät bei anhaltender schlechter Ernährung irgendwann aus dem Gleichgewicht. Eine Gastritis zwingt einen dann dazu, zumindest einige Wochen lang die Lebensweise zu überdenken und sollte Anlass sein, diese dauerhaft zu ändern. 

Der Magen ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Diese schützt die Magenwand vor Kontakt mit der aggressiven Magensäure, deren Aufgabe es ist, die Nahrung zu zersetzen. Bei einer Gastritis ist die schützende Magenschleimhaut entzündet. Eine solche Entzündung entsteht, wenn zu viel Magensäure gebildet wird oder Reizstoffe ständig die Bildung der Schleimhaut stören. Greift die Magensäure die Magenwand an, führt das zu unangenehmen und oft sehr schmerzhaften Beschwerden. Eine akute Gastritis heilt in den meisten Fällen ohne bleibende Schäden wieder aus. Wird jedoch die Magenschleimhaut dauerhaft gereizt, kann das Problem chronisch werden. 

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Reizende Faktoren 

Die wichtigsten Lebensstil-Faktoren, die eine Gastritis hervorrufen können, sind 

  • Verzehr von fettigen Speisen in zumeist zu großen Portionen
  • Röstprodukte, wie sie in Kaffee oder stark gegrilltem Fleisch enthalten sind
  • großer Konsum an süßen Speisen
  • Verdorbene/bakteriell besiedelte Speisen
  • zu viel Alkohol und Nikotin
  • Stress und psychische Probleme.

 

„Will man eine Gastritis zum Abklingen bringen und dauerhaft loswerden, sollte man sich diese Faktoren bei sich selbst gut ansehen und diese gegebenenfalls verbessern. Nicht nur das Essen, auch ein allzu stressiger Lebensstil schlägt sich bei sehr vielen Menschen auf den Magen“, sagt Mag. Susanne Dirisamer, Diätologin und Gesundheitswissenschafterin in Linz. 

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Schonkost nur in schweren Fällen 

Wird eine Gastritis diagnostiziert, bedeutet das nicht, dass man sich ab sofort ausschließlich mit Haferschleim und Zwieback ernähren muss. Bei leichter Gastritis gilt es lediglich einige Punkte in Sachen Ernährungsweise zu beachten, bei schwerer Gastritis sollte zunächst auf zwei bis drei Wochen Schonkost umgestiegen werden und danach langsam wieder auf Normalkost. Schonkost bedeutet hier eine fettarme und mild gewürzte Kost, die alle leicht verdaulichen Speisen erlaubt. „Also eine leichte Vollkost. Natürlich sind Haferschleim, Zwieback und Tees wie Käsepappel-, Kamillen-, Fenchel- oder Schafgarbenkraut in den ersten Tagen sicherlich förderlich, aber man muss sich nicht darauf reduzieren“, sagt Mag. Dirisamer. 

Zusätzlich wird der Arzt bei einer vorliegenden Diagnose häufig eine Magenschutztherapie verordnen, das heißt, dass der Patient einige Wochen Protonenpumpenhemmer zum Magenschutz einnimmt, welche die Säureproduktion bis zu 90 Prozent verringern. Magenschädigende Medikamente dagegen sollten in Absprache mit dem Arzt in dieser Zeit möglichst nicht eingenommen werden. 

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Leicht verdaulich 

Die Ernährung bei einem gereizten Magen oder Gastritis sollte vorwiegend eine vollwertige und ausgewogene Ernährung sein. Dabei sollen Lebensmittel und Getränke gemieden werden, die Beschwerden auslösen oder diese verstärken können. Es ist ratsam, auf sehr fettige, stark gebratene, salzreiche und scharf gewürzte Gerichte zu verzichten. 

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Ernährungsprinzip einer leichten Vollkost: 

  • leicht verdauliche Speisen
  • langsam und in Ruhe essen, gründlich kauen
  • grobe und schwerverdauliche Speisen meiden
  • auf sehr fette Lebensmittel und Speisenzubereitung verzichten
  • reizwirkende Substanzen (Röstprodukte) vermeiden
  • auf Alkohol, Bohnenkaffee und Nikotin verzichten. 
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Düsten und Garen 

Dünsten, Garen und Kochen sind magenschonende Zubereitungsarten, sie sollten bei Problemen mit dem Magen die Regel sein. Speisen nur leicht anbraten, andernfalls entstehen reizwirkende Substanzen (Röstprodukte), die die Magenschleimhaut beim Abheilen hindern. 

