DRUCKEN
Büroangestellte reden miteinander

Klima, selbstgemacht

Ein gutes Betriebsklima ist nicht nur die Voraussetzung dafür, dass man sich am Arbeitsplatz wohlfühlt. Es fördert auch Motivation und Leistungsbereitschaft und kommt letztendlich dem Unternehmen ebenso zugute wie jedem Einzelnen. 

Das Betriebsklima ist das einzige Klima, das wir selbst machen“, sagt Mag. Dr. Maria-Gabriele Frey, Betriebspsychologin am Klinikum Klagenfurt. Sie definiert es als „subjektive Wahrnehmung der Bedingungen und des sozialen Gefüges am Arbeitsplatz“. Daher werde dieses Klima auch nicht von allen gleich erlebt. Dennoch gebe es eine gewisse Grundstimmung, die von der Gesamtheit der Belegschaft wahrgenommen und von mehreren Faktoren bestimmt werde, so die Psychologin. Dazu gehören strukturelle Voraussetzungen, wie Entlohnung, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, Arbeitsumgebung, Arbeitsabläufe sowie Sozialleistungen, aber auch andere soziale Faktoren, etwa der Umgang miteinander. Neben einer der Leistung und Qualifikation entsprechenden gerechten Bezahlung sei die Organisation der Arbeitsabläufe mit genau definierten Aufgaben die Basis für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz, meint Dr. Frey. So müssen Arbeitsprozesse transparent und effizient ablaufen und nachvollziehbar sein. Speziell in größeren Einheiten mit vielen unterschiedlichen Aufgabengebieten spiele das Schnittstellen-Management eine große Rolle. Wichtig sei auch, dass die Mitarbeiter entsprechend ihren Fähigkeiten eingesetzt werden. Unterforderung sei genauso negativ wie Überforderung und zu starker Leistungsdruck, erklärt die Psychologin. Das gelte übrigens unabhängig von der Betriebsgröße. Mängel in diesen Bereichen führen zu Stress und wirken sich nicht nur auf den Einzelnen, sondern auf das gesamte Team aus. Es bleibt keine Zeit mehr für soziale Kontakte mit den Kollegen. Gibt es Probleme, sollten sie angesprochen werden, bevor sich Unstimmigkeiten manifestieren. „Konflikte treten immer wieder einmal auf, das ist normal. Es geht nur darum, wie man mit ihnen umgeht. Hier trägt die Führungskraft eine große Verantwortung“, sagt Dr. Frey. Der größte Fehler sei eine schnelle Suche nach einem Schuldigen, statt die Schwierigkeiten als Chance für eine Klärung und Verbesserung der Situation zu erkennen. Sind Probleme vom Unternehmen selbst nicht lösbar, sollte ein Moderator oder Mediator von außen geholt werden. 

up

Hell und freundlich 

Ein wichtiger Faktor sind auch die örtlichen Gegebenheiten. Der Arbeitsplatz sollte hell, freundlich und so gestaltet sein, dass er die Arbeit unterstützt, Kommunikation ermöglicht und fördert, aber auch Rückzugsmöglichkeiten bietet. Großraumbüros seien deshalb ein

schwieriges Thema, meint Dr. Frey. „Banale Dinge können da zum Problem werden. Da macht einer stets das Fenster auf, der andere aber friert. Jemand fühlt sich durch das laute Telefonieren des Nachbarn gestört, ein anderer wiederum verträgt das Parfum oder Rasierwasser seines Gegenübers nicht“, nennt sie als Beispiele. 

Daher sei es in Großraumbüros besonders wichtig, rücksichtsvoll miteinander umzugehen, Probleme rechtzeitig anzusprechen, Lösungen zu suchen und stets die Balance zwischen individuellen Bedürfnissen und den Interessen der Kollegen zu finden. „Großraumbüros sind eine große Herausforderung für die eigene Verantwortung“, meint sie. Aber es sei machbar.  

Betriebliche Sozialleistungen, die über die gesetzlichen hinausgehen, können ebenfalls das Betriebsklima verbessern. Die Möglichkeiten sind von der Größe des Unternehmens abhängig. Das können zusätzliche finanzielle Anreize, wie Essensbons oder Zuschüsse zur Kindergartengebühr, oder eigene Betriebskindergärten sowie Gesundheitsprogramme sein. Neben strukturellen Voraussetzungen macht auch die Qualität der Beziehungen zu Kollegen und Führungskräften die Attraktivität von Arbeitsplätzen aus. Es ist die Unternehmenskultur, die sich auf allen Ebenen widerspiegelt. Gibt es flache Hierarchien, Raum für eigenverantwortliches Handeln und einen mitarbeiterfreundlichen und kooperativen Führungsstil, sind auch das Betriebsklima und damit die Arbeitsmotivation besser.  

„Im Prinzip geht es immer um Wertschätzung“, meint die Psychologin. „Dazu gehört der respektvolle und wertschätzende Umgang der Kollegen untereinander, aber vieles steht und fällt mit der Führungskraft“, erklärt Dr. Frey. „Eine gute Führungskraft hat soziale Kompetenzen, kann vermitteln und lösungsorientiert denken. Sie kommuniziert direkt und offen, lässt Intrigen nicht zu und kann auf Menschen zugehen. Sie bezieht Meinungen und Vorschläge von Mitarbeitern ein und ist in der Lage, zwischen den Ansprüchen des Betriebs und den Mitarbeitern zu vermitteln“, meint die Psychologin. In diesem Bereich könne man vieles lernen, vieles wiederum liege in der Persönlichkeit des Einzelnen. „Die Führungskraft ist auch Vorbild und steht ständig unter Beobachtung. Es ist wie in einer Familie. Was die Eltern vorleben, wird angenommen“, erklärt Dr. Frey. 

up

Nicht wegschauen 

Fairness und Respekt bedarf es auf allen Ebenen. Wenn jeder einzelne Mitarbeiter Mit-verantwortung für eine gute Stimmung am Arbeitsplatz trägt, kommt Mobbing erst gar nicht auf. „Denn zum Mobbing gehören ein Mobber, ein Gemobbter und viele, die wegschauen“, sagt Dr. Frey. Wenn die Kollegen stattdessen die Stimme erheben, könnten solche Situationen häufig rasch geklärt werden.  

Ein schlechtes Betriebsklima kann zu unnötigem Stress führen und krank machen. Der Bedeutung dieses Faktums wurde 2013 mit einer Novelle des Arbeitnehmerschutzgesetzes Rechnung getragen. Darin ist die Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz vorgeschrieben. Werden solche festgestellt, sollten unter Beteiligung der Beschäftigten geeignete Maßnahmen gesetzt und anschließend wiederum auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Ziel ist eine menschengerechte Arbeit für alle. 

 

Monika Unegg

Juni 2018

 

Bild: shutterstock 

 

up

Kommentar 

Klima, selbstgemacht Kommentarbild Mag. Dr. Maria-Gabriele Frey „Das Betriebsklima wird stark von den Führungskräften beeinflusst, aber auch jeder Einzelne kann zu einer guten Stimmung am Arbeitsplatz beitragen.“

Mag. Dr. Maria-Gabriele Frey

Betriebspsychologin am Klinikum Klagenfurt 

Zuletzt aktualisiert am 29. Juni 2018