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Frau zieht sich einen Venenstrumpf an

Venenerkrankungen ernst nehmen

Venenerkrankungen sind ein Volksleiden. Jede fünfte Frau und jeder sechste Mann sind betroffen. Krampfadern, Thrombosen und Co. sollten möglichst rasch behandelt werden, um die möglichen Folgeschäden zu minimieren. 

Das Blut durchströmt den Körper in Arterien, Kapillaren und Venen. Im Körperkreislauf fließt das sauerstoffreiche Blut aus der linken Herzkammer in den Arterien in alle Teile des Körpers. In den Kapillaren gibt das Blut Sauerstoff und andere Stoffe ab und nimmt Kohlenstoffdioxid und weitere Stoffe auf. In den Venen fließt das nun sauerstoffarme, verbrauchte Blut von den Organen wieder zum Herzen zurück.  

„Man unterscheidet das oberflächliche vom tiefen Venensystem. Die oberflächlichen Venen sind jene, die unter der Haut als blaue Adern sichtbar verlaufen, die tiefen Venen verlaufen unsichtbar und sind eingebettet zwischen der Muskulatur“, sagt Dr. Franz Kugler, Oberarzt an der gefäßchirurgischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz. Zahlreiche sogenannte Brückenvenen verbinden die oberflächlichen mit den tiefen Venen. Die Venen haben im Gegensatz zu den Arterien dünne und sehr dehnbare Wände. In den Venen befinden sich in bestimmten Abständen Venenklappen; diese Ventile verhindern das Zurückfließen des Blutes beim aufrechten Gang entsprechend der Schwerkraft.  

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Diagnose

Gefäßmediziner können meist bereits durch die Aussagen des Patienten sowie durch Ansehen und Abtasten von Veränderungen an den Beinen Krampfadern diagnostizieren. Die Diagnose wird durch bestimmte apparative Verfahren abgesichert. 

Anders verhält es sich bei einer tiefen Venenthrombose. Deren Symptome sind ungenau, es zeigen sich z.B. Schwellungen, Schmerzen, eine bläuliche Verfärbung der Haut, manchmal Fieber. Solche Symptome können auf alle möglichen Erkrankungen hindeuten. „Eine Diagnose ist hier selbst für einen erfahrenen Arzt manchmal schwierig“, sagt Dr. Kugler.  

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Erkrankungen im Überblick

Die häufigsten Venenerkrankungen sind Krampfadern, Thrombosen und Venenentzündungen. Sowohl aus Krampfadern als auch aus Thrombosen kann sich bei fehlender Therapie eine Venenschwäche (sogenannte Veneninsuffizienz) bilden. Im Folgenden werden die wichtigsten Krankheitsbilder überblicksmäßig dargestellt:  

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Krampfadern 

Krampfadern sind die häufigste Art von Venenerkrankungen. Sie entstehen durch eine Wandschwäche der Venen und eine Schwäche der Venenklappen. Der Rückfluss des venösen Blutes ist behindert – ein sogenannter „Venenstau“ ist die Folge. Krampfadern können die große und die kleine Stammvene am Bein betreffen oder nur als Nebenastkrampfadern auftreten. Vor allem wenn die Stammvenen erkrankt sind, sollte man sich frühzeitig behandeln lassen und nicht bis ins hohe Alter zuwarten, denn dann erschweren oder verunmöglichen oft zusätzliche Durchblutungsstörungen die Behandlung. Schwere Schäden an der Haut des Unterschenkels wie bräunliche Verfärbungen und Verhärtungen und letztlich Geschwüre können die Folge eines zu lange unbehandelten Krampfadernleidens sein. Außerdem können oberflächliche Venenentzündungen und tiefe Venenthrombosen begünstigt werden. Sogenannte Besenreiser sind meist eine harmlose Variante von Krampfadern und eher ein kosmetisches als ein medizinisches Problem – vorausgesetzt sie treten nicht in Kombination mit der Stammvenenvarikose auf.  

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Folgende Behandlungsmethoden stehen zur Verfügung 

Stripping: Das operative Entfernen der Stammvene nennt man Stripping. Mit dem Häkchen werden zusätzliche Nebenastkrampfadern in einer Sitzung über kleine Einstiche herausgezogen.  

Thermische Methoden: Ziel ist die Verödung der defekten Stammvenen durch Hitzeeinwirkung. Hier stehen zwei technische Verfahren zur Verfügung: einerseits die Lasersonde, andererseits die Sonde für eine Radiofrequenzablation. 