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Langsam essen, gut kauen 

Wichtig ist auch die Art und Weise, wie man isst. Um seinem angegriffenen Magen zu entlasten, sollten die Speisen sehr gut gekaut werden. Man sollte also sehr langsam essen, nach einem Bissen am besten das Besteck zur Seite legen und sehr bewusst die Nahrung im Mund zerkleinern (das gilt vor allem für grobe Bestandteile wie z.B. Nüsse). Dieser Vorgang erspart dem Magen einen Teil seiner Arbeit und er muss daher auch weniger Magensaft produzieren und die Schleimhaut wird geschont. 

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Nicht zu heiß, nicht zu kalt 

Lauwarm ist bei Gastritis die richtige Temperatur. Man sollte also weder besonders heiß noch besonders kalt trinken und essen. „Auch die magenfreundlichen Tees am besten lauwarm trinken“, rät die Diätologin. 

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Kleine Mahlzeiten auf den Tag verteilt 

Bei Gastritis sollte man fünf bis sechs kleine, leicht verdauliche Mahlzeiten verteilt über den Tag zu sich nehmen. Zwischen den Mahlzeiten sollten jeweils zumindest zwei Stunden Pause liegen, in der absolut nichts gegessen wird. Das Abendessen sollte leicht sein und spätestens zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Wer zusätzlich an Sodbrennen leidet (Gastritis und Sodbrennen treten häufig in Kombination auf), sollte eine leicht aufgerichtete Schlafposition einnahmen, also nicht völlig gerade liegen. Zwischen Abendessen und Frühstück sollte man zwölf Stunden gar nichts essen, damit der Verdauungsapparat nicht rund um die Uhr arbeiten muss. 

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Finger weg! 

Kaffee, Alkohol und viel Zucker sind für viele Menschen tägliche Begleiter. Bei Gastritis sollte man damit vorsichtig umgehen:  

  • Kaffee: Kaffee reizt den Magen. Wer es schafft, sollte ihn bei Magenproblemen weglassen. Wer ohne Kaffee nicht auskommt, sollte sich an Espresso halten, am besten schwarz und ohne Milch und ohne Zucker. So getrunken, passiert er den Magen am schnellsten und reizt ihn am wenigsten. Milder Kaffee, oft auch Schonkaffee genannt, ist magenfreundlicher und zu bevorzugen, da die Kaffeebohnen im Röstverfahren mit Dampf behandelt werden.
  • Zucker: Bei Gastritis sollte man die Zuckerzufuhr unbedingt reduzieren, denn auch er reizt den Magen. Am meisten Zucker lässt sich bei Getränken einsparen (Dicksäfte, Sirup, Limonaden).
  • Alkohol: Alkohol schädigt die Magenschleimhäute und sollte daher nur ausnahmsweise und nicht regelmäßig getrunken werden. Besonders schädlich ist die Kombination von Alkohol und Rauchen.

 

Milch und Milchprodukte sind gut verträglich, allerdings sollte man bei Gastritis auf den Fettgehalt dieser Produkte achten und nur fettarme Milch, Joghurts und Käse essen. „Manche Studien weisen darauf hin, dass Milchsäurebakterien eine probiotische Wirkung haben. Auch bei einem Befall des Magens mit Heliobacter-Bakterien, die sehr häufig für chronische Gastritis verantwortlich sind, dürfte Milch einen schützenden Effekt haben“, sagt Mag. Dirisamer. 

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Langfristige Umstellung 

Eine akute Gastritis heilt meist wieder ab, wenn der Betroffene sich und seinen Magen schont. Langfristig soll man jedoch die nötigen Lebensstilmodifikationen durchführen. Das kann bedeuten, dass man seine Ernährung optimiert und generell magenfreundlicher gestaltet, langsam und genussvoll ist und generell die Belastungen und den Stress in seinem Leben reduziert.

 

Dr. Thomas Hartl

Juni 2018


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 06. Juni 2018