Chemische Methode: Dabei wird ein chemisches Mittel in die Vene gespritzt und diese dadurch verödet („Sklerosierung“). „Im Falle einer Insuffizienz der Stammvene empfiehlt sich eine Verödung im Regelfall nicht. Die Verödung ist gut geeignet für Nebenastkrampfadern und Besenreiservarizen“, sagt Dr. Kugler.  

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Thrombosen 

Unter einer Venenthrombose versteht man den vollständigen oder teilweisen Verschluss einer Vene durch ein Blutgerinnsel, eine Vene (meist im Bein) ist also „verstopft“. Man unterscheidet oberflächliche von tiefen Venenthrombosen. Oberflächliche Thrombosen sind gesundheitlich weniger gefährlich, können aber unbehandelt zu tiefen Thrombosen fortschreiten. Tiefe Thrombosen sollte man möglichst rasch behandeln, um schwere Folgeschäden zu vermeiden. Es besteht nämlich die Gefahr, dass das Gerinnsel in andere Organe abgespült wird. Besonders gefährlich ist die Lungenembolie, die auch bei jungen Patienten tödlich enden kann. Chronische Folgen einer Venenthrombose sind Beingeschwüre (postthrombotisches Syndrom).  

Die Behandlung von Thrombosen besteht in der Gabe von Blutverdünnungsmitteln. „Um Erfolg damit zu haben, ist eine rasche und konsequente Therapie notwendig. Wichtig ist auch das konsequente Tragen von Kompressionsstrümpfen, um einer Venenschwäche vorzubeugen. Die operative oder interventionelle Entfernung der Thromben ist nur in Ausnahmefällen indiziert“, sagt Dr. Kugler. 

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Venenschwäche (Insuffizienz) 

Bei einer Venenschwäche handelt es sich um die Folge einer nicht behandelten Venenerkrankung, konkret einer tiefen Venenthrombose oder einer jahrelang unbehandelten Krampfader.

Man unterscheidet drei Stadien der Insuffizienz: Im ersten Stadium kommt es zu Schwellung von Knöchel und Füßen, im zweiten Stadium zu einer braunen oder weißen Verfärbung und schuppigen Verdickung der Haut, im dritten Stadium kommt es zum Geschwür, der sogenannte offene Fuß heilt nicht mehr ab.  

Eine Veneninsuffizienz ist ein schweres Leiden, das sich nicht mehr vollständig rückgängig machen lässt. Es ist daher wichtig, vorangegangene Venenerkrankungen nicht zu übersehen und frühzeitig zu behandeln.

Die Behandlung besteht im Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen. Es gibt vier verschiedene Kompressionsstärken, die vom Arzt festgelegt werden. Kompressionsstrümpfe müssen regelmäßig erneuert werden. Dr. Kugler: „Die Krankenkasse leistet alle sechs Monate einen Kostenersatz. Zur Milderung der Beschwerden, vor allem zur Ödemvermeidung, haben hier auch Medikamente mit antioxidativer und antiinflammatorischer Wirkung ihre Berechtigung: Rotes Weinlaubextrakt, standarisiertes Rosskastanienextrakt und Oxerutin.“ In stark ausgeprägten Fällen hilft auch eine manuelle Lymphdrainage.  

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Venenleiden vorbeugen 

Auch wenn bestimmte Erkrankungen wie Krampfadern teils genetisch bedingt sind und im höheren Alter automatisch zunehmen, lassen sich gesunde Venen bis zu einem gewissen Grad durch bestimmte Maßnahmen fördern:

  • Regelmäßige Bewegung und Sport, sitzende Position reduzieren.
  • Kneippen und Wechselbäder.
  • Saunieren: Für gesunde Venen ist saunieren vorteilhaft, inklusive eines Fußbades als Abschluss. Besteht jedoch bereits eine akute Thrombose, so sollte man das Saunieren unterlassen.
  • Übergewicht vermeiden: Bei Übergewicht kommt es zu einer Erhöhung des venösen Druckes, der Krampfadern und Thrombosen begünstigt.
  • Sonnenbaden: Entgegen der häufig kolportierten Meinung, schadet Sonnenbaden den Venen nicht.

 

Dr. Thomas Hartl

Mai 2018


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 14. Mai 2